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Hans v. Pechmann Ж

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Zeitschrift fur angewandteChernie.
Organ des Vereins deutscher Chemiker.
28. November 1907.
Heft 42.
XX. dahrganfl.
Alleinige Annahme von Inseraten bei Angnst Ycherl, G. m. b. H., Berlin SW 68, Zimmerstr. 37\41
nnd Dsnbe & Co., G. m. b. I I . , Berlin SW 19, Jerusalemerstr. 53154
sowie in deren Filialen: Bremen, Obernstr. 16. Bredam, Schweidnitserstr. 11. Chemnitz Sa., Marktgafichen 3
Dresden, Seestr. 1. Elberfeld, Herzogstr. 38. Frankfurt a. Y., Eaiserstr. 10. Halle a. S., Grofie Steinstr. 11. Hamburg, Alter Wall 76. Eannover, Georgstr. 39. Kaasel, Obere Koni str 27. ESln a. Rh.,
Hohestr. 146. Leipzig, Petersstr. 19, I. Magdebnrg, Breiteweg 184, I. MUnohen Eaufngerstr. 26 (Dornfreiheit).
Niirnberg, Kaiuerstr. Ecke Fleischbi.iiake. StraBbnrg 1. E., Giefihausgame IS&
Stnttgart, Kijnigstr. 11, I
Wien I, Graben 28. WCLrzburg, Franziskanergarjse Slip. Ztirioh, Bahnhofstr. 89.
Der Insertionspreis betragt pro mm Hohe bei 46 rnm tireite (3 gexpalten) 16 Pfennige auf den beiden
kufieren Umschlagseiten 20 Pfennige. Bei Wiederholungen trift enta rechender Rabatt ein. Beiiagen werden pro
1M)O Sttick mit 10.60 M fur 6 Gramm Gewicht berechnet; far schwereseilagen tritt besondere Vereinharung ein.
INHALT:
C. D u i s b e r g : Hans o. Pechmann 2017.
€3. N e u m a n n : Chemie und Archaologie 2019.
J. S c h m i d t : Ein neurr Destillierapparat fur Stickstoffbestimmungen mit Luftkiihlung 2027.
W. V a u b e 1: Zur Berichtigung 2028-
+
Referate:
Breun- und Leuchtstoffe, feste, flussige und gasfirmige; Beleuchtung 2029; - Firnisse, Lacke, Harze, Elebemittel,
Anstrichniittel 2043; - Garungsgewerbe 2049.
Wirtschaftlich-gewerblicher Teil !
Tagesgeschichtliche und Handelsrundscbau: Gewinnung von Baryt i n den Vereinigten Staaten von Amerika; Zuckerindastrie in Trinidad ; - Farbholzgewinnung und -handel auf Jamaika 2052; - Venezuela: Zolltarifierung
voii W a r e n ; - Einfuhr Calcuttas a n Drogdn, Chemiknien und Farhen im Jahre 1906107; - Zuckerproduktion Japans;
- Eisenerzlager in C u b s : - n i e Zuckerproduktionl i n Australien; -- Neusecland; - England: - Loiidon; Niederlande; - Rubland 2053; - Exporlbestrebungen der russischen Kupferindustrie; - Pet,ersburg; - Bukarest:
RuniIinische Petroleulllgesellschaftrn ; - Spanien: Zolltarifirrung von Waren; -- Aus- und Einfuhr von Mineralien und
Metallen in Spanien im Jahre 1906; -Madrid; - Ziirich; - Wien 2064: - l'rag; - Budapest; - Salzhurg; - Das Braiintweinmonopol 2065; - Verein der Spritfahriken Drutsrhlands; - Niirnberg ; - Handelsnotizen 2O.M; - Dividenden;
- Au* aiideren Vereinen uud Versammlungen: Verein der deutschen Textilveredlungsindustrie, Dusseldorf ,3057; Deutsche Chemische Gesellvchaft; - Deutsehe Pbarmazeutische Gesellsehaft: - Internationales Koniitee €iir Acetylen
und Carbid; - Verein osterreirhischer Chemiker; - Internationaler Kongrek zur Abschaffung und Verhiitung van
Verfalachungen yon Nwhrungsmitteln und Arzneien; - Society of Chemical Industry, London Section; - Society
of Chemical Industry, Manehester Section ; - Personal- iind Hochhchulnacbrichten 2058;
Eingelaufene Bucher;
- Biicherhesprechungen 2069; - Patentlisten 2061.
~
V e r e i n deutscher Chemiker:
Fachgruppe fur chemisch.technologischen Unterricht ; - Fachgruppe fur Giirungschemie;
Hans v. Pechmann j-.
Von Prof. Dr. C. DUISBERG.
Gediichtnisredle
gehaltrn
bei der Enthullung des Pechmann.Maru7orhildnisres
zu Tiibingen
a m 2. November 1907.1)
Hochverehrte Anwesmde I
Liebe Freunde und Kollegenl
Es sind gerade 25 Jahre her, daI3 ich als junger
Doktor der G e u t h e r schen Schule zu Jeua mit
der Absicht nach Munchen zog, um dort beim Kgl.
bayerischen Leibregiment meiner Dienstpflicht zu
genugen und die mir verbleibende freie Zeit zum
Arbeiten im chemischen Laboratorium zu benutzen.
Nicht nur die herrliche Lage Miinchens in der Ntihe
der Berge und Seen, nicht nur die hochstrebende
Kunst der bayerischen Metropole, sondern vor
allem der Glanz und der Ruhm des helleuchtenden
Sterns am chemischen Firmament, Ad o 1f B a e y e r,
hatten mich gleich zahlreichen anderen Fachgenossen nach Munchen gezogen.
Wenn uns auch die militiirischen Pflichten im
ersten Halbjahr tagsuber meist voll und ganz in
Anspruch nahmen, so fand sich doch abends am
Stammtisch im Deutschen Kaiser oder einmal
wochentlich auf der Kegelbahn ein Kreis lieber
1)
Vgl. diese Z . 20, 1965 [1907].
Ch. 1907.
.-
Bezirksverein Belgien 2064.
Freunde und Kollegen zusammen, von denen ich nur
lie folgenden hier besonders hervorheben und
iennen mochte: O t t o F i s c h e r , W i l h e l m
K o e n i g s , H a n s v. P e c h m a n n , T h e o 3or Curtius, E d u a r d Buchner, Claisen, Leukhardt, Friedlander, Bamb e r g e r , R u d o l f G e i g y usw. Des ofteren
erschien auch A d o 1 f B a e y e r selbst.
Als die Rekrutenzeit voruber war, und mir tagsuber mehr freie Zeit blieb, begab ich mich eines
Tages zum Chef des Munchener Laboratoriums und
bat ihn, mir einen Platz zu uberlassen. A d o l f
B a e y e r sah mich, den Chemiker in Uniform,
staunend an, schuttelte zweifelnd das Haupt und
meinte schlieBlich, ein Viertelplatz wiirde sicher ausreichen. Mit Beginn des Sommersemesters 1883 erhielt ich dann einen halben Platz im Anfangersaal
der organischen Abteilung unter Leitung des Assistenten Dr. F r e i h e r r n v. P e c h m a n n zugewiesen.
Um in Fortsetzung meiner Dissertation festzustellen, ob dem von G e u t h e r entdeckten
Acetessigester die Enolformel wirklich zukomme,
suchte ich einen Phenollither des Acetessigesters
darzustellen. Zu dern Zweck leitete ich gasfarmige
SalzsLure in ejne groBere Menge eines in einem
Stiipselglas befindlichen Gemisches von Acetessigester und Phenol unter Kuhlung ein, verschloB dasselbe sorgfaltig und lie6 die Flasche uber Nacht
irn Eisschrank stehen. Dr. v. P e c h m a n n , den
233
301 8
Duisberg. Hans v. Pechinann T.
ich damals nur oberflachlich kanntc, und dem man
ob seiner vornehmen Zuriickhaltung nieht leicht
naher treten konnte, obgleich er sich mit seinen
Schulcrn die groljte Miihe gab, auBerte sich zweifelnd
uber meine Absicht, auf diese Weise Ather der aromatischen Reihe herzustellen, und sah staunend den
urnstandlichen Vorbereitungen fur einen derartigen
Versuch, wie ich sie in Jena erlernt hatte, zu. Als
aber am nachsten Tage die Fliissigkeit mit Krystallen durchsetzt war, und dieselben ein neues
eigenartigcs Verhalten zeigten, war v. P e c h m a n n aufs hochste iiberrascht, nahm sofort ein
Reagenaglas zur Hand, wog zu meinem Erstaunen
nnd Entsetzen mit ganzen und halben Ziindholzern
a n Stelle von Gewichten, dem Molekulargewicht
entspreehend, kleine ‘Mengen von Acetessigester
und Resorcin ab, go13 als Kondensationsmittel konzentrierte Schwefelsaure hinzu und erhielt dann
sofort beim EingieDen in Eiswasser eine krystallisierte Verbindung, welche Lhnliche Eigenschaften
wie mein Phenolderivat und vor allem auffallende
Fluorescenz in alkalischer Losung zeigte. v. P e c hm a n n und ich vereinigteii uns nun zur gemeinsarnen Erforschung dieser interessanten Reaktion.
Wahrcnd ich morgens friih Feltldienstiibungen
machte, um erst gegen 10 oder 11 Uhr im Laboratorium zu erscheinen, loste mich dann v. P e c h m a n n mittags bei den Verbrennungen und Analysen ab. Nachmittags erschien ich erst nach dem
theoretisch-militarischen Unterricht gegen 5 Uhr
wieder, urn gemeinsam mit meinem Kompagnon,
oft bis 8 und 9 Uhr, weit iiber die offizielle Arbeitszeit hinaus, zum Entsetzen des Diener; Karl,
die Untersuchung fortzusetzen. So arbeiteten wir
beide in Konkurrenz drei Monate lang, bis wir die
Reaktion nach allen Richtungen hin erprobt und
die Konstitution der neuen Verbindungen als Derivate des Cumarins, speziell dcs Beta-Methylurnbelliferons, ermittelt batten. Als ich dann im Herbst
von den Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.
zu Elbcrfeld engagicrt wurde, um mich technisehen
Problemen zuzuwenden, setzte v. P e e h m a n n
diese Untersushungen mit einer grol3en Reihe von
Schiilern fort.
Noch heute stehe ich bewundcrnd vor dem
grofien Experimentator und Synthetiker, der mich
an Stelle der alteren und umstandlicheren Methode,
wit? ich sie in Jena erlernt, mit den einfachsten
Mitteln ehemisch zu arbeiten lehrte, und dem ich
naeh dieser Richtung hin unendlich vie1 verdanke.
Er verstand es, durch Reagensrohrversuche die
widerstrebcndsten Verbindungen in kiirzester Frist
zu meistern. Ahnlich wie sein Lehrer A d o 1 f
K a e y e r sah er sich die cheniischen Korper so
lange an, reizte und neckte sie, bis sie ihm etwas
Neues zeigten oder sagten oder ihre Eigenart enthiillten. I n dieser Reziehung hat er meines Erachtens iiberhaupt von allen Schiilern seinem Lehrer
und Meister am nachsten gestanden.
Wahrend dieser zwar kurzen, aber arbeitsreichen, mir unvergefilichen Zeit im Miinchener
Laboratorium im Jahre 1883 wurde durch gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen die Freundschaft besiegelt, die mich mit H a n s v. P e c h m a n n fast 19 Jahre lang aufs innigste verbunden
hat. Nicht nur dureh brief!ichen Gedankenaustansch, sondern \-or allem auch durch gemeinsame
[
Zeitschrift far
a n g e a n n d t e Chvmle.
Ausfliige an Sonn- und Festtagen, sowie in den
Ferien mit B u c h n e r als Fuhrer ins bayerische
Gebirge und nach Sudtirol, bei Besuchen in Miinehen und Tiibingen, bei einem lingeren Erholungsurlaub in Reichenhall, zunial bei einer Friihjahrsreise in die Provence und an die Riviera di Ponente,
lernte ich den hochbegabten Freund mit einem Herzen vo 1 Edelmut und Giite immer niehr schBtzen.
An sich eine empfindsame und nach auWen verschlossene Netur, erschien er den Fernstehenden
herb und ablehnend und legte meist eine kalte und
vornehrne Zuriickhaltung a n den Tag. Wer es aber
verstand, ihm naher zu kommen, dem erschlolj er
sein Inneres, das fur alles Gute und Schone zugiinglich war
So ist H a n s v. P e c h m a n n mir erschienen
und naher getreten, so war er auch mit zahlreiehen
anderen, wie mit T h e o d o r C u r t i u s , W i l helmKoenigs, EduardBuchner,JOh a n n e s T h i e l e , E m i l B e s t h o r n und
P’iitz, v. K o k e n , r . B i i l o w u n d W e d e k i n d
in @reundschaftverbunden. Aber auch seine Sehiiler
verehrten und bewunderten ihn. Nicht nur als hervorragenden Lehrer, sowohl in den Vorlesungen wie
im Lahoratorium, sondern auch au8erhalb der
Art-eitszeit, beim Mittagessen, das er als Junggeselle in seiner Wohnung im alten Tiibinger Lahoratorium meist mit einem oder mehreren seiner
Assistenten einnahm, oder am Abend beim Bier,
oder auf dem beriihmten in Tiibingen Aufsehen erregenden Bockfest, das er alljahrlich nach echt
Munchener Weise den Laboranten gab.
( r d‘ra f b~d:ichtw, I-, i:ei Vo~lesrmrc~i
interessant zu machen, zeigte sieh noch ein J a h r
vor seiner Erkrankung bei unserer gemeinsamen
Reise nach Siidfrankreich bei einem Ausflug, den
wir von Arles aus nach Les Beaux machten, um
dort die sehr sehenswerten Ruiiien der Haupt t5tte
der mit,telalterlichen Troubadours zii besichtigen.
Trotz der Beschwerlichkeit der Reise ruhte er nieht
eher, bis es uns nach langem Suchen gelungen war,
die natiirlich vorkommende reine Tonerde, die nach
diesem Ort Beauxit genannt ist, ausfindig zu
machen und Stiieke fur die Vorlesung mitzunehmen.
Das war im Friihjahr des Jahres 1901. Im
Herbst desselben Jahres, nachdem er mit K o e n i g s
und B e s t h o r n eine Reise naeh Zermatt und
Chamounix unternommen, gelang es mir, v. P e c h m a n n , trotz der Scheu, welche er stets vor grol3en
larmenden Versammlungen hatte, d a m zu bewegen, mit mir zusammen naeh Hamburg zur Naturforsclierversammlung zu gehen, um anschliefiend
daran eine Rcise nach dem Norden, nach DLnemark, Schweden und Norwegen zii machen. Schon
in der Schweiz hatte er sich niclit wohl gefiihlt und
nach den Anstrengungen im Laboratorium, das
bald nachdem er im Jahre 1895 von Munehen nach
Tiibingen berufen worden war, die Zahl der ilim
zustriimenden Sehiiler nicht mehr fassen konnte,
nicht die Erholung gefiinden, die er suchte. Da er
sich auch in Hamburg nicht wohl fiihlte, so verzichteten wir auf die Nordlandsreise und ich veran1aBt.e ihn, mit mir nach Elberfeld zu gehen, urn
im Kreise meiner Familie den Rest dcr Ferien zu
verbringen. Er fiihlte sieh bald hesscr undversi-herte
ein uber das andere Mal, da13 ihm nichts so wohl
getan, als der Aufenthalt in unserem Kreise, der
XX. Jahrzang.
’
Heft 47. ‘22. November 1m7. I
201 9
Neumanii: Chemie und Archaologie.
ihm, dem Alleinstehenden, ohne Eltern und Geschwister, so sehr fehle.
Vergnugt reiste er nach Tubingen zuruck.
Nichts deutete die schwere psychische Erkrankung
an, die ihn schon kurz nach der Riickkehr in Tiibingen befiel und die ihn veranlaBte, sich monatelang einer Kur in einer Nervenheilanstalt zu Miinchen zu unterziehen. Durch die absolute Ruhe, der
er sich dann den ganzen Winter hingab, schien eine
nahezu vollige Wiederherstellung erzielt zu sein,
so daB ihm der Arzt Anfang Marz 1902 eine 6 r holungsreise nach Meran und Rapallo in Begleitung
alter Freunde gestattete. Nach und nach stellte sich
jedoch eine Verschlimmerung seines Zust’andes ein.
Schlaflosigkeit, Kongestionen, Angstgefuhl, schwere
Melancholie nahmen in dem MaBe zu, als der Ablauf
des Urlaubs und der Beginn des Sommersemesters
hcrannahte.
Wir hatten vereinbart, uns auf seiner Riickreise
von Rapallo a n den oberitalienischen Seen zu treffen,
um dort noch einige Zeit zusammen zu verbringen.
I n Bellagio fand ich aber ein Telegramm vor, das
mir seine sofortige Riickkehr nach Tubingen meldete und in den1 er mich dringend bat, doch sofort
nach Failand zu kommen, um noch wenigstens
einen Abend mit ihm zusammen zu sein.
Er sah relativ gut aus, freute sich zuerst auch
sichtlich iiber unser Zusammentreffen, klagte dann
aber iiber schlechtes korperliches und seelisches
Befinden. Nach und nach verfiel er in tiefe Nelancholie, Schweigsamkeit und Vorsichhinbriiten.
Trotz eifrigsten Bemiihens gelang es mir nicht, ihn
aus diesem traurigen Zustand herauszubringen und
ihn zu veranlassen, sich mir zu offenbaren. Ich beschwor ihn, nicht nach Tiibingen zuriickzukehren,
sondern bei uns zu bleiben oder in die Heilanstalt
zuriickzugehen. Alles vergeblich. E r bestand auf
seinem EntschluB und reiste am nachsten Morgen
mit dem Nord-Siid-ExpreB nach Tubingen weiter.
Auch der Arzt, den er in Munchen konsultierte, vermochte ihn nicht Zuni Bleiben zu bewegen.
Als ich ihn in Jle,iland zur Bahn brachte und
er von mir in einer Weise riihrenden Abschied
nahm, wie ich es sonst nicht bei ihm gewohnt war,
ersah ich aus seinem umflorten tieftraurigen Blick,
was er zu tun beschlossen. Bei der Schwere der
Melancholie, die ihn erneut befallen, war ich auBer
Stande zu versuchen, den Lauf der Dinge aufzuhalten. Auch seine Tiibinger Freunde, die genau
wuBten, welchen Weg er zu gehen fur gut hielt, sie
konnten ihn nicht von seinem Vorhaben abbringen.
So zogen die Schatten des Todes ihn inimer fester
in ihren Bann, und Ronniger Tag wurdc zur ewigen
Nacht. Nachdem er bei seiner Riickkehr nach
Tiibingen noch einige Tage und Nachte griibelnd
an seipem Schreibtisch gesessen, fand man ihn am
19. April 1902, sehlafend mit bluhenden Wangen,
aber tot, auf den1 Ruhebett seines Fremdenzimmers
im alten Laboratorium.
Der groSe Forscher und Experimentator, der
ausgezeichnete Lehrer, der den Ruf Tiibingens neu
begriindet, der edle Freund, er war nicht mehr.
Das was sterblich an ihm war, es ruht auf dem hiesigen Friedhof, frische Blumen, die Sinnbilder
treuer Liebe und Verehrung, sie schmiicken heute
wie damals sein stilles Grab.
Friede seiner Asche.
Nachdem f i h f Jahre seit diesem tragischcn E r eignis vergangen, soll aber nicht Traucr und Betriibnis mehr uns umwchn. Ein Tag des Gedichtnisses zwar soll der heutige sein, abcr frei von
Schwermut und Beklommenheit. Wir wollen ausschlieBlich dessen gedenken, was an H a n s v.
P e c h m a n n unsterblich war und unsterblich
bleiben wird. I n die Tafeln der Geschichte der
organischen Chemie sind seine Verdienste mit
ehernem Griffel eingegraben. Unser gemeinsamer
Freund und Kollege, , W i 1 h e 1 m K o e n i g s ,
der leider vor einem Jahr seinem Altersgenossen
schon gefolgt ist, er h a t unserem H a n s v.
P e e h m a n n in den Berichten der Deutschen
Chemischen Gesellschaft ein Denkmal aus tonendem
Erz gesetzt, das den gegenwartigen und kommenden Geschlechtern ein wahres Bild der geistigen
Bedeutung dieses trefflichen Mannes iiberliefert.
Damit die Nachwelt auch sichtbar an den bedeutenden Forscher und Lehrer erinnert wird,
haben seine Freunde, Schiiler und Verehrer sich zusammengetan. In ihrem Auftrage hat Prof. F 1 o 13 m a n n , obgleich nur einige wenige Momentphotographien zur Verfiigung standen, meisterhaft die
charaktervollen Ziige des teueren Freundes in Marmor verewigt.
Indem ich im Namen und Auftrage des geschaftsfiihrenden Ausschusses allen, welche die
Aufstellung des herrlichen Kunstwerkes ermoglicht
haben, also in erster Linie dem Kunstler und seinen
Beratern, sowie den Freunden und Schiilern fiir
ihre Spenden herzlichsten Dank sage, ubergebe ich
hiermit das schone Marmorrelief dem hiesigen chemischen Universitatslaboratorium zum dauernden
Andenken an den Leiter des alten und Begrunder
des prachtvollen neuen Laboratoriums. Ich bitte
den Direktor und Erbauer des neuen Instituts,
Herrn Prof. W i s 1i c e n u s und alle Nachfolger,
das edle Kunstwerk zu huten und zii waken. Moge
es alle Kollegen und Studierenden, die sich seines
Anblicks erfreuen, stets daran erinnern, daB H a n s
v. P e e h m a n n nicht nur ein bedeutender Chemiker, sondern auch ein rdler Mensch, rin hilfreicher Lehrer und cin guter trruer Preund gewesen ist.
Chemie und Archgologie.
1. liupf erlegierungen.
Von Prof. Dr. BERKH.NEUMAIUN,
Darnistndt.
(Eiiigeg. d. 21.19. 1907.)
Seit etwa zehn ,Jahren mehren sich erfreulicherweise die Anzeichen dafiir, daU man in weiteren
Kreisen dem Studium der G e s c h i c h t e der
Naturwissenschaften ein erhohtes Intercsse cntgegenbringt. Auch auf dem Gebiete der Chemic erscheinen von Zeit zu Zeit geschichtliche Beitriigc.
Es harren jedoch noch eine groBe Menge Fragen dcr
Beantwortung, die nicht nur rein wissensrhaftliches
Interesse liaben wiirden; sie betrcffen namentlich
das Gebiet der chemischen Technologie. Einen sehr
interressanten Reitrag in dieser Beziehung hat vor
einiger Zeit L e C h a t e 1 i e r mit seiner archiio253*
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