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316
Vereinszeitung
.
3. Znr Medieinalgesetzgebnng nnd Mediciaalyolizei.
-
Das Koniglich Preussische Obertribunal in Berlin hat unterm
19. October d. J. einen Beschluss gefasst, dshin lautend :
Dass Apotheker als Handelsleute im Sinne des Strafgesetz;
buches zu betrachtcn und daher verpflichtet sind, ihre Geschaftsbiicher in der Art zu fuhren, dass sie eine vollstlndige Uebcrsicht iiber ihre Vermogenslage gewahren. (Her!. A'aclir. 18GO.
No. 2.53.)
Das Ankuncligsn und Feilbieten con Gehei,nmitfeln
betyef e n d .
Die unterzeichnete Konigliche Kegierung, in Erwiigung:
dass die Ankiindigungen von Geheimmitteln und sonstigen
Stotfeii oder Priiparaten, welchen eine besolidere Wirkung in Beziehuug nuf den Gesundheitszustand von Menschen oder Vieh beigelegt wird, in neuester Zeit in einern dns offentliche Interesse gefahrd'endeu Alaasse ziigenomnien haben ;
dass der Gebranch solcher Mittel haufig unmittelbar fichadliche
Wirkungen fiir die' Gesundheit herbeifuhrt, dass aber selbst, \YO
dies nicht der Fall ist, das Publicnm sogar Ingredienzieii zu Preisen bezahlt, welche dern wirklichen Werth derselhen nicht entfernt
entsprechen :
dass es dalier, nachdem die 15estimmungcn des friiheren gegen
diesen Unfng gerichteten franzosischen Strafgesetzes, zufolge des
Art. 11. des Einfiihrungsgesetzes zum Strafgesetzbuche vom 14. April
1851, von den Gerichten fiir aufgehoben erachtet morden, im Interesse der Sanitits- und Bewerbepolizei nothig erscheint, die entstandene Liicke migemessen zu ergauzcn :
nsch Einsicht, und xuf Grund der 0s. 6. Litt. F. und 11. des Gcsetzes Uber die Polizeiverwaltung roni 11. Rliirz 1850, beschliesst
fiir den ganzen Umfang des Hegierungsbezirks Folgendes :
Art. I. : Das Ankiindigen und Feilbieten yon' Nahrungsstoffen,
Arzneimitteln, Essenzen, Priiparaten ete., denen in der Ankiindigung eine heilendc, starkende oder erleichternde Wirkung auf die
Gesundheit von Menschen oder Vieh beigelegt wird, mag die Zusamincnsetzung derselben bekannt sein oder nicht, ist in offentlichen Rllttcrn schleclithin untersagt.
Art. 11. : Ehenso ist es untersagt, dergleichen Ankiindigungen
durch besondere Placate oder MaueranschlLge zur ITenntniss des
Publicuins xu bringen.
Art. 111.: Zuwiderhandlungen gegen diese Verbote sollen mit
einer Geldbusse yon 10 Thlr., im Unvermogensfalle mit entspreehender Gefangnissstrafe bestraft werden.
Aachen, den 23. August 1854.
Konigliche Regierung.
( h X h l z e Xotizen. 6. 1860.)
Abth. des Innern.
Vereiwzeitung
-
.
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B e r l i n , den 18. October.
Die vierte Deputation des Criniinalgerichts verhandelte gestern eine Anklage gegen den Apfelweinhlndler P e t s ch wegen unbefugten Kurirens, die in rnehrfacher
Beziehung interessant war. Der Angeklagte ist wegen desselben
Vergehens bereits zweimal, einmal mit 10 Thlr., das zweite Ma1
mit 20 Thlr Geldbusse belegt und wurde wiederum beschuldigt,
in der Zeit vom 8. Februar bis 10. Mai d. J. an dem Hildhauer
K l i n d e r die Heilung der Schwindsucht unternommen zu haben.
Der Angeklagte behandelte, wie die Anklage sagt, den Kranken
auf dessen Verlangen mit Apfelwein, gab ihm verschiedene Mischungen, verordnete Einreibungen, verbot alle krlftige Nahrung,
besonders Fleisch und Bouillon. Am 10. Mni gab P e t s c h die Kur
auf und am 11. Mai c. verstarb Kl i n d er . Die gerichtlicbe Untersuehnng der Leiche stellte als Ergebniss aiif, dass der Tod des
K l i n d e r durch den Mangel einer kunstgerechten Behandlung und
besonders durch den Mangel kriiftiger Nahrung fruher erfolgt sei,
als unter anderen Urnsfanden anzunehrnen war. Der Angeklagte
erklarte zunachst auf die Prage des Prasidenten, dass er auf kunstgerechtem Wege nicht approbirt sci, wohl aber auf dem Wege der
Natur; er gab zu, dass er bercits polizeilich verwarnt und auch
zweimal bestraft sei und fuhrte dann aus, dass seine Heilmethode
BUS Apfelwein, Milch und Wasser den Menschen urkraftig snrege
und dass alsdann die Natur bieh selbst helfe. Diese Heilmethode
habe er anch auf K l i n d e r angewendet; derselhe war vollkommen
abgezehrt nnd bereits in der Aiiflosung begriffen. Der vernunftige
Arzt snehe zunaclrst den Kranlten aufzurichten; dies habe er ver:
sucht, indem er deniselben Hoffnung auf Genesung gemacht; sei
der Geist angeregt, so sei die Heilung leichter, natiirlich nur da,
wo iiherhaupt noch Hulfe niijglich sei. Seine Behandlungsweise
sei einfaeh und Resuche statte er den Iiranken nur ab, um ihnen
T r o d zu bringen. Er konne sich ruhig schlafen legen, denu wo
irgentl noch Rettung moglieh sei, da erweisen sich die drei Krafte
der Natur rettend, Krlfte, welche alle KrIfte der Kunst iiberfliigeln. Der Angeklagte giebt demnachst zu, dass er dem Kranken
den Genuss von Mastviehfleisch und Bouillon verboten habe, da
eine richtige D i l t die Ursache der Krankheit vermindere und beseitige. Der Prasident theilte hierauf mit. dass der Angeklagte
den Antrag gestellt habe, eine an das Polizei-Prasidium ergangene
Cabinets-Ordre verlesen zu lassen. Auf Requisition des Gerichtshofes wurde von der Polizeibehorde das hetreffende MinisterialRescript iiberreicht. Nach demselben ist dem Angeklagten das
Kuriren durch Apfelweiu zwar nicht gestattet, jedoch hat Se. Majestit der Konig den Minister der geistlichen Angelegenheiten ermLchtigt, den etc. P e t s c h , falls er dem Verbote zuwider handeln
sollte, fiir seine Kuren so lange ausser Verfolgung zu lassen, als
nicht Fiille constatirt 8eien, dsss seine Ku-ren nachtheilige Folgen
fur die Gesundheit seiner Kunden gehabt haben. Gegen die Vernehmung des gerichtlichen Physicus Geheimrath C a s p e r erhob
der Angeklagte Widerspruch, da derselbe keine Erfahrung uber
seine, des Angeklagten Heilmethode habe. Der Gerichtshof be..
schliesst indessen die Vernehmung und der Geheimrath C a s p e r
bekuildete ungefghr Folgendes: Er bebaupte, dass durch die dem
Verstorbenen widerfahrene Kur der Tod desselben nicht herbeigefiihrt sei, denn derselbe litt zur Zeit, als cr den Angeklagten
zuerst consultirt hatte, an der Lungenschwindsucht in einem sehr
vorgeriickten Stadium, so dass naeh allcr Erfahrung der Tod jeden-
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Vereinszeitung.
falls eintreteu musste uud keine menschliche Hiilfe ihn abwenden
konnte. Ferner aber niiisse er behaupten, dass die Behandlung,
der sich der Verstorbene auf den Ratli des Angeklagten unterzogen, eine solche geweseu sei, die jedenfalls nicht geeignet war,
das Leben dcs Verstorbenen moglichst lange zu erhalten. Es sei
bei der Luugenschwindsucht sehr oft der Fall, dass die geschwundenen Krafte eines bereits verlorenen Rlenschen noch auf Rfonate
wieder .erweckt werden k6nnen. Die 1000jiihrige Erfahrung habe
aber gelehrt, dass hierzu kriiftige Nahrung nothwendig sei. Ganz
entgegengesetzte Rlittel habe der Angeklagte verordnet. Beforderung der Secretion uud Entziehung der krlft.igen Nahrung rniisse
in Fallen, wie der vorliegende, den Tod beschleunigen.., Der Angeklagte erwiederte darauf, dass es verniesscn sein wurde, wenn
Jemand behaupten wolle, ein Kranker konne noch so uiid so lange
leben. Nachdem auch die Ehefrau des verstorbenen I i l i n d e r iiber
die durch den Angcklagten eingeschlagene Behandlung vernommen, hielt der Stsatsanwalt v. M 6 r s die Anklage anfrecht und
beantragte 50 Thlr. Geldbusse, event. 1 RIonat Geflugniss gegen
ihn. Der Vcrtheidiger des Angeltlagten, Rechtsanwalt D e y c k s ,
begann sein Plaidoyer niit der Bemerknng, dass er erwartet hiitte,
der Staatsaiiwalt wurde, nachdeni der Inhalt der Konigl. CabinetsOrdre bekannt geworden, die Anklage fallen lassen, denn der Angeklagte solle darnach so lange ausser Verfolgung gesetzt werden,
so lange nicht E'iille vorllgen, welche Nachtheile fur die Geeundheit der Iirniiken herbeigefiihrt haben. Solcbe Falle scien nicht
vorhanden. P i e gllnzenden Folgen der Homoopathie hlt,tcn bewiesen, wie gerade oline Rlittel, resp. mit sehr geringeu blitteln,
Hulfe geschaffen werde. Uebrigens koniie er behaupten, dass die
mcisteii ICranken genesen, nicht, weil sie Lrztlich behondelt werden, sondern obgleicli dies geschehe. Die 1000jiihrige Erfahrung
konue nian in der Medicin nicht snrufen; lege man einen gesunden Menschen ins Bette und lasse ilin iiber Schmerzen klagen und
rufe man verschiedene Aerzte, so werde jeder aiidere Wittel verordnen, keiner aber werde sage.n: ,Der blann ist gauz gesund".
Dass also eiue bestimmtc I3ehandlung iin vorliegenden Falle einen
andern Erfolg gehabt liaben wiirde, konne Niemand behaupten.
Alles Kuriren sei Esperimentiren. Durch die Cabinets-Ordre aber
sei der Angeklagte eigentlich approbirt und konne nur, wie jeder
andere Arzt verfolgt werdeu, wenn er sich eines groben Vergehens
scliuldig mache. E r beantragt das Nichtschuldig. Der Staatsnnmnlt erwiederte, dass die Cabinets - Ordre nur an die Polizei erlassen sei. Zuni Schlnss wies der Angeklagte uoch den Vorwurf
znriick, dass er die Iiraukheit. des Verstorbenen nicht erkannt habe.
Er habe sie der Frau desselben nur aus Sclionung verschwiegen.
Uebrigens thue das zur Sache nichts, d a seine FIcilmethode stets
dieselbe regulirende sei, er in allen Fallen stets dieselbell heillrriiftigen Mittel anwenda, welche das Hiit, reinigen und der gauze11
Wesenheit neuen Trieb und neues Leben geben. Der Gerichtshof
erkliirte deli Angeklagtcn des unbefugten Iiurirens irn R.uckfalle
scliuldig und verurtheilte ihn zu 50 Thlr. Geldbusse, event. 3 Wochen
Gefiingniss. Es wurdc dabei ansgefiihrt, dass die Cabinets - Ordre
nur eine Aiiweisung an die Polizei enthalte, dass der Gerichtshof,
da die Anklage cingelcitet sci, entscheiden miisse, und dass der
Oerichtsliof niclit in der Lage sci, dariibcr zu entscheiden, oh die
Einleituug der Anklage gereclit.fertigt sei oder nicht.
T’e~einazeitung.
3 19
B e r l i n , den 20. October. - Wegen M e d i c i n a l p f u s c h e r e i
stand gestern der Techniker B u c h h o l z vor Gericht. Er ist beschuldigt, scit dem Jahre 1856, ohne als Arzt approbirt zu sein
und trotz dcs unter dem 31. Januar 1859 ihm bekannt gemachten
polizeiliclien Verbots, an verschiedenen Personen gcgen Zahlung
die Heilung von Krampfkrankheiten durcli die von ihm angeblich
erfundenen Mcdicamente vorgenommen zu haben. Der Angeklagte
bestritt, dam die von ihm verabreichten Mittel als Medicamente
im Sinne des 5. 199. des Strafgesetzbuches zu erachten seien, und
bebauptete, dass es gleichgultig sei, ob er seine Mittel als Thee
verabreiche, oder, wie viele Andcre, in Gestalt von Confituren dem
Publicum ubergebe. Der Gerichtshof erkannte jedoch den Angeklagten der wiedcrholten Medicinalpfuscherei fur schuldig und verurtheiltc ihn zu einer Geldbusse von 30 Thalern, indem er dabei
annahm, dass die vom Angeklagtcn unbefugter Weise als Heilmittel gegen Epilcpsie, mithin zur Beseitigung einer Storung des
Nervensystems verabreichten Theesorten allerdings ah Medicamente
im Sinne des 5.199. des Strafgcsetzbuchcs zu erachten seien.
--
- Drei Persouen erkranktcn hier plotzlich, nachdcm sic B i r n e n gegesscn hattcn die mit r o t h e m Z u c k e r bestreut waren.
Der zur Hulfe gerufkne Arzt fand bci den Patienten Anzeichen
einer Vergiftung; er liess eine Probe des rothen Streuzuckers chemisch unteimchen, und es faud sich darin ein nicht unbedeutendes Quantum A r s e n i k . Die in Folge des Genusses Erkrankten
sind wieder hergestellt, der Kaufmann aber, der den giftigen Streuzuckcr vciksuft, zur Bestrafung nngezeigt worden.
Kurpf eucherei.
A n e r k e n n u n g d e r H u ck s t ii d t ’ s c h e n Z a h n t r o p f e n.
Herrn E. H u ck s t i i d t , Berlin, Oranien-Strasse 82. Im vcriaiigenen Jahrc erhielt ich ein Flaschchen Ihrer ausgezcichneten
alirischrnerzen stillenden Tropfcn : ich ersuche Sie wiederum urn
2 Flischchen davon.
Celle iu Hannover, den 14. Septbr. 1860.
C. L o o s e , Lchrer.
Ein
gefdihrliches Glsekt.
Aus der Gcgend von Kiew in Russland wird berichtet, dass
300 bis 400 Mciisclieii in Folge eincs Inscktenstichs gcstorben seien;
uber dieses Inbekt wird nun gemeldet, dars es aus Asien hcrubergekommen sei, wic vor 70 .Jahren, wo viele Menschen eiii Opfer
seines Stiches gewortlen. Gcnaunt wird es Furia infenidis. (Nach
einem andern Berichte riihrteii die gefiihrliclien Stichc von einer
gewoholichen Flicge her. Da iu jenen Gegenden und auch zuletzt
um IGcw seit bereits melircrcn Wochen sporadischc Fille der
asiatischcn Pest sich gczcigt Iinbcn, und auch Vieh an der Seuche
gefallen ist, so vermutliet man, dam jcne Fliegen auf Cadavern
Pestgift eingcsaugt. Man hat nuu zu dem Mittel gcgriffen, dic
IIaas- und Limmcrthuren von aussen stark mit Honig uud Thcer
zu bcstrcichen, wodurch die Fliegen angclockt, sich selten andcre
Gegenstinde suchen, an den Thiircn kleben blciben und SO in unziihligen Mengen getodtet wcrdcn konnen.)
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