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11. Natiirgeschichte und Pharmakognosie.
Ueber die Knollenkrankheit der Kartoffeln ;
von
Dr. L. Rabenhorst in Dresden.
__
I n den Zeitschriften fiir Oekonomie und Garlenbau
ist in neuerer' Zeit oftmals von der Kartoffel-Epidemie,
die man Kartoffelwarzen, Kartoffelflecke, Krebs, Schorf,
Trockenfaule, Knollenbrand, Kartoffelgrind, Kartoffelgnatz, Stockflecke u. s. w. genannt hat, die Rede gewesen. Vielfache Methoden, dieses jetzt durch ganz
Deustchland verbreitete Uebel abzuwenden, sind vorgemhlagen worden. Jedoch, soviel ich dariiber in Erfahrung habe bringen kiinnen, sind alle diese Methoden
ohne wesentlichen Erfolg geblieben.
Ein so allgemein wichtiger Gegenstand, der in die
Oekonomie jeder Familie eingreift, verdient wohl auch
hier erwahnt zu werden, um so mehr, da viele unserer
Leser, wenn auch diese Krankheit unter irgend einem
Namen kennend, doch von der Natur derselben noch
nicht iinterrichtet sein miichten.
Ich habe diese Krankheit in allen ihren Stadien
beobachtet und untersucht. Und wenn ich nun auch
wegen Mangels an Gelegenheit nicht iiber die Ursachen d e r Entstehung und Verbreitung, so wie iiber
die Vorbeugung und Abhiilfe derselben selbst Erfahrungen sammeln konnte und k m n , so will ich doch
uber die Natur derselben hier einen kurzen Bericht
geben. Es wHre mir geniigend, wenn ich hierdurch
manche meiner Collegen, besonders diejenigen, die in
lrleinerrr StEdten lehen urid bequeme Gelegenheit zum
Beobachten haben, darauf aufmerksam machen und zu
Versuchetr einer miiglichen Abhiilfe dieses immer mehr
um sich greifenden XJebels anregen kiinnte.
Die Kranlrheit beginnt meist in der Bursern Zellen-
Ueber die Knollenbankheit der Kartoffeln.
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schicht; doch ist keineswegs eine Verletzung d e r Knollenoberhaut nijthig, obwohl ihre schnellere Verbreitung
dadurch befiirdert wird. Es ist vielmehr als gewirs
anzunehmen, d a b eine gewisse Disposition zu dieser
Krankhei’ in einigen der Oberhautzellen vorhanden ist.
Diese Disposition spricht sich durch die Absonderung
oder Erzeugung eiqer grumiis-schleimigen und braunlich
gefiirbten Substanz in den Zellen aus und ist gleichsam
das erste Stadium d e r Krankheit. Bisweilen beginnt
diese Krankeit mitten im Knollen, wahrend derselbe
#uberlich ganz gesund erscheint. Dieses Factum ist
fir die Pflanzenphysiologie besondere von Wichtigkeit.
W a l l r o t h erkannte diese Krankheit a h eine Art
des vegetabilischen Brandes (Uredo, Caeoma der Autoren), zog den ’ Pilz zu seiner Erysibe (Theophrast),
nannte ihn E. subterranee a. tuberum Solani tuberosi
und entwarf folgende Diagnose: xSporis (Pseudo -sporis)
subrotundis maximis obscure cellulosis tenuissimis, primurn
flavicantihus dein fusco-virescentibus sub summa tuberum
subterraneorum vegetorum epidermide livescente maculari
dein colliculosa lacero-fissa grumulos ovato subrotundos
hemisphaericos immersos polysporos iisque effoetis scrobiculos supergciales nudos praestantibus (Linnaea 1842.
pag. 332. Beitrage zur Botanik, I. I . 122. T.ll., F.
12- 15.).
L i n k (Verhandlungen des Vereins zur BefiirderuRg
des Gartenbaues i n den I!. Preurs. Staaten, 33. Lief.,
oder 16. Bd. 2. Heft, pag. 368) sagt: )>der Pilz, we]chen .man auf den. lcranken Kartoffeln findet, ist erst
spiiter entstanden und eine Folge, nicht ‘Ijlrsache der
Krankheita, Wir wollen dem nicht direct widersprechen,
obwohl das Entstehen mitten im Knollen schon genugend ware, diese Behanptung zu entlrrgften. Wir erlauben uns beilsufig aber z. B. die Frage : 1st dieKratzmilbe (Acarus Scabiei) auch Folge, nicht Ursache der
KrLtzkrankheit ?
Ich neige nImlich sehr zu der Annahme einer Geiberatio aequiuoca (Entstehiing aus den Urstoffen ohne
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Rabenhorst :
elterliche Zeugung). Ich werde vielleicht recht bald
meine Ansichten und Beobachtungen, welche hierauf
Bezug haben, in diesem Archive aussprechen. Fur jetzt
mag diese Frage, wic jede Ansicht f u r und gegen die
Urceugung auf sich beruhen, und ich referire f i r jetzt
nur von dem Erscheinen und dem Verlaufe der Kartoffelkrankheit.
Die Krankheit entsteht also in einem Falle von
aufsen, und zeigte sich zuerst durch ein Ahsterben oder
durch eine VerEnderung der Knollenoberhaut. Die
lrranke Stelle nimmt eine schmutzigbraune Farbe a n
und schwillt auf. Es werden durch den grumb's-schleimigen Stoff, der sich i n Masse bildct (nicht uniihnlich
der Bildung der Rinden und Korksubstanz), die Zellen
so ausgedehnt, d a b endlich ihre W a n d e zerreifsen und
sich so modificiren, dafs die Gestalt und Ziukere Beschaffenheit der kranken Stelle warzenlhnlich erscheint.
Bis hierher findct man allerdinga (vergl. L i n k 1. 1.)
keine selbststEndigen und den niederen Pilzformen verglcichbaren Zellenbildungen ; doch diese zeigen sich i m
nHchsten Stadiutn der Krankheit.
Das zweite Stadium der Krankheit nenne ich nBmlich das, wo die Knollensubstanz angegriffen wird, wo
die Krankheit alse mehr um sich greift und die nHchsten und folgenden Zellen inficirt. Das gelbliche We ifs
der Knollensubstans Sndert sich zuerst in eine gleichsarn wie mit Rauch angeflogene Farbe um, nSchstdem
bildet sich ein concentrischer Ring, anfangs hie und da
unterbrochen, meist von einer rothbraunen Farbe und
von dem grurniis-schleimigen Stoff herriihrend. Innerhalb dieses Ringes findet man allerdings noch Zellen
mit unvergndertem Arnylum, und die Kartoffeln sind
immer noch z ur Stgrkmehlbereitung sehr gut zn gebrauchen, doch nicht mehr geniefsbar *). Nach kurcer
*) Sehr wiinschenswerth murste eine chemische Untersuchung
der Knollen in den verschiedenen Krankheitsstadien sein, besonders hinsichtlich des quantitativen Verhaltnisses des Amylums und der durch Uinwandlung desselben erzeugten neuen
Ueber die Knollenkrankheit der Kartoffeln.
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Zeit wird jedoch das Amylum zersetzt; man findet die
Amylumkiirner in einem aufgeliieten und modificirten
Zustande und gleichsam vorbereitet, dem herannahenden Pilz als Nahrung (der Mycomater Fries syst. Grb.
nat. pag. 200 sehr verwandt) zu dienen.
Im andern Fallc ist die Bildung excentrisch, sie
geht von einem Puncte im Innern des Knollens aus
und verbreitet sich unregelmlbig, je nach der Disposition de r Zellen. Untersucht man die krankhaften Stellen der Knollen, so findet man schon Zellenbildongen,
die entschieden fiir eine Pilzform sprechen, und die
Amylumkiirner erscheinen nicht mehr normal.
Das dritte, und nach meinen Beobachtungen das
letzte Stadium (weon wir das ggnzliche Aufliisen der
Knollen ausschliefsen) beginnt damit, daL sich die vorerwahnten concentrischen Ringc scharfer begrenzen
und gleichuam abschnuren. Der Pilz oder d e r inficireode Stoff ist bereits weit vorgedrungen und das ihm
umgebende Gehause, durch die benachbarten inficirten
Zellen gebildet, hat eine grubenfiirmige Gestalt angenommen. Bis hierher ist der Pilz immer noch von
der Oberhaut bedeckt gewesen, jetzt aber zerrallt dieselbe und zwar meist regelmabig, d. h. sie liist sich i n
strahligen Fetzen ah. Der Geruch und Geschmack ist
widrig und ekelhaft.
W a s nun das rein Botanische, die Stellung dieses
Pilces i m Systeme anlangt, so werden wir hn einem
andern Orte das Weitere mittheilen. Bus dem Verlauf
seiner Entwickelnng scheint uns jedoch geniigcnd heryorzngehen, dars diese Pilzform nicht zu Uredo (Caeoma,
Erysibe) gehiiren liann; sie niihert sich dem Fhysoderma
Wallr. am meisten, doch mSchten wir sie als ein eigenes
Stoffe. Mein sehr verehrter Freund, Herr Dr. M e u r e r
hierselbst, hat eine solche Untersuchung eingeleitet und
wird seiner Zeit die Resultate dariiber in diesen Blittcrn
mittbeilen. D e r V,erf.
Wir bitten unsern hochgescb'itzten Freund, Hrn. Dr. M e'u r e r,
recht sehr urn die baldige giitige Mittheilung.
D i e R e d.
304 Rabenhorst : Ueber die Knollenkrankh. der Kartoffeln.
Genus betrachten, dem w i r einstweiIen den Namen
Rhizosporium gegeben haben. Schon W a 11r o t h fand
iihnliche Pilzbildungen an W u r z e l n und Wurzelknollen
von Helianthus tuberosus, Stachys palustris, Ranunculuo
Ficaria; ich hahe dergleichen auch an den Knollen der
Spiraea Filipendula beobachtet.
Es ist iibrigens anzuaehmen, dafs sich diesem Knollenbrande eine andere Yilzform, vieikicht cine dritte
und vicrte, noch zugesellt, was aus den Aeulserungen
von M a r t i u.s (Reg. hot. Zeitung) mir wahrscheinlich
wird und womit sich L i n k ’ s oben angefiihrte Meinung
in Einklang bringen liehe.
Alle bis jetzt hieriiber belrannten Beobachtungen
miissen sonach noch als sehr mangelhaft betrachtet
werden.
’
Es fragt sich nun, wo und worin die Ursache der
Kranlrheit oder die Entstehung des diese Krankheit erzeugenden Pilzes zu suchen sei? Die Beantwortung
dicser Frage miissen wir d e r Zukunft iiherlassen. Die
sich dafiir Interessirenden verweisen wir aber auf die
Verhandlungen des Vereins z u r Befiirderung des Gartenh u e s . in den KGnigl. Preufs. Staaten und auf die Pornmer’schen Monatsschriften, wo Methoden angefuhrt und
VorschlEge gemacht worden‘ sind, dieses Uebel zu heilen.
Leider aber stehen alle dort mitgetheilten Erfahrungen,
Beobachtungen und VorschlBge unter sich im grellsten
Widei-spruch. Schliefslich mufs noch bemerkt werden,
dafs man sich hute, die an den Kartoffeln (den Erdtoffelnj
vorlcommenden faulenden Keime, die sich mehr oder
weniger tief in die Knollensubstanz erstreclren, mit der
hier besprochenen Krankheit zu verwechseln.
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