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Ueber die subjectiven Complementarfarben.

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513
deu Aufl6sungen von Chlorbanum und Chlorcalciom kein
Xiederschlag durch freie Zuckersaure.
Durch Erhitzen
mit Salpetersgure wird die ZuckersBure zersetzt in Kleesiiure, Kohlensaure und Wasser; durch Erhitzen mit
Schwefelsaure und Mangansuperoryd in Ameiscnsaure,
Kohlenslore und Wasser.
W i r d freie Zuckersaure mit einigen Tropfen von
salpetersaurem Silberoxyd versetzt, SO entateht kein Niederschlag ; beim Erhitzen wird aber das Silberoxyd reducirt, und wenn vorher einige Tropfen Ammoniak zugcsetzt waren, so legt sich das metallische Silber als ein
s c h h e r MetaIlspiegef an das Glas und versilbert dasselbe in einigen Augenblicken voltstandig. Durch diese
Eigenschaft, so wie durch das Verhahen gegen Kali, Kalk,
Baryt und Bleioxpd ist die Zuckersaure leicht zu erkennen, und von den itbrigen organischen Sauren zu unterscheiden.
XUI. Ueber die subjectiben Complhentmfarben;
von G. T h . Fechner.
(Schlufs von S. 245.)
Z w e i t e r A b s c h n i t t . Ueber die Erklarung
d e r C o m p l e m e n t rr r f a r b e n , w e 1c h e n a c h A n schauung gegebener F a r b e n entstehen.
S o w o h l L e h o t , a h P l a t e a u , als O s a n n sind durch
ihre Versuche zu dem Schlusse gefiihrt worden, dafs die
friihere Erkliirung dieser Farben, zufolge welcher das
Auge durch langeres Betrachten einer Farbe minder
empfinglich fur deren Empfindung , durch llngere libwesenheit derselben dagegen urn so empfringlicher dafIir
werde, unzulanglich sey. Die beiden erstgenannten Beobachter substituireo ihr die Ansicht, dafs diese Farben aus
Poggendorffs Annal. Bd XXXXIY.
33
514
ciuem entgegengesetzten Zustande eutstchen, welchcn die
Netzbaut nacli Aufhdren der dircctcn Eiudriicke freiwillig anuiuiint. Indefs abgesehen rlavon, dafs man niclit
recht einsieht (weder nach den Vorstelluogen dcr E m nations-, noch der Uudulationstheorie), in wiefern Complemcntarfnrben ein VerhSltoifs der Entgegensetzung zu
einander liahen sollen, halte ich auch nach Erfahruugsgriindcu die alte Ansicht bis jetzt. noch fur die geniigentlere.
Die Versucbe, welche gegen dieselbe und fur die
neue Ansicht angehhct werden, sind folgeude :
1) Wcnn man, nachdem man ein rothes Fcld starr
angcsehen, die hugen nach einem scliwarzen Grundc mendet, so sieht man ein griines Feld, dessen Farbe aber
in's Schwarzliche zielit (Le h o t). - Die complerneutarc
Farbe tritt. nicht blafs hervor, wenn das farbige Papict
aui weikem Grunde Iiegt, sondern auch, menn dieser
schwan ist, und das farbige Papier nach anhaltendem
Betrachten weggezogen mird. Im letzteren Falle erscheint
die complementare Farbe nicht mit der Helligkeit, wie
im ersteren, jedoch immer mit einer solchen Intensitat,
dafs sie deutlich wahrgenommen werden kann ( 0 s a nn).
Bei diesen Versuchen nun, sagt man, wo man das
Auge, nach Betracbten des Farbenflecks, auf einen schwarZen Grund richtet, kommt ja gar kein weikes Liclit in's
Auge, an welchem die subjective Zerlegung in einen
empfundenen und nicht empfundenen Tbeil vor sich gehen kdnnte, mithin mufs sich ( wenigstens nach P l a t e a u
und. L e h o t ) die Complemeotarfarbe im Auge selbsfstiindig entwickeln.
Hiegegen ist Folgendes zu erwiedern: Wir kennen
keinen schwarzen Grund, welcher gar kcin weifscs Licht
zuriickzuwerfcn vermachte. Auf dem schw;incaten Rorper kannen wir noch mit Leichtigkeit dessen Unebenhciten unterscbeiden , zum Beweisc ,her unglejchfilrlnigen
Zuriickwerfung, die darauf statt hat. Mau lasse ferner
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auf die schwtineste Oberflache, die man sich verschaffen kann, im finstern Zimmer darch ein Loch des Fensterladens directes Sonnen!icht fallen, so mird der Fleck,
den dieses auf der Oberflache belenchtet, ohne Vergleich lichter erscheinen, a b die Umgebung, was nicht
der Fall seya ki)nnte, wenn das Schwarz nicht noch eine
ansehnliche Menge Licht zurlickzuwerfcn vermdchte.
Dafs man also wirklich befugt sey, das auf schwarzein Grunde erscheinende NachbiId aus der subjectiven
Zerlegung des von ihm noch zurilckgestrahlten weifsen
Lichts abzuleiten, geht aus d'cm Urnstande hervor, auf
den man sein Augeninerk bisher nicht gerichtet hat, dafs
bei dem angefijhrten Versuche das Nachbild rrirklich
dunkIer als der ubrige schmane Grund erscheint, als ein
oerlieftes, mit der Complementarfarbe niiancirtes Schwan,
so dafs es also gerade 6 0 ist, als wenn das weifse Licht,
was der schwarze Grund allenthalbeo noch in schwachem Grade zurtickwirlt, an der SteIle des Nacbbi€des,
wirklich einen Antheil lichtgebender FarbeoetraMen verloren h8tte. Das Umgekehrte ist d e r Fall, wenn die
netrachtung des objectiven Farbenflecks nicht, wie vorhin angenommen, auf schwanein, sondern auf weifsem
geschahe, bevor man das Auge von ihm aufden schwarZen Grund richtet. In diesem Falle erscheint das cornplementare Nachbild heller, als der schwane Grund, auf
dem man es betrachtet, was sich sehr wohl nach der friiheren Ansicht erklart, wenn man berficksichtigt, dafs der
weifse Grund die Empfindlichkeit fur alle, der Farbenfleck blofs fur gewisse Farbenstrahlen schwlchen rnufs.
2 ) Beweisender fiir die neuere Ansicht scheint folgende Thatsache: Man erblickt die zufalligen Farben vollkommen in der vollstandigs~en Dunkelbeit, also auch
dnnn, wenn kcine Lichtstrahlen vorhanden sind melche,
die Empfindring der complementaren Farbe bewirken
kiinnten ( P l a t e a u ) .
P I a t e a u bezieht sich hiebci auf Versuche, wo man,
33 *
516
nach Betracbtung einer objectiven Farbe, das Auge verschlielst oder in den vollkommeu verdunkelten Raum eines finstcrn Zimmers richtet. In der That zeigt sich das
subjective Nxhbild auch hier, gew8hnlich nicht unmittelbar deutlich nach Schlufs der Augen, wo die, durch
die Schliefsuog selbst hervorgebrachte, Unruhe des Auges, w wie auch eine Complicatiba 'mit der anfanglichen
Fortdauer des objectiven Eindrucks das subjective Nachbild zu verwischen uder aufzubebeu scheint, wohl aber,
nachdem man das Auge einige Zeit ruhig gehalteu.
k h selbst will zu dieser Erfahrrwg nocb eine andere fiigen, die dasselbe, als P l a t e a u ' s Versuch, zu beweisen scheint. Man setze i n , das lnit einer Oeffnung
des Ladens versehene Gnstere Zimmer eine monochromatische Lampe '), verdecke das Loch mit einem gelben Glase, rind scbaue eiae Zeit laug durch dieses Loch
mit fest darouf tixirten Augen nach dem Hinhnel. Der
primgre gelbe Farbeaeindruck, den die gelbe Oeffnung
gewahrt, rnft kinen mmplementaren violetten hewor,
welcher sich wirklich, nach Abwendung von dem Locbe, a d einer weifsen Takl, die, im finstern Zimmer
stehend, blofs VOD dem homogen gelbcn Lichte erleuchtet w i d , mit vollkonnneaer Deutlichkeit darstellt, selbst
a i d denn, wenn UKIE das Loch im Laden nun ganz
schliefst, damit nicht das gelhe Glas (als nicht homogen
gefarbt) noch etwas fremdes Licht durchlasse.
Urn diese Erfahrungen in ibc richtiges Licht zu stelleu, ist nilthig, euvor einen Blick auf die.subjective Seite
des Sehens zu werfen.
1) Mit dent dam ganz cinfach e i e Unrertrsse voll Baurnwolle, welchc durch and durch mit K o c h d z eingerieben und dnnn mi1 W e i n g&t angefeuchtet i s t Die der gelben Flarnrne noeh be&nengten
fernden Stralrlen werden durcli ein gelbes Glrr rbsorbirt Man erhilt rnit dieser Vorrichtung e k e vie1 gr6fsere Lichtmurge, 11s mittelst einer Dochtlampe, was bei der grofsen Schwiche d i c e Lichu
oft uwiinscht ist.
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Es kann nicht in Abrede gcstelit mcrden, dak im
Auge aiich unabhangig von aufseren Lichteinwirkungen
eine Entwicklong von Licht oder vielmehr von Iiclitemplinduog stattfrnden kann. Jeder Scblag i d s Augc,
wo wir Funken spriihen selicn, die Druckfiguren P u r k i n j e ’ s uod so viele andere Phaiitasmen, die wir hervorbringen kiinnen, iodem wir dns geschlossene huge in
gewisse abnorme Verhaltnisse setzen, lehren dieis I ) .
J a bei einiger Aufmerksamkeit wird man selbst fiodea,
dafs, wenn innn die Augen schliefst, sey es auch in einem gauz finstern Zimmer, ohoe iibrigens das Auge in
seioen natiirlichen VerhPltnissea zu stiken, doch weder
einc absolute, noch gleichlilrmige DunkeIbeit i0 demselben vorhanden ist, sondern dafs die Dunkelheit sich mit
formlosem Lichtstaub. eder Lichtdunst gleichsam durchzogen zeigt, oder weaigstens in meinem Auge reichlich
genug vorhanden ist. P u r k i n j e druckt sich hieriiber
bezeichncnd so aus: w e s schwebe in der Duokelbeit ein
Chaos von schwacbem Lichte,m was sich iibrigens zu
mannichfachen Figurer, gruppiren kann. Unstreitig kann
man nicht annehmen, dafs in diesen. Fallcn eiM: objective
Lichtmaterie iin Auge thPtig s e g ; sondern dieselbe organische Energie oder Kraft des Auges, welche, sonst geKen den Aeiz des 2nfseren Licht-Agens reagirend, die
Empfindung des gewohniichen Sehens hervorbriogt oder
mit dicser Empfindung selbst zusammenfijllt, ist auch fahig, auf manche andere Weise wn h e n aus aDgeregt
zu werden, ja die Erscheinung des Licht-Chaos im geschlossenen rtrhigen Auge lehrt, dafs sie in gewissem
Cradc beskiddig von selbst angercgt ist. Jede verscbie1) Dcr Vemuthuag Osann’s (Jiete Ann. Bd. XXXXII S.74). dafs
&re Erscheinungm von gleichem Urspmnge seycn, a h die Phospho~rsccnrersrhrinungen dtirc11 Insolation, Jnocllte wohl nicht leicht Jenlnnii genrigt sogn bcirupllicllien.
Die dngegen sprecllrnden G r h l r
scltcirwn nlir ZII scbr sich von relbst darzubietcn, urn eine Eronrrtmg dcrsclbcn hicr niitllig zu findun.
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dene Farhen-Empfiodung setzt nnn eine verschiedene
Actious- oder Reactionsweise dcs Auges voraus; denn
wenii das Auge nur mit uiid durch seine Reaction das
Licht emplindet, so kann diese Reaction fur die verschiedcnen Empfindungen niclit dieselbe seyn.
Diefs vorausgeschickt, wird sich das Verbalten des
Auges hinsichtlich der Entstehung der Cotnplcrnentarfarben so darstellen lassen: Die Netzhaut wird an deu Slelleu, wo sie eine Zeit lang einen gewissen Farben-Eindruck erfahren oder eine gewisse Farben-Reaction geZiufsert hat, fur einige Zeit nachher unfahiger, auf das
Ursachliche dieser Farben zu reagiren, dagegen desto
fihiger, diejenigen Farben- Reactionen zu aufseru, hinsicbtlich deren sie unthatig war, hinsichtlich deren sie ausgerubt hat, sey iibrkens das Urstichfiche, was das Auge
zur Farbe anregen will, in oder uufser dern Awe. Hiedurch erklzrt sich sehr wohl, in Ucbereinstilnlnung mit
der frijheren Ansicbt, wie das an sich zur Lichtentwicklung fahige, ja stets in einiger Lichtentwicklung begriffene Auge auch, wenn gar kein Bufseres Licht mehr in
dasselbe dringt, doch die Complementarfarben entwikkeln kann.
Man wird also nach dieser Ansicbt d e n Anthcil eine8, im Auge selbstthatig entwickelten Lichts (o6er vielmehr eiuer von Innen aus angeregten Lichtempfindung)
an der Erscheinung der Cornplemeutarfarben gern zugeben kifnnen und zugeben miissen; nur wird man diese
Lichtentwicklung nicht erst als uberbaupt hervorgerufen
durch den vorherigen priinareu Eiudruck zu hetrachteu
haben, sondern als bestaildig im Auge vorbanden, und
iiur erhilht oder vermindert , je nachdem das organischc
Vernivgetl dazu, durch vorherige Ruhe oder starke objective Nathigung zu dcrselben Entwicklung, gestarkt
odcr erschiipft ist.
In Uebereinstiinmuug bieinit ist, dafs auch im geschlossenen Auge das complementare Nachbild eines 'far-
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bigen Gegenstandes, den man auf schwarzem Griinde
betraclitet hat, auf das Entschiedenste dunkler als der
iibrige Grund des Auges erscheint. Die Erscheinung verhalt sich also gerade so, als wenn in diesem Falle das
inuere Licht sich eben so iu einen elnpfirndenen and
nicht empfuudenen TheiI zerIrgte, als bci offenem Auge
das iiufserliche. Wahrend sich das Naclibild selbst verdunkelt zeigt, zeigt sich zugleich in dessen Uingebuog
eine Erhelluog, wie sie sonst iin ruhigen geschlosscnen
Auge oicht empfundcn wird; eia Bemeis, daCs der durcli
vorherige Bctrachtung dcs Schwarz ausgeruhtc Theil dcr
Netzhaut wcnigstens relativ an Einpfiodlichkeit fiir das
innere Licht, oder, wenn man es anders arisdriicken will,
an Fahigkeit, inneres Licht zu eotwickeln, gewonnen
Ich sehc in der That nicht rccht ein, wie die
hat 1).
iieue Ansicht, welche die Complemeotarfarben diirch eine
hlofs positive Entwicklung von Lichtemptindung nach voravsgegangener anderer Lichtempfindhng erkhren will, und
cine Errnudung des Auges als Erklarung~rincrpnicbt stattiirt, bei diesem Versoche etwas andcres erwarten kilnnte,
aIs gerade iimgekehrt ein heIles Farbenbild im dunkelhleibenden Grunde des huges. Auch wird die neue Ansicht durch den Umstand, dais Weirs, auf S c h n a n angesehen, nicbt wieder ein weifses Nachbild giebt, in Widcrspruch mit sich selbst gesetzt; denn wenn auf Beh c h t u n g eines zusammengesetzten Roth ein gttines, und
mf Betrachtung eines zusammengesetzten Griin eiu rot h selbststandig im Auge entwickeltes Nachbild folgt,
sb fordert doch wohl die Consequenz anzunehmen, daCs
t4nc Zusammensetzung von Rot11 und Grfiu, d. i. Weirs,
nls Nachbild cine Zusammensetzung von W i n und Rotb,
J
) W&m man cia Farlcnolject auf
tur&rm,
statt auf schwarzeni
CrunJc betrachut hat, zrigt sicli in, gcsclilosscncn .4iJge das cornp h c n i a r c NacLbild a113 brgrcifliclreru Grundc Lllcr, alr der ubrigc
Cnmd Jcs A u p , dcr ndiuliclr ieui 17ir d l t . Fd,cnslrahIcn ermiiclct ist.
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d. i. anch Weirs, geben solltc, dagegen wir ein dunkles
Nachbild wahrnebmcn (was nach der alteren Ansicht
durch eine Ermiidung des Auges fur aZle Farbenstralilen
erkllrlich wird). Man kann hierauf nicht entgegnen, dafs
Rolli und GrUn in ibrer Verbindung zu Weirs vielleicht
eine eigenthlimliche hemmende Wirkung in Betreff der
selbsstandigen Entwicklung ihrer Bachbilder auf einander aufsern; denn wir sehen ja sonst, dafs das Nachbild
einer ziisammengesetzten Farbe sich stets so verhllt, wie
cine Zusammensetzung der Nachbilder dcr einfachen Farben; was aber hat Weirs vor anderen Farbenzusammensetzungeu voraus?
Uebrigens mag es nach diesen ErGrterungen wohl
zugegeben werden, dafs bei den complementaren Nachbildern auch das innere Licht des Auges selbst in den
Fallen, wo diesea offen bleiht, Antheil an der Erscheinung hat, indem die Fahigkeit fiir die Reaction gegen
das innere und &&ere Ursschliche des Lichts stets gleichzeitig w%chst nnd abnimmt. Da indefs das innere Licht
immer betrgchtlich schwacher ist, als das lufsere, was
der helle Tag gewshrt, sey es auch nur von einem schwarzen Grunde, so ist unstreitig jenes bei den Complementarfarben, welche bei offnem Auge im Tageslichte entstehen , haoptsYchlich in Riicksicht zu ziehen.
3) W e n n man ein rothes Object angeschaut hat
und d a m die Augen auf einen gelben Grund ricbtet,
oder wenn man ein grtiues Object angeschaut hat und
die hugen auf einen blauen Grund richtet, vird man ersteren Falk ein sch6n gelblichgriines, letzteren Falls ein
schbn violettes Nachbild seheo; da doch der Grund ersteren Falls kein Grtin, letzteren Falls liein Roth zur
Complementarfrirbung liefert , die mithin im Auge sich
selbststsudig bilden muis ( P l a t e a u in den Annul. de
chim. el de phys. T.LVIlI p . 352).
Alle Schwierigkeit, diesen Versuch nach der alteren h s i c h t zu erklken, dUrfte verschwinden, wenn man
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thcils beriicksicbtigt, dnfs alle Farben, die wir anwenden, auber ihrem eigenthumlichen Farbenlichte auch noch
melir oder weniger weifses Licht beigemcngt enthalten,
theils auf das im Aiige bestrndig vorhandene innere L i c k
Rucksicht nimmt. Die Compleinentarfarbe des Farbeuflecks, welche hierails cntsteht, mischt sich mit der eigenthumlichen Farbe des Grundes.
4 ) Man betrachte ein rothes Feld und ein griines
F e l d , die nebcn einandcr auf schwarzcm Gronde liegen,
ctwa 1 Minute lang so, dafs man abwechselnd etwa 1
Secunde die (mit eincin schwarzcn Punkt bezeichnet )
Mitte des einen, daiin des anderen fi'eldes betrachtet.
Schlierst man die Augen, so erscheint das Sachbild, was
aus der Superposition beider einzelner fiacbbilder hervorgeht '), schwan ( P l a t e a u , Annal. de chim. el de
phys. T.L VIII p. 38Q >.
Aus diesem Versrkhe zieht PI a t e a n den Scblufs,
dafs zwei subjective Farben, die zu einander complementar sind, S c h w a n geben, was ihm. ein Beweis ist, dafs
sie wirklich. einc entgegengeselzte Natur als die objectiven Farben haben, die, wenn sie colnplementar sind,
zusammen Weirs geben.
Es leuchtet inzwischen ein, dars dieser Versuch im
Grnnde nur eine andere Form dessen ist, wo man gleich
eine Zrrsammensctzung aus beiden Complementadarben,
nYmlich Weirs betrachtet hat, und ein dunkles Nachbild
erhslt, was sich nach der alten Ausicht von selbst versteht. Direct gcht die Falschheit von P l a t e a u ' s Folgerung daraus hervor, dak, wenn man die Farbenfeldcr
abmechselnd, auf P l a t e a u ' s W c i s e , auf [email protected], statt
auf schwarzcm Grunde betrachtet bat, dann das Bild,
1) Ncben dirrcm (rnittlcrc;)
Xachbilde findcn sieh nocli zwei i n d e n
die dallrr riiliren,
daL. w5hrcnd ein Feld firirt wird uncl sein Bill1 nnn den Axenpunkt dcr Netzliaut giebt, dm andere Feld zugleiclr auf u'ncn Seitendred der Nertlmut sein Bild &It.
mit den ComplrmentnrfarLen Jcr FelJer gcfirbte,
5%
was aus der Superposition bcider Nacbbilder hervorgcht,
heller als der iibrige Grund des Auges ist, was wiederuln nur cine directe Folgcrung der alten Ansicht ist.
5 ) Man betrachte Iiinreichend lange ein kleines Stuck
rothen Papiers auf eineln sclimarzen Grrrnde, und richte
dono die Augen auf ein grofses Stuck desselben rothen
Papiers, so wird der Rauin, den das Eild des kleioen
Papiers einniinmt, schwarzlich, ohne Beimischung vou
Ruth, erscheinen ( P l a t e a u ) .
Schon Prof. O s a n n (dicse Annalen, Bd. XXXVII
S. 292) hat sich gegen den nicht iniiider sonderbaren
YchluL ausgesprochen, den P l a t ea u aus diesem an sich
ganz richtigen Versuclie zieht, dafs namlich die subjectiven fat bigen Eindrucke die objectiven complementaren
Eiudrucke zerstbren, uud lint die richtige Erkllruug des
Versiicbs gegeben. Den Uiigrund jenes Scblussrs zeigt
ubrigcos wiederum die Abtioderiing des Versuchs, wo
wan das Sttick farbigen Papiers auf m+m, statt auf
schwanem Gruude. betrachtet, bevor men das Auge a d
den gleichfarbigen Grund ricbtet. D e r subjective Fleck
erscheiot jt*tzt cvezplich, statt schwanlich.
6 ) W e n n man ein rothcs Feld fisirt bat, und d e n
BIick hinauf gegen einen weifsen ( h o d wendet, so sicht
man ein graues F e l d , welches aber kleiner, eben so
grofs oder grilfser, als das rothe Feld erschcint, je iiachdein das weifse Papier, wclclies uian ansieht, dein Augc
iishcr , in gleicheui odcr grOl’serem Abstnnde von dewMan legc nrin eiii roselbea ist, als das rothe Feld.
~ h e sruiides Feld s u f einen weifsen Grnnd, und, nachdcin man us lange mit einem cinzigen h u g e firirt hat,
iiliherc UIRII dieses Auge der rotlictn Scheibe, so wird
ilia11 arif der lelztcrcn ciue zweite (kleincre) rotlie Scheibe
~ 0 1 1weit wenig dunklrr Fiirhung sehen, uud diese zweite
Sclicibc wirtl uiii s o kleiurr werden, je mehr sich das
i h g U der ersiet: nahert.
W-cnn u m , stntt dns Augc
der rothcu Sclieibe zu niiberu, dasselbe entfcrut, so sicht
-
523
Innn jene Scheibe von einem griinen Raude umgeben
( L e h o t).
ZuvSrderst Einiges zur Erihterung des Versuchs
selbst, der interessant genug, uad, wie es scheint, noch
wciiig bekannt ist. Unstrcitig ist die Verkleioeruog oder
VergrilCserung , welcbe das subjective Nachbild durch
Xiherung oder Entfcrnung des Grundes, auf dem man
es betrachtct, vom Auge, oder des Auges vom Grundc
erfhlwt, nur dieinbar; es selbst bleibt gleich grors; aber
es deckt im ersten Falle einen verhaltniCsmaEsig lileiueren , im zwciten einen vcrbiiltnifssm$fsig griifseren Theil
vom Bilde des Grundes.
Das Bild des Grundes ist es,
was je nach der NYherung oder Entfernuug vom huge
einen gr6Cseren oder klcinerea 'l'heil der Netzhaut einniulmt. VermBge der Tauschuug unseres Urtheils aber,
die uns den Grund in verschicdenen Eorfernungen gleich
groL ersclieinen l a t t , beziehen wir nun die Gr6kenPnderuug auf das, eigeotlich unverandert bleibende Nachbild.
L e b o t glaobt nun, dafs, wenn bei Naherung der
rothen Scheibe an das fixirende Auge die kleinere subjective Scheibe auf derselben heller oder weirslicher erscheine als der objective Rand, diek nur daher riihren
kthne, dafs sich eine selbststandig im Auge entwickehe
Complementarfarbe zur objectiveu Farbe hinzufirge und
zu Weirs dalnit zusammensetze; dagegen nach der friibcren husicht die Farbe der kleineren subjectiven Scheibe
vielmebr dunkler crscheinen miil'ste, als der objective
Rand.
Nun wird sich aber jeder Ieiclrt iiberzeugen kannen,
dds sic wirklich so erscheint, wenn man den Versuch
init der rotlien Scbeibe auf scbwarzem, statt auf weirsem
Grunde vornimmf; und man sieht bei usherer Betrachlung lciclit eiu, wie nach dcr alten Ansicht beide Falle
leicht erklarlich sind, der crste dadurch, daL das Auge
in der Umgebuog des Eachbilds. durcb das Weifs fur
,
524
alle Farbenstrablen, im Nachbildc selbst b l o b fur gcwisse Farbenstralilen ermiidet ist; wahrend es im zweiten Falle iu der Urngebung des Nachbilds fiir alle Far-
benstrahlen ausgcrirht hat, im Nachbilde sclbst doch fur
gewisse erschijpft ist.
Beilsufig will ich hicr noch folgendeu interessanteii
Umstandes gedenken. Schaut man eine Lichfflamme oder
irgend ein farbiges Object, was ein Naclibild zu liefern
im Staodc i s t , BUS einer griifseren Entfernrrng als der
deutlichsten Sehweite a n , SO wird das Nachbild iro geschlossenen huge dann kleiner zu seyn scheinen, als das
Object; griifser dagegen, wenn man dieses BUS kleinerer
Entfernung, als der deutlichsten Sehweite, anschaute. Das
gcschlossene Auge beurtheilt also die Grdfsenverinderungen, welche das Nachbild je nach der EntfernuDg des
Objects erhirrt, richtiger, als das offene Auge die Verlinderungen in der scheinbaren Grafse des Objects selbst.
Denn die Objecte scheinen uns, vermbge eioer uns zuc
Gewobnheit gewordenen Association des Urtheils mit der
Empfindung, bei verschiedenen, nur nicht gar zu groh n , Abstanden betrachtet, immer dieselbe Grblse zu
behalten; ohwohl naturlich ihr Bild im Auge hiebci einen cerschiedenen Rairm einnimmt. Im geschlossenen
Auge vermissen wir die UmstBnde, welche unser Urtheil
hiebei lciten, und es bleibt blofs die Empfindung des
Raums iibrig, den &is Bild auf der Netzhaut einnimmt;
wobei ein unwillkijhrlicher Vergleich seiner Griifse mit
der Grijlse stattfindet, uelche das Bild bei Betrachtung
des Objects aus der derrtlichsten Sehweite erlangt.
7) P I a t e a u glatrbt aus seinen Versuchen den Schlufs
ziehen zu kiinnen, dafs nach objectiver Betrachtuiig ciner Farbe eiu oscillntorischer Zustand der Netzhaut eintrete , indcm die urspriingliche Empfindung erst eine
W e i l e fortbestehe , d a m von selbst in. die complemeutare ubergehe, welche er angefulirtcrniafsen einem entgcgeogesetzten Zustande der Netzhaut beimifst; diese
525
colnplelnentare Empfindung aber niclit durch ein cooti:
nuirliches SchwYcherwerden, sondern mit Abwechsluugen der SchwSchung uud Wiederbelebung verschwinde,
jn untcr Umstaiiden die Oscillation selbst bis zum Wieclereintritt des urspriinglichen directen Eiodrucks gehe.
Diese Ansicht will ich vor jetzt im Gauzen.noch
unmiderlegt lassen, in sofern die hauptsachlidsten Tbatsacben, welche zu eiuer ganz anderen Ansicht fiihreu,
erst in der Fortsetzung dieser Versuche euthalten seyn
wcrden. Inzwischen will ich doch Folgendes bemerken :
W a s zuvihderst den, allerdiogs richligeo, von P 1at e ;1u geltend gemacbten, Umstand anlangt, dafs das cornplemeutarc Nacbbild einer Farbe, oder auch eines schwuarZen oder meifsen Flecks, wahrend seiner Daucr im Auge,
1ei ch t m e h rmals a b w e chs elnd v ersch wind e tin d wi ed er
hcrvortrete, so rubrt er von einern, dem Wesen der Erscheinuug ganz fremden, R’ebenurnstande her, auf den
man hisher sein Augenmerk nicht gerichtet hat. J e d e
Bewegiing des Auges oder der Augedieder disponirt das
Naclibild zum Verschwinden ; ja selbst eine Bemegung
des ubrigen KGrpers, tiberhaupt also Alles, wie cs sclieint,
was die GleichfGrmigkeit des Gehfs- und Nerven-Einflusses auf das Auge stiirt. Man kann jedes nicht zu intensive Naclibild wcifser oder schwarzer Objecte momentan ZUIII Verschwinden bringen oder betrach~lichabschwschen, wenn man einen einzigen Schlag mit den AugenJiedcrn uber die Augen weg giebt, oder die Augen momentan rasch seitwlrts meodet, sey es n i t oder ohne
Koplbewegung, oder lebhaft mit dem Kopfe nickt, tibrigens sofort nach jeder dieser Bewegungen genau wieder
die friibere Stelle fixirt. Ja selbst, wenn man, bei miiglichst unverriickt gehaltcnem Auge eiuen lebhaften Stofs
niit den Armen oder einem Fufse nach abwarts oder
seitwarls in die Luft thut, verschwindet oder schwPcbt
sich im Augenblicke des Stofses das Nachbild, belebt
sich aber dann in kurzer Zeib wieder bei fisirt gehalte-
826
nem Auge. Selbst auch sanfte Bewegungen des Auges,
die oft unwillkuhrlich und unbewufst eintreten, und nur
an der Bewegung des Nachbilds iiber das Gesichtsfeld
erkannt werden, fiihren schon eine derartige Disposition
zum Verschwinden des Nachbilds herbci.
Diese Disposition ZUUI Verschwinden des Nachbilds
dorch korperliche Bewegungen zeigt sich am stsrksten
bei den hellen oder dunkeln (Mscliiich voii Andern w e i t
oder schwarz genannten, da sie vielmehr entscl~iede~i
farbig sind) Bachbildern, die, nach Betrachlung von Schwarz
auf Weifs, oder von Weifs auf Schwan, in verbreitetem
Tageslichte eutstehen, weniger (wie es mir wenigsteus
immer gescliienen. hat) bei denen, die nach Betrachtung
farbiger Objecte entstehen, obgleich auch bei dieseu der
Einflufs davon wabrnehmbar ist.
J e mehr es mir nnn gelang, das Auge hei Betrachtring eines Nachbildes in vollkommener Ruhe und gleichfbrmiger Spannung zu erhalten, desto mehr babe ich die
Erscheinung des abwechselnden Verschwindens und Wiederhervortretens der Nachbilder sich mindern seheo. Allerdings stelle ich nicht in Abrede, dafs ich bei den
Nachbildern, welche nach Betrachtung von Schwan auf
Weifs, oder von Weifs auf Schwan entstehen, auch bei
ganz ruhig gebaltenem Augc ein siclitliches Verschwinden und Wiederhervortreten des Bildes an derselben
SteIle des Grundes bfters wahrgenommen babe: wer abcr
kano dafiir stehen, dafs nicht eine stlrkere, zum Auge
strfimende, Bliitwelle die Erscheinung momcotan zerstiht
habe? Ueberdiefs reicht, wenn das Auge erst eine gewisse Zeit in Spannung durch Fixiren derselheo Stella
erhnlten ist, d a m auch i)fters die kleirzste, fast unmerkliche, Bewegung des hugenliedes, ein unmerkliches Winken damit, schon hin, das Nachbild momentan zu zerstfiren, iind solcher kleinen unwillkubrlichen Verlnderungen im odcr am Auge glaubt man sich in der T h a t
bei den Fiillen des unbeabsiclitigten Verschwindens ge-
527
wiihulich bewuht z t ~werden, obwohl ich hier die MGglichhcit einer SelbsttYuschung nicht kiugne.
Aucli die in eincr Portsctzung dieser TJutersuchtingcH niher von rnir zu beschreibenden uod zu cr0rterudca sogenannten Blendiingsbilder, welche man, naclidcin
inan eine Lichttlamme oder einetl audern selir hellen Gcgenstand euf dunklem Grunde betrachtet bat, bei geschlosscncm Auge wahrnimmt, und die hauptsachlich von
der Fortdauer des Gesichtseindrucks abh;ingen, sieht man
Ofters freiwillig verschwinden; aber nie habc ich dieses
Verschwinden beobachtet, als wenn sicli d,is Blendungsbild z w o r iiber dns dunkle Gcsichtsfeld hinweg bewegte
(gleichsam aus deinselben heraus bewegte), was eiuc Bewcguug des Augcs sclbst vorausaetzt; und es ist bemcrkensmerth, dafs, weiin man anfangt, sich mil diesen Versuchen zu beschlrftigrn, es .scbwer b d t , sicb dieser UeWegUDg zu erwebrcn; gang uufreiwillig dreht sicb das
Auge vnd entgclrwindet das Bleuduogsbild, glrichsam als
wend es sich unter die Augenbrauhbogen verkriiche, tritt
aber bei neuer Fixation des Auges wieder hervor. Fur,
die Beobachtuog der verschiedenen Phasen der Erscheinung i s t dieser Urnstand sebr stdrend. Bei Fortsettung
dieser Versuche hat sicli indefs dieser Uebelstaiid bei
mir VOD selbst, oder vielleicht in Folge wiederholter
kraftiger Bemilbung, das Auge firirt zii erbalten, vbllig
verloren; das Blendungsbild bleibt jetzt unverriickt im
h g e stehen, und seitdem diefs der Fall ist, habe icli
bci meioen fast zahllosen Versuchen damit nie mehr ein
Versrhwinden desselben ( a u t e r dem eudlichea) vahrgenommen.
Uebrigens Iiegt in diesem Uinstande, dafs die sanften ~nwt'llkiihrlichenUrchungen des huges ein Verschwinden der Blendungsbildcr nach sich ziehen, etwvas scbwer
ErkfYrliches; dean durcli gewaltsame wiUuhhche Bewegungen des Auges oder Kbrpers hnbe ich Blendungsbilder keinesvfeges SO zum Verschwinden zu bringen ( j a
528
kaum zu schwkhen) vermocht, als die schwkheren Nachbilder, die man, nach Betrachtung von weilsen oder schwarZen Objecten auf respective schwarzem oder weilsern
Grunde, in verbreitetem Tageslicbte bei offencm Auge sieht.
Ich will bei dieser Gelegenheit gleich noch eines
anderen Umstandes gedenken, der auf die Intensitst der
Nacbbilder oder respective Blendungsbilder von wesentlichem Einflufs sepn kann. Man schaue beispielsweise
ein Fensterkreuz gegen den bellen Himmelsgrund an.
Nach dem Scbluls der Augen wird man vermOge der
Dauer des Gesichtseindruclrs das dunkle Kreuz mit bellen Scheiben noch eine kurze Zeit erblicken; bald aber
wird es in ein helles Kreuz mit dunkcln Scheiben tibergehen. W e n n dieses nun scbon anfingt in Undeutlichkeit iiberzugehen (oder auch schon friiher), kneipe man
momentan die Augenlieder lebhaft zusarnmen, and lasse
sie dann wieder schnell nacb, oder 6ffne auch wohl die
Augen momentan ein klein wenig. Im Augenblick des
Zusammenkneipens wird sich die Erscbeinung vollends
verdunkeln, im Augenblick des Nachlassens aber das
belle Fensterkreuz mit erneutem Glanze aufblitzen; und
wiederholt man das abwechselnde Zusammenkneipen und
Wiedernacblassen mehrmals in k u n e n Zwischenraumen
binter einander, so kann das Kreuz fast blendend hell
werden. Man kann auch durch diefs Mittel in solchen
Fiillen, wo das Nachbild des Fensterkreuzes gleich anfangs nicht deutlich sich zeigen will ( w i e bei wenig erregtem oder wenig reizbarem huge 6fters der Fall) dassclbe zum Vorscbein bringen. Bei einiger Aufmerksamkeit wird man iibrigens bemerken, dafs wahrend des Zusammenkneipens das Nacbbild sich zwar verdunkelt, ab er
nicht verschmindet, und dafs hicbei jedesmal das Kreuz
dunkel, die Scheiben hell erschcinen, wahrend beim Nachlals der Augeulieder das umgekebrte Verhaltnifs stattfinJet. Im Allgemeinen ist das Helle bei diesen Versuchen nicht rein meifs, das Dunkle nicht rein schwan,
son-
529
sondern farbig, \vie iibcrhaupt die Knchlilder weil'ser
uud schwarzer Objecte einen (bei Blendungsbilderii schou
Iiiogst bekaonten) Farbeuwaudcl zeigen, der, wie ich in
der Fortsetzung dieser Untersuchungen zu zeigen suchen
merde, vou dem ungleichen Verhalten der verschiedenen
Farbenstrahleu bei dem PhPnolnen der Sachbilder herriihrt.
Im Zusammenhauge uiit Vorstehendem steht unstreitig auch folgeade Erfahrung: W e n n ich direct oder
durch ein Farbeuglas in. die S o m e gesehen hatte, und
das dadurch entstandenc Blendungsbild schon liugst im
ruhig gehaltenen Auge rerschwunden war, SO trat doch
lauge nachher noch jedesrnal im Moment, wo ich die
hugeii schlok, oder wo ich sie Gffnete, ein allerdings
uur unscheinbares Nacbbild wieder hervor. Spuren dieser Erscheinung habe ich uoch Tage lang, nachdem ich
iu die Sonqe gesehen, wabrgenommen.
'Iu allen diesen Fallen ist es jedoch nicht die Bemegung des Auges oder der Augenlieder an sicb, WOVOQ
der Eintritt oder die Veraoderung der Erscheinung abIiangt, sonderu der veriinderte Lichteinflufs ' ). Den Beweis h'ievon erhilt inan dadurch, dafs, Kenli man sich
nach huschauung des Fensterkreuzes sofort in ein finsteres Ziiniiier begiebt, dann das Zusammenkneiperi und
Xachlasseu der Augenlieder seiireu Eiuflufs auf das Nnchbild gain verliert. Ferner, weuu wan ( nach zuvoriger
Beirachtuog des Fensterkrcuzes im hellen Zimmer) im
firistern Zimater die hugen offen gegen die W a n d gerichtet biIt , uud nun durch abwechselnde Oeffnuug und
Verschliefsung eines Lochs irn Fenstcrladen abwechselnd
Licht d i f s t und wiecler abhalt, so wird sich bei vi)llig
ruhigem Auge der angegebeue Wcchsel iu der Erscheiuung des Kachbildes &enfalls zeigen. Dieser Versuch
1 ) Selbst durch die geschlossenen liugenlieder n5mlich scheint noclr ein
nicht unbetrjchtlichcr ihthcil L&t hindurdi, der rich Jurch Zusammenkneipen derselben rnindert.
Poggendorfl's
bnnal. Bcl. XXXXIV.
34
,350
is1 schr froppant, man kaun solchergestalt das Fensterkreuz auf der W a n d mit fast gleicher Lebhaftigkeit, als
in der Wirklichkeit , zur Erscheinung, bringen. Auch
im hellen Zimmer kann inaii das lebhafte hufblitzen der
Encheinung dadurch hervorbriogeu, dafs mau, wenn mau
anfangs die Augen mit dcn Handen verdeckt hatie, diese
nun wegzieht, so dafs das Licht durch die geschlossenen, wenn aiich ruhig gebaltencn, Augenlieder durchscheiut ; doch ist das Ziisammenkneipen uod Dachlassen
der Atigenlieder bei meiuein huge vie1 wirksamer. Diese
Versuche werden in der kiinftigen Fortsetzung dieser
Abhandlung noch in anderer Beziehung Interesse gewinnen.
Den h6cbst interessanten Versucli, den P I a t e a u
in diesen Annalen (Bd. XXXII S . 5 5 0 ) zur Bestatiguog
seiner hnsicht eines oscillatorischen Zustandes der Netzhaut bei Erscheinung der Nachbilder anftihrt, und den
Hr. Prof. O s a u n niclit zu reproduciren vemocht hat
(Bd. SXXVII S. 293), ist mir ohue Schmierigkcit und
wiedcrholt geluogen. Man wird aber aus dem klinftigen Verfolg dieser Untersuchungen sehea, dafs er noch
andere Erklarungen zulafst.
Dritter Abschnitt. U e b c r d i e A b s n d e r u n g e n
des subjcctivcn Nnchbildcs nach Verschiedenheit des Grundcs, a n f dem das Object bet r a c h t e t w i r d.
Das Vorige hat gczeigt, dafs cine unterlassene Beriicksichtigung der Vcrschiedcnheit , welche die Beschaffenheit des Grundes in die Erschcinang des Naclibildes
bringt , mehrfache Fehlschliisse vcranlakt hat. Es hat
mir dahcr nicht iibertlljssig geschienen, ZUT BegrQndung
eincr sichercn Indiiction, das Thatsrichliche in diesem
Eczuge durch eine hiurcichende Abeuderung der Versuche festzustelien.
631
hls Objecte dienteu kleine Flachcn farbigen Papiers
(beispielsweise griiues) in der Griifse von
bis 1 Quadratzoll, quadratiscb, rechteckig oder rund, was das W e sentliche der Erscheiniing nicht abandert. Als Grund
diente ein Bogen Keifses, schwanes oder farbiges Papier. Alle Beobachtungen wurden in verbreitetem Tageslichte angestellt. Urn beini Uebergange VOM primaren Eindruck zum Nachbilde das huge unverriickt zu
crhalten (was iibrigens bci diescr Klasse der subjectiven
Erscheinungen unwesentlich ist) wurde das an einem Faden befestigte Object vom (‘rrunde scbnell weggezogen,
wenn die Betrachtung des Nachbildes gegen denselben
Grund geschehen sollte, auf welchem das Object betrachtet worden war, oder im Gegeufalle ein anderer
Grund uber das Object hingeschoben.
Die bier dargestellten Erscheinnngen sind iibrigens
aicht so bescbiebes, wie sie sich unmittelbar nach Besejtigung &s Objects darstellen, sondern wie sie sich
definitiv verhalten, wenn der complementare Eindruck
ein entschiedenes Uebergemicht uber den yrimsren erhalten hat. In der That, wegen der anfanglichen Complicatiou mit der Fortdaiier des primaren Eindrucks (die
ich mich statt der ron P 1a t e a u bcliaupteten Succession
beider anzunehmen bewogen finde) ersclieint das complementare Nachbild nicht sofort nach Bcscitigung des
Objects auf dem Maximum der Intensitiit, sondern erst
einige Zeit nachher, um so spzter, je intensher beleuchtet die objective Farbe war. Desbalb ist .auch, wenn
man eincn Fleck auf schwanem Grunde betracbtet hat,
das Nncbbild (auf demselben Grunde betrachtet) erst
cine k u n e Zeit noch heller als der Grund, tind wird
crst allmiilig dunklcr. Dassclbe lehrt der schvn vorliin
crmahnte bekannte Versuch, wo man nach Firiren des
Fensterkreuzes das Auge schliefst. Im ersteu Momente
sieht man noch die hellen Schciben mit dunkclui Kreuz;
+
3.i
*
5%
aber sie gehen bald in dunkle Scheiben mit bellem Kreuz
iiber.
Uebergangen sind ferner in der nachfolgenden Zusammenstellung die, unbegreiflicherweise bis jetzt unbenchtet gebliebeneu deutlich farbigen Nachbildcr, welche
man durch Betrachtung weifser Objecte auf schwanem
Gronde oder umgekehrt erhalt, von welchen ich, im Zusammenhange mit anderen Punkten, kilnftig handeln merde.
I.
G r i i n e s O b j e c t , b e t r a c h t e t aut' w e i f s e m G r u n d e .
1) Nachbild auf wezjhrn Grunde: rotb, heller als
der Grund; dieser niit einem deutlicben griinen Scheioe
tiberzogen. J e duukler das Farbenobject, urn so heller,
aber aiicli weifslicher , weniger fnrbig das Nachbild.
2 ) Nachbild auf schcvarzern Grunde : Roth, heIler
als der Grund, doch vie1 dunkler, als wenn, wie unter
No. 1, das Nachbild auf weifsem Grunde betrachtet wird,
wovon ma0 sich gut iibeneugen kann, wenn man das
Nacbbild halb aaf Schwarz, halb auf Weifs fallen Mst.
Je dunkler daa griine Object, urn so beller und weifslicher das rothe Nachbild. Ein nicht sehr deutlicber grUner Schein uberzieht den scbwarzen Grund um das Nachbild.
3) Nachbild auf griinem Grunde: meifslich, beller
als der Grund; dieser vou erhdhtem Griin.
4 ) Nachbild auf rofhem Gruude: roth, lebbafter und
heller als der Grund ; aber keiaeswegs weitlich, wie UOter No. 3, wo die Ftirbung mehr verschwindet, dagegen
sie bei No. 4 einen intensiveren Eindruck macht.
11.
G r t i n e s O b j e c t , b e t r n c h t e t nuf s c h w a r c e m Grunde,
1 ) Nachbild auf wezysenr Grundc: roth , dunkler
als der Grund, um so dunkler, je heller das Object war.
Der Grund urn dae Nachbild deutlich $.in liberlaufen.
2 ) Nachbild auf schwarzern Grunde: eio vertieftes Schmarz mit rother Nuance, je heller das Object.
533
Der minder dunkle Grund undeutlich mit Grun iiberlaufen.
3) Plachbild auf griinem Grunde: schwarzlich; der
grune Grund sehr licht und hell.
4 ) Nachbild auf rothem Grunde: tiefes reines Koth,
dunkler als der Grund, welcher weifslich uberIaufen erscheint.
111.
V V e i f r e s d b j e c t , a u f griinem Grunde b e t n c h t e t .
1) Nachbild auf wezpem Grunde : SchwvBnlichgrUn,
dunkler als der lebhaft roth erscheinende Grund. Dieser Versuch ist wegen der starken subjectiven Farbung
der ganzen Ausdehnung des Grundes sehr frappant.
W e a n ich ein kleines weiCses Papierfragment in die
Mitte eines ganzen griinen Papierbogens lege, und das
Nachbild dann auf die Mittc cines gleich grofsen weiLen Papierbogens fallen lasse, so erscheint der ganze
weifse Bogen um das Nachbild lebhaft roth, und zwar
iiber die game Flache gleichrnlfsig roth, abgesehen von
einem helleren Schimmer in dcr nachsten Umgebung des
Nachbildes, der urn so deutlicher jst, je dunkler die objective Farbe war. Uebrigeos findet diese Gleichfiirmigkeit in der ganzen husdehuung des Grundes auch in den
Fiillen statt, wo, wie unter I. und 11., derselbe sich
blofs nit einem weniger dcutlichen Farbenscheiu iiberzieht.
2) Nachbild auf schwarzem Grunde: griin, dunkler als der Grund, welcher mit deutlichem Roth iiber-
laufen erscheint.
3) Nachbild auf griinem Grunde: sehr reines gruo,
dunkler als der Grund, welcher wciklich iiberlaufcn erscheint.
4 ) Nachbild auf rothm Grunde: schm;irzlich, oder,
wenn das Roth durch vie1 beigemischtes Weirs sehr hell
ist, schwiirzlichgriin, dunkler nls der Grund; der g n z c
Grund von sehr lebhaftem reinen Roth. Man kann sicL,
534
wie es scheint, auf diesem Wege den Eindruck einer
Farbe ohne beigemischtes Weifs verscbaffeu.
IV. S c h w r r z e s O b j e c t , auf griinem G r u n d e l e t r a c h t e t .
1) Nachbild auf wezpem Grande: blendendes Weifslichgriio, heller als der Grund. Dieser ist stark roth
gefarht , was ebenfalls einen sehr frappanten Eindruck
gewahrt.
2 ) Nachbild auf schwarzem Grunde: ein im Verhaltnifs zom Grunde sehr helles Weitlichgriin ; der Grund
stark roth iiberlaufen.
3 j Nachbild auf g&m
Grunde: ein sehr lichtes
weikliches GrUo, heller als der, schwlnlich fiberlaufene,
Grund.
4 ) Nachbild auf rothem Grunde: weifslich , hel.
ler als der Grund, welcher von sehr reinem Roth erschein t.
V. Griines O b j e c t rnf rothem G r u n d betrachtet.
1) Nachbild auf we;Ssem Grunde: roth, der Grund
stark grlin.
2 ) Nachbild auf schwurzem Grunde: roth, der Grund
griin. tiberlaufen.
3) Nachbild auf g&em Grunde: schwYnlich oder
weifslich, je nachdem das objective Griin heller oder
dunkler als der objective rothe Grund war; jedenfalls
mit einer Nuance in's Rothe, der Grund sehr reines Griin.
4 ) Nachhild auf rothem Grunde: reines Roth, heller oder dunkler als der Grund, welcher graulich oder
weifslich iiberlaufen erscheint, je nachdem das objective
Griin dunkler oder heller als der Grund mar, auf dein
es hetrachtet wurde. Auch dieser Versuch ist sehr geeignet, sich den Eindruck rciner Farben zu verschaffen.
Es geht aus dieser Zusarnmenstellung hervor :
1) Dal's allgemciii das subjective Nachbild hellcr
oder dunkler erscheint, als dcr Grund, auf dem inaii cs
53;)
betrachtet, je nachdcln das Object respective dunkler
ist, als der Grund, anf dein man dasselbe anschaut.
2 ) DOCS uin das Nachbild sich jederzeit die Com1
plemeotarfarbe des Nachbildcs, also die nrspriioglich angeschaute, entwickelt; ein Urnstand, den ich mich oicht
eriuoere, bemerkt gefunden zu haben, obwohl er (mindesteos fur niein Auge ) schon bei gcringer Auf1nerksamkeit sehr deutlich iind durchaus constaot in die Wahrnehmuog fallt, Es berubt aoch aaf diesem Umstande
der Erfolg yon 111. und IV.
Nach diesen Regeln Ivfst sich imlner leicht voraussehen, wie sich atich in FalIeo, welche unter der vorigen Zusamtnenstellung nicht inbegriffen sind, die Erscheinung darstellen wird. Betrachten wvir z. B. ein griines
oder rothes Object auf Weirs, so wird das Nachbild, auf
Blau angesehen, respective rothblau oder weifslich (durch
Zusammensetzuog der Farbe des Nachbilds mit der Farbe
des Grundes) und der blaue Grund respectiv griiolich
oder r8lhlich niiancirt erscheineo. Diese complementare
Niiancirung des Grundes urn das Nachbilda ist auch in
diesen Fgllen, wo inan das Nachbild eiaer Farbe auf
eioelu nicht complemeotar gefzrbten Gruode anschaut,
oft sehr deutlich untl uuverkcnubar; kaon iudefs auch
unmerklich werdcn, wenn der Grund sich ohnehiu der
betreffenden ?iiiance niihcrt. So habe ich sic z. B. nicht
mahrziioehinen vermocht, wenn ich ein griiiics Object
auf Schwan betrachtetc und danu dns Nachbild auf Blau
oder Gclb anschautc.
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