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ardp.18430840245

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Vereinsaeitung.
'336
3) Pharmaceutische Mittheilungen.
Pharmaceutische Milthedungen; won L. E. J o nus, Apotheker
in Eilenburg.
Es ist in unserem Archive noch nicht znr Spraehe gekommen, dass
der Regierungs - Wediciualrath Hr. Dr. K Och in Merseburg vor einiger
Zeit, in1 lnteresse der praktischen Medicin und der Apothekerltnnst,
fiir -den Merseburgec Regierungsbezirk einen Verein der Aerzte und
Apothekenbesitzer, auf Statuten begriindet, ins Leben gerufen hat.
Dieser aus den edelsten Absichten des Begrunders entsprungcnc
Verein hat den hiichstwichtigen Zweck der gegenseitigen Unterstiitaung :
a) i n der Farderung ihrer Wissenschaft und Kunst;
b) in der Wahrnehuiung geineinschaftlicher Standes Interessen,
nairientlich in der Aufreclithaltung der Standesehre, der' Bewahrung
eincs nnstindigen collegialischen Verkehrs, und Milderung unverschuldeicr Nothstlnde der Yitglieder;
C ) endlich iun Gelegenheit zu gewinnen, auch mit
entfernter
wohnenden Collegen in frcundschaftlichen Verkebr zu treten.
Unter den betheiligteu Apothelrern hat die grosse Niitzlichkeit
rinea solchen socialen Vereiuigungspunctes grossen .Anlrlang gefunden.
Den Apotheltern war fiir die letzte Zusrmmenkunft die Thesegegeben :
,,Vorschliige w r bessern Aushildung der Apotheker Lehrliiagc uad
Gehulfen"
zu machen.
Unter Ausbildung kann man das, was man mit Ausbau eines irgend
schon vorhantlenen reellen Gegenstandes bezeichnen will, verstehen,
aber .such die idesle Seite jenes Gegenstaudes, Wesens, als Form des
Scliiineh, Erhabenen.
Yon der'Ausbilduug in1 ersten BegrifFe Vorschlage, unter Uinznfiigung
des Vorhandenen, angewendet anf die Principien der jctzigeii Zcit,
fiir die Erziehung der Apotheker Lehrlinge und Gehiilfen hervorzurufen, erlaube ich mir, dffentlich einige W o r k zn sprechen.
Wenn es wahr ist, wie im Allgemeinen in Deutschland ausgosprochen wird, dass ein Verfall der reellen Seite jener Ausbildung untcr
den jungeu Pharrnaceuten zu beobachten ist, so lrann solcher hei der
l a s s e von Subjectivitaten; an weldhen sich dieser Krebs der Zeit
zcigen soll, unnidglich in den Personen, sondern i n der Sache, welcher
sie dienen, zu sucben sein. Es ist also der Unterriclit, die Erziehungswcise in der Apothekerltunst., welche krank darnieder lirgen muss.
Bevor ich jedoch hieriiber rneine Untersuchnng declarire, erlaobc
icli niir, erst zu bernerken, was ich unter reeller, Ausbildung verstehe.
Fiir mich ist sie die lebendige Form einer Wissenschaft, d. 11. die Form;
in der die Wissenschaft zur Pralris geworden ist, und ergiebt es sich,
dass jede Praxis ct pm'ord aus einer Wissenschaft hervorgeht, unbeschadet, dass man rnit der Praxis in der Erlernung einer Kunst angcfangen un'd, mit dem Wissen enfiend, aufhdrt, so ist dies eine Erscheinung fur die Geschichte a h Kiinste. Unter anderen 2. B. ist die
Apothekerkunst aus der Wissenschaft der praktischen Medicin hervorgegangen, was die Geschichte beider Zweige der Naturwissenschdt
lehrt, welche Heilkunde genannt wird. Diese Ausbildung 'bezieht sicli,
wie die Erziehung der Volksjugend auf Familie, Hirche und Staat, aul
die'verhiiltnisse der praktischen Kunst, dcr Wissenschaft nnd des Stanis.
Welclics von diesen drei Verhiiltnisseii bcdarf fiir die jetzige Zeit einer
-
-
-
vereimzeitul&g.
237
Reform? Oder steht Alles in einem richligen Verhilltnisse? Dies
miissen wir mit ,,Nein" beantworten.
In sofern ond so oft die Medicin, eine abgeseblossene Wissenschaft,
in allen ihren Branchen und Anwendungen eine wesentliche Umgestaltung
in ihrer, dwch die allgemeine Naturwissenschaft und Phpiln'dogie hervorgebrochenea ma fortschreitenden Bewegung erleidet, oder vielniehr
Aidchten von den Wahrheiten der Beobachtungen in ihrem Beituerfahren zum Nuteen und Schaden der leidenden Menscheit inAnwendung
bringt, in eben dem Grade, oscillirt die Wissenschaft, von welcher
wieder die Praxis abhiinngig wird, die Pharniacie mit ihrer praktischen
Apothekerkunst ; eine Thatsache, die schon vielfiiltige Erbrtemng fand.
Die Apothekerkunst leitet selbst ihre [email protected] nor allein
RUS einer solchen Periode in der Heilkiinde pus der Cultur des Mittelalters ab. Jede zur Reife gelr~mineneKunst, sobald sie das Eigenthum
einer Nation wird, ruft Gesrtze hervor, die also jedesmal RUE der
Nothwendigkeit des Bediirfnisses und dem Culturzustande der V6lker
und der Kunst selbst entspriessen. Der Staat, danials die Wichtigkeit
der Medicin auf das Vollrsleben erlrennend, war es, der die Ausbildung
der Apothekerkunst durch Erziehung ihrer Zbglinge bewachte, und
wir sehen im deutsehen Vaterlande diese ICunst bewacht, und Preussen
erfreut sich schon seit 1693 sweier Gesetze ftlr dieselbe, die
I)
in ein allgenieines sogenanntes Medicinal-Edict, und
2) in ein speeielleres, fiir die Apotheker des Staates allgemeines,
die Apothekerordnung,
zerfallen.
In wieweit bat nun diese Apothekerordnung auf die Eraiehung
und Ausbildung unserer Lehrlinge uad Gehiilfen Riicksicht genomrnen?
Wir Bnden in drei Theileu, in welche die Apothekerordnung YOU
1801 zerfilllt, nnd zwar unter
15. des ersten Titels, Vorschriften
iiber diese Gegenstiinde, die noch ganz den Charakter dee Mittelalters
tragen, einer Zeit, die Kunst und Wissenschaft in den Stiidten gepflegt,
unter Innungen und Z h f t e slellte und sch6tzte. Sie w a r ftlr jene
Zeit gut, und wies dem Apotheker und seinen Ziiglingen die Stelle
an, welche sie unter sich und in der biirgeriichen Gesellschaft einzunehmen hatten.
Sind sie aber bis auf unsere Zeiten ausreichend? Gehen die
Mangel der Ausbildung, welche wir an unsern Gehiilfen auffinden
wollen, aus diesem unrureichenden Gesetze hervqr ? Diese Frage beriihrt einen der ersten Theile in meiner Untersuchnng.
Die Miingel der Ausbildung unserer jetzigen Apotheker Lehrhnge
und Gehiilfeh eo!len sich auf die Sache, welcher sie dienen, griinden;
da aber die Sache oder der reelle Gegenstand der Apothekerkunst einen
associellen der Beilkunde ausmacht, welche wiederum jetzt eine ungebundene ist, die lteine formellen oder positiven Stantsgesetze hat,
wie die homijopathischen Differenzen zwischen Apothelrern und Aerztcn beweisen (s. Arch. ZI. R. XXVI. Bd. 1841.), so sind die vorhandenen [email protected] der jetzigen Apothekerordnung u n m s Staates nnzureichend.
Uer grosse Materialismus der Zeit, welcher sich mit dem chirurgisch medicinischen Einflusse in den verflossenen Decennien fiber
Ueutschland, namentlieh iiber Preussens Medicinal -Verfassung ergoss,
fiillt in die stfirmische Zeit des Krieges. Sie w a r sowuhl fiir die gewerbliche Pharmacie, als auch fur die reelle Praxis in der Medicin jener
Zeit hinllnglich. Seit den Jahren des Friedens, seitdem der Geist der
s.
-
-
238
Vereitmeitung
Vfilker mehr Nahrung an inneren Angelegenheiten der Erziehiing und
der idealen Ausbildung seiner Individuen nnd Rechte nimnit, ist diesc
Hichtnng mehr eine theoretische als praktische geworden. Die Natnrwissenschaft ist y o n der Industric erobert worden, die sie zur erstannnngswiirdigen Praxis behnfs der pecunitiren Ansbeutung der Zeit
benutzt. Ahcli die medicinische Wissenschaft hat eine Veriihderung
erlitten, die in sofern hUchst merkwiirdig ist, als sie einerseits die
Bahn der Waturwissenschaft, welche z. B. die Chemie fiir sie aufzeichnct,
verllsst und sieh in schwindelnde Theorien verl;inft, andrerseits, den
aogenannten Naturkrlften vertraoend, ihre Hiilfsrnittelaiisser dem Arzneischatze siicht. Da es nun aber noch in keiner praktischen Wissenschaft
gelungcn ist, alle Erscheinungcn auf ein allgemeines Gesetz ziirdckzufuhren, so ist diese Art d r r Naturforschung in dem unendlichcn Gebiete
der Naturkrlfte fur die Heilkunde Gefakr drohend. Die Dogmen dcr
nledicin sind erschiittert, der Unglaube in der medicinischen Kunst
fiihrte zum Scepticismus. In eben dem Maasse, wie ich sehon oben
bemerkt habe, osdlirt die der IIeilkunde anhangende Apothekerltunst.
Die 3anden des IIIitteUters, die Banden des Lehrburschen, des Gcsellen,
des Lehrbriefes und sein Inhalt sind aufgelUst; jeder strebt narh einer
Freiheit, ohne Reife der Freiheit von Leidenschahsn, ohne welche es
jedoch lieine wahre Freiheit geben kaun. Die praktischen Arbeiten
in unserer Apothekerkunst bieten nicht mehr den Gewinn, d. h. sic.
sind nicht mehr kiinstlich, das W h e n ist der Kunft vorgesehritten, sic
bedarf ihrer nicht, die Industrie hat in der Ausbeutung der realen
Naturwissenschaften die Apothekerkunst iiberfliigelt, und die Vereinfachiing jenes oben bemerkten Heilverfahrens behindert jede Kunstitbuug.
Somit fiillt die praktische Ausbildung -unserer Lehrlinge, unserer Gehidfen, sie ist zur Mechanik, zur Maschine gewordea, und nlit ihr
Zunft und Ordnung in der Scholastik dieser Kunst gesunken; denn es
ist eine ausgemaehtewahrhcit, dass mit dem Falle der praktischen Kunst
die Wissenschaft in dieser stiirzt. Diese Seite des Apoihekerwesens
ist es, welche der Reform bedarf. Fassen wir jedoch das Jahr 1801
als den Zeitpunct, wd fiir die pralctische Ausiibnng der Apothekerkunst
in Bezug auf die Erziehnng nnd Ausbildung unserer Lehrlinge yon
Seiten des Staats der letzte gesetzliche Impuls gegeben wurde, ins Auge,
SO d d n g t sich uns unwillkiirlich die Frage auf: Beabsichtigt 'der %at
wirklich, aus dein Prineipe der Nothwendigkeit die in ihr bliihende
pharniaceutische Kunst, der Vorrede der revidirten Orduung gemciss,
nach welcher die Apothek'er in den k h i g l . Preussischen Landen ihr
Kunstgewerbe betreiben sollen, fortzubilden? 1st dies der Fall, so ist
es Zeit, etwas zu thun, was dieses Hunstgewerhe nen fundire. Denn
die in letzter Zeit befolgten Pnncipien, nach welchen der Staat die
Kussterziehung d e r Lehrlinge lediglich den Apotheken Besitzern fiberIgsst, nnd nur am Ende ihrer Lsufbahn beim Uebergange ziir bkgerlichen SelbstBndigkeit eine Staatsprilfung der Reife fordert, bleiben die
intermedialen Stufen, welche f i r die Sicherheit des Publicwns in Krankheitsfallen eben so wichtig sind, bis zu dieser Zeit gewissertnassen nur
dureh ein Gehiilfen-Examen bedacht; sie sind es, welche die herrsehende Disharmonie des Ganzen hervorgerufen haben.
Da nun dieses Kunstgewerbe aus den ohen entwiekelten, vorfindIiehenGrimden einer nenen Hegenerirung bedarf, wenn err nicht anders,
wie in Baiern, zum Gelehrtenstande erhoben werden soll, so wiirde
f i r die Erziehnng unserer Lehrlinge und Gehiilfen in der-neuen revidirten Apothekerordnung wohl zu bemerken sein, welche Forderungen
-
Vereirisaeittmg.
239
sie an Lehrlinge nnd Gehdfen stellt, in welchem Grade sie diese zur
Veraatwortung zieht, und welche PAichlen beiden sowohl gegen das
Yoblicuni, ds gegen die Apotheke selbst und dwen Principal obliegen ;
sowie die Vorzeiohnung der Arbeiten, welche denselben zum Gedeiken des Zweckes aufzugqben sind.
Mehe Vorschliige zur besseren, zeitgemlssen, reakn Ansbilduug
der Apotheker Lehrlinge und Gehulfen wiren dann in rein praktiscliern
Sinne folgende:
Die bfiingel der realen Ausbildung unserer jetzigen Lehdinge, und
soinit eines Theiles unserer Gehiilfen sollen hauptsiichlich darin bedehen, dass denselben die wesentliche praktische Richtung, und die
dem Apotheker fiber Alles ndthige, kleiuliche Aocnratesse gegen f r a e r
abgehe, sowie der sich imnier von selbst erneuernde, rriitzliche, emsige
Fleiss in praktischcu Arbeiten und der selbst auszuiibenden Reinlichheit, verliunden niit dem Hange uach Unabhlngigkeit von diesen und
jeneu Arbeiten, ails einem nnglurklichen Gebrauche hervorgegangen,
und der Gleichstellung init dem Principale in Hinsicht auf Freiheit,
Musse und Vergniigen, und endlich der hervorblickende Mangel an
einigem Genusse yon den Hiiffswissenschaften ihrer Kunst, da Alles
nur auf Abrichtung zum Examen berechnet wird ; also Mangel an Liebe
fiir wahre Wissenschaftlichkeit und das Kunstleben, welche nur Ersatz
fiir die Miihen des Lebens reichen k6nnen.
Dieser ansschweifenden Richtung unserer in den Schulwissenschaften wohl unterrichteten Lehrlinge und Gehiilfen kann nur dadurch positiv begeguet, und sie kann nur dann geregck werden, wenn unseren
GeschitRen ein Lehrplan, Lehrgesetze und ein Reglement fur \die Gahiilfen von Seiten des Staaterr vorliegt.
Diese Gesetze und der Lehrplan sollen wesentlich, zun Bestehen
des Ganzen, auf die pralrtischen Arbeiten und Studien derselben hin
weisen, und, nm eine Eintheilung zu haben, welehe dem Zwecke des
Ganzen entspricht, nach der Zahl der Lehrjahre festgestellt werden.
Der Lehrplan wiirde fur das erste Jahr der Lehre die Uebersetzung
der Pharmacopoea, die Zueignung der Nomenclaturen in dieser, sowie
schriftliche Auseuge ails den Htilfsbiichern der Pharmacie, z. B. der
Synonyme dieser Namen und Droguen, ferner eine Anleitung en deli
speciellen manuellen Handarbeiten iiberhaupt u. s. w. zuin Gegenstande
haben. Findet in dieser Zeit eine Revision von Seiten der hohen
Behsrden statt, so ist der Lehrling so wait in dieser Branche zu pr+
fen. Nach Beendigung dieses Jahres wird der Lehrling von einer niiher
zu bestinimenden Person gepriift. Bat dersolbe nicht die gehdrige Entwickelnng gezeigt, so SOHder Lehrherr nicht gebunden sein, den zwischen ihrn und dem ersteren abgeschlossenen Contract zu halten. Fur
das zlceite uud drp'lte Jahr der Lehre sol1 der Lehrplan die nlher zu
bestimmenden Arbeiten im Laboratoriuni, das Einsammeln der Vegetabilien, Unterbringung der Droguen uud das Einfassen der Geftisse unter Anleitung d e r Beaufsichtigung dcs Lehrherrn oder Gehiilfen aufeeichnen. Die Stndien gollen sich sowohl anf die Systematik der Hiilfswissenschaften der Pharruacie iiberhaupt, als auch fur die in der Pharinaltopse enthaltenen Geg'enstindc speciell beziehen. Nach Beendigung
dieses Cursus tritt wieder eine Priihng ein, und nach dieser wird der
Zbghng, wenn er sie nicht hsteht, zu entlassen sein.
Das aierte Jahr beftihigt den LehrIing, an der Receptur Theil m
nehmen, auch wird er sowohl in der Apotheke als auch im Laboratorium selbststindigere Beschiftigung Gnden. Die Taxation der Re-
-
240
cepe, Kendtnisse von den Gesetzen eignet er sich zu, und sein Studiurn umfasst nun die Naturwissenschaften irn Allgemeinen. Mit drni
Ende der Lehre wird e r nach vorgescliriebenen Staatsgesetzen gepriift.
Sollte es sich in den verschiedenen Stadien der Priifung herauastellen, dass der Lehrherr den Lehrling hinsichtlich der Anweisling in
dem Studiurn selbst iiberlassen habe, und dass derselbe iiberhaupt iiiir
Gewerbearbeiten von seincm Ztiglinge verlange, so SOD, wenn sich
dies dfter zeigt, e r das Recht, Lehrlinge zu erziehen, verlieren.
Jeder Lehrling muss die wahrend der Lehrzeit gernachten schriftlichen Ausarbeitungen, in eiii Heft gebuiiden, sowie die Anlegrmg cines
llerbariuitis, einer Iiiifer- oder Nineraliensamrnlung u. s. w. deui Enaniinator vorlegen, welcher dann Ieicbt finden wird, ob solche von
deniselhen selbst geordnet, gesammelt und ausgearbeitet sind.
Nur auf diesem Wege 1st es mdgiich, den Sinn und dis Liebe fiir
die Wissenuchaften, uud mit ihnen die reale, tiichtige Ausbildung unserer Lehrlinge zu erziclen.
Das Gesetz, dass nicht mehr Lehrlinge als Gehiilfen in einer Officin Anstellung finden sollen, muss einiger Ausnahme unterliegen.
A 1I.g e m e i n e G e s e t z e.
DQS Reglement fup die Gshzilfen muss einige allgemeine Gesetze
yon Seiten der hohen Regierung haben, als:
I) in welcher Eigenschaft sich eigentlicli der Apothekergehiilfe zu
der gesammteii Medicinalverfassung der pharmaceutischen Officinen befindet, und welche bindende und bestrafende Hraft ihn in
der Uebertretung der Gesetze erreicht ;
2) welche Verp’fliehtuiigen demselben wiihrend der Abwesenheit srines Principals obliegen - ein htichst Mkichtiger Puncr -;
3) wie er sich zu verhalten hat gegen den Lehrling u. s. w.
S p e cielle Ges etze.
Die speciellen Gesetze gehen aus der Uebereinkunft des Apothekers hervor.
II
-,Stellune des Gehiilfen in der Officin und im Laboratorium. z. B.
die Aukebung der wunderbaren Idee von erster, zweiter, dritter
Reeeptur.
2) Der Geschfisgang, z. B. Bereitung der Arzneien, sowie Anfertigung der Arzneimittbl in1 Laboratorium in Bezug - auf Localverhdtnisse
a) Beaufsichtigung der Lehrlinge ;
b) Vertretung der Person des Principals in Abwesenlieit dcs
letzteren ;
c) Die allgemeine Reinlichkeit der Officin, in wie weit sich derselbe solcher nnterziehen muss.
3) Mausordnung.
1st von jedem einzelnen Principale nach den moralischen Ansichten hieriiber selbst zu entwerfen.
4) Salair nnd Dienstfreiheit.
Dieses Reglement, von der hohen Regierung bestatigt, empfiingt
jeder Lehrling und Gehiilfe beim Engagement zur Richtschnur und ale
Verhaltungsregel.
Diese meine subjective Ansicht von einem Theil einer neuen Apothelcerordnung diem : als Principal Vorschlag mi- besseren Anrrbiklkiung
der L d r l i n g e and Gehulfen.
-
Verei~zei~ung
.
244
Ueber Abstetlung ckes 3 ~ n d ~ e r k a uin~ den
$ Apothekm; v m
Apotheker S ch 1o t f e l d.
Herr Regiernngs -Medicinalnth a. D. Professor der Arzneiwissenschalt Dr. C. L. K1 o s e zu Breslau, hat im gharmaceutischen Correspondenz-Blatt fiir Siiddeutschland No. 25. in Betreff einiger nnschuldiger
und uuschiidlicher Mittel, die vielleicht alljiihrlich Einmal in einigen
Apotheken von der niederen Volksklasse verlangt werden kannea,
Veraulassung genommen die Nothwendigkeit zu beweisen : wie m n
den Handverkauf gtinelich aus den Apotheken, wenn auch vor&ufig
nur theilweise, doch mi6 der Zeit vollstiindig vertilgen miisse, und sucht
der Hr. Verfasser hierin nur eine Gelegehheit fiir die Apothelrer, sich
auf Unkosten des unwiseenden Volks auf eine betriiierische Art ZU
bereichern.
Wenn man die in j e n w Anfsatze von dem Ern. Rw'entngeM&
cinalrath aufgestelitenAnsichten und Rathschlige gelesen hat, wird man
unwillkiihrlich zu der Frage veranlasst: was denu eigentlich geschehen
sei, um eine so Btrenge MaRssregel zu veranlassen nnd m6chte man fast
glauben, dass ein neuer Industriezweig ins Lebeu gernfen w a e , dessen
EigentEiimer sich angemasst hitten, durch polizei- und gesetewidrige
Handlungen der ganzen Menschheit den Untergang zu bereiten. &n
sei Dank; die'Sache ist beim Lichte besehen, nicht zum vierten Theil
so schlim, wie es beim ersten Aubliclc erscheint.
Zuvarderst miisaen wir uns erlauben zu bemerken, dass [email protected] der niedern Volksklasse in unserm Vatertande nicht %berallauf
gleicher Stufe steht. In unserer Gegend e. B. rind es hcSchst seltene
von den angefiihrten Artilreln, als : Hasenfett, BiiErscheinungen, Wrenfett, Mfickenfelt, ElPphanten oder gar Tilrkcnfett, weisse Henblninen
oder Liebespulver etc., alljilhrlich Einmal verlangt wird; allein es ist
uns wohlbekannt BUS unserem frtiheren Aufenthalte, dass in manchcn
Gegenden das Landvolk mindesteus um 50 Jahre in der Cultur zurhek
ist und den alten eingewurzelten YOU den Vorfahren mit heriibergeuammenen Aberglauben an manche an und ftir sich aber ganz unschadliche Arzneimittel festhilt. Das Letztere muss auch ausnahmsweise
noch jetzt in jener Gegend statt finden, WOVOR der Hr. RegierungsMedicinalrath erz8hlt.
Es ist uns wiihrend unseres friihern vielseitigen Aufenthalts in andern Apotheken kein eineiger Fall vorgehommen, dass sich eiu Apotheker das Recht angemasst hiitte, die Yaticnten zpc aerleifea, wie der
Herr Verfasser sich auszudriicken beliebt ,,die zweckmiissige Hiilfe des
Aretes zu hintertreiben." leder Mensch handelt ah freies Weson, nach
seinen mehr oder minder reifern Ansichten und nach seinem freicn
Willen, und wird es kein Staat bis in Ewigkeit dahin bringen kennen, und
durch welehe Mittel wiiie dies auch zu erzwingen, den Unterthanen (es kann hier niir von den in dcr Bildung aiif einer nicdrigen
Stub stehenden die Rede sein) zu gebieten, was dieselben in vorltommenden BrankheitsMlcn bei sich oder beim Vieh ftir littel zur Heilung
anwenden sollen.
Kaum sollte man es uoch glauben, dass bei den jetzigen gesteigerten Anspriichen, die in Betreff deswissens an den Apotheker gemncht
werden, E n e r zu finden wiire, dessen Unwissenheit so weit geht,
dass er durch Ilnlscsnde eine Arzneiverwechselung veranlasst, dadureh
Unheil angeriehtet und, wie der Hen- Verfasser erziihlt, sogar Menschenleben geopfert hiitte. Dieser letztere Fall k6nnte nur zu den grossen
Arch, d. Phnriu. LXXXIV. Bcls. 2. Ilk.
JIG
2a2
Vercias,&luiig.
Seltenheilen gerechnet werden; nnd Bind uns niclit wenige Falle eriiinerlich, w o von den Herien Aerzten ebon pus Versehen und t1nachtsamkeit so ausserordentlich p o s s e Dosen von stark wirkendm,
selbst m i den directen Gifterr gehiirenden Mitteln versclirieben wnrden,
dass, wenn dieselben nicht durcli die Aufmerksamkeit des Apothelters
entdeckt und verhindert wnrden, unfehlbar der Tod des Patienten erfolgen musste. Dieser angefiihrte Vergleich erinncrt uns daran, class
wir nur Menschen sind nnd jeder in seinem Berufe fchlen kann. Aber
Lief erniedrigend ist es fur unsern Stand, wenn im Allgerneinen die
Behauptung Yon dem Herrn Regierungsrath anfgestellt wid, ,,dass wir
[email protected] und stiindlieh dadurch schaden , indem der Volksaberglaube von
uns geniihrt und gcpBegt wird und folglich als Bctriiger dastchen."
Es kann hier weniger auf die oben angefibrten Namen derjenigrn
liIittel ankonimen , die ausndimsweise noch in einigen Gegenden verlangt werden. W'er niit dem Geschilftsleben des Apothekers yon idlcn
Seiten bekannt geworden, wird eL) wbsen, dass nicht allein die angeftihrten Arkikel, sondern vielleicht noch vie1 unsinnigere bcgehrt werden, and es ist iii derordnung; dass es stets der bessern Einsicht des
Apothelters iibcrlasseu bleibeii muss, in diesen Flllen, ausgleichcnd,
das Unschiidlichsle zu geben. Dieser Aberglaube des Volks an gewisse
veraltete Mittel, der wahrscheinlich in der ganzen Welt verbrcitet is!,
u i r d c sich nuf keine Weise ausrottcn lassen; selbst dann, wcnn unserm
Pnche dcr gsnzliche Unterpng bereitet Verden kcinnte, wirrde dassclbr
Mittel und Wege genug finden, sich die beabsichtigten Medicamente zu
verscliaffen. Wir erinnerii imp, dass ein Sdsrfricliter seinen Vorrnth
vwi Arzencien, uin ctwcinigen uuverhofften Nachsucliungeii zu enfgehen,
in einenl eiitlegcncn Winkel des IIausea versteckt hatte uiid seine Kunst
tleissig bei den Menschen und Vieh, wenngleich stets ini Geheimen, ausiibte.
Der Herr Regiernngs Medicinalrath schliigt nun als untriigliclies
Mittel dieses Unwcsen zu verhindern nnd ihm zu begegnen als den ktirzcsten nnd sirliersten Weg vor : ,,dem Apotheker, der angewiescn isl,
seine Existrnz als Staatsbiirger nicht allein YOU der Receptur, sondern
aueh vom Uandverhauf zu erhalten, den letztern giinzlich niit der Zeit iin
ganzen Umfange zu untersagen."
Vergeblich haben wir die Beantwortung der nothwendig bei jedcm Betheiligten entst6henden Frage
gesucht: wem denn kunftig das Gliick zugetbeilt werden soll, sich
unseres Handverkaufs zu bemiirhtigen, wahrscheinlich eineni Krimer ?
in dessert Hiinden dersclbe vielleicht sicherer verwdtet wircl ! E s hillt
uns so eben ein Beifipiel hicrvon ein, wie eiumal in einer grossen
Stadt zur Naclitzeit eiligst Gegenmittel verlangt wurden bei cincin Hinde,
welches, urn sich zu delectiren, Strenzucker vom Kaiifmann geholt irnd
denselben auf das Brot gestreut, statt dessen aber Bleizurhcr crhalten
hatte. Es e r p b sich bei der Untersuchung, dass die Kistcn vom
Streuzucker und Bleieurker friedlic neben einander plncirt nnd wrder
der Eine noch der Andcre init ein Signatur versehen w a r m , welclirs
im ganzen Laden nicht der Fall t a r . Soilten gar die Mediramente,
die eken so gut znr Rrceptur wie zum Handverkanf verwendet werden, gSnzlich aus dein Arzneiscliatz verschwindcn? Die Anfertigung
der Recepte kann fiiglich nicht allein f i r sirh steliend ohne den Handverkauf gedaeht werden, nnd wiiide es eine scliwierige Anfgabe sein,
hierin als Schiedsrirhier einen Ausweg mi findcn, um dem Apotheker
den s e i n m Geschiiftsuinfangc angeinessenen Ersatz eu gebeu. Mi%dem
Anfhdren des Handverltaul's wlirde nach unseren Einsicbten vorzugs-
-
€L
Vereinszeitung.
243
weise in den kleineren Stiidten fast die ganze Existenz der Apobheker
aufhgren miissen.
Die von dern Herrn Regiernngs Medicinalrath angeregte Aufhebnng
des Zunftzwabges ,,des Apothekergewerbes" ist ganz dam geeignet,
unsere so eben ausgesprochene Ansicht zu verwirklicheu w d der Pharraacie den vollstindigeb Untetgang zu bereiten. Schon findet sick kein
Lehrling mehr, der sich entschliesst, ein Fach zu erlernen, dessen Existenz imrner zweifelhafter und unsicherer wird; woraw %& dass mit
der Zeit auch die Gehiilfen seltener werden.
-
Fast nnmciglich scheint es, dass es Aerzte gebe, die &&t e b e w
wohl yon der Wichtigkeit als Nothwendigkeit unseres Fachas ianigsr
iiberzengt sein miissten. Die Ausiibnng der Heilkunst Bann nach d a
Vernunftschliissen nicht. ohne Heilmittel (Arznei) gedacht wer&,n und
jedem, mit den verschiedenen Zweigen anserer Wisrreqschaen vertrauten, wird es belrannt sein, dass im Gebiete der Chemie nnd Pharmacie
die wichtigsten Entdeclrungen neuer Arzneimittel gemacht wurden ; in
Folge dessen dieselben von den Herren Acrzten angavendet und in den
Arvleischatz aufgenommen wurden : mithin unser Beruf uns nicht als
unniitze, Gberflissigk, sondern vielmehr als nothwendige Mitglieder des
Staats wohl 'mit Becht den gebiihrenden Platz neben dern der Hemen
Aerete anzuweisen berechtigt.
Diese Er6rternng fiihrt uns wieder auf die Betrachtung unsers
gegenwirrtigen Stan&punctes zurlick, wo wir mit gresser Betriibniss
wahrnehmen , dass unse~m Stande die Vertreter unserer Gereehtsame
fehlen, da wir, von d e n Seiten beneidet udd angefeindet, niebt wilsen,
welcher Platz urn gebiihrt; halb Gelehrter, halb Kaufmann; zugleich
auch ale Kliustler nnb unbesotdeter Diener des Staats bettaehtct, stehen
wir gewissermassen verlassen, ohne die Aussicht su haben, dass uus
ein besseres Loos zugetheilt werden darfte.
Herr Regierungs-Rath wohl einsehend, wie schwierig die Aufgabe
ist, hier einen sichern Ausweg zu findeu, hat als den einzigen vorgeschlagen : ,,eine iiberhaupt besser eiugerichtete Erziehung der niedern
Stande eiazufiihren, wodurch dieselben von ihrem Aberglaubcu geheilt
w ~ d e n . " Diese Aufgabe zu lcisen wird aber, so lange die Mcnschen
nur Menschen sind, ein frommer Wunsch bleiben. Wir werden h e r
wieder auf das jetzt allgemein besprochene Thema gefuhrt: alle Menschen zu bessern und zwar am bestcn durch die Erziehung. Gei&&e
nnd Padagogen theilen fast in aUen Zeitungen Kathschlqe m& mie
dies bewerkstelligt werden kann; aUein bL jetzt ist uns kew gwggendes Resultat davon bekaMt geworden und wiirde dies nur ausf~ihrbar
sein, wenu jeder einzelne Mensch in seinem ganzen Thuu und Treiben
einer bestandigen Coutrole unterworfcn ist, folglich sodaun aufhoren
muss, ein mit freiem Willea ausgeslattetes Wcsen zu sein. Ziehen
wir hieraus den Schluss, dass der eingcwurzelte Volltsitbcrgliiube wie
aUe irbrigen Schwachop der nlcnscben, so lange dic Wclt stchb, bleiben wird, mithin auch nach wie vor yon der uiederu Vollishlasse dic
obigen Rlittel in einkelnen Apothelrcn iioch verlangt werden kdiinen,
so glauben wir mit vollern Recht, dass uus unverdiciitcr Weise der
Ehrentitel : ,,Diener tles Betrugs" nicht gebiihrt und bitten buflichst
denselben von uns zu absolviren.
244
Vereinsaeitzllzg.
Ueber Hmdverkouf der A othekw; vm Apotheker D e n
8 t orff in Schwaraebec$'
Im pharmaceutischen Correspondenzblatt far Siiddeutschland Nr. 25
vom Jahre 1843 findet sieh ein Aufsatz vom Brn. Regierungs-Medicinalrath a. D., jetzigen Professor der Areneiwissenschaft, zu Breslru,
Dr. C. L. K l o s e , mit der Ueberschrift:
,,Vermischte staatsamneiliche Ergrterungen: Ueb e r A b s t e l l u n g
d e s H a n d v e r k a u f s i n Apotheken."
Der Hr. Regierungs -Medicinalrath behauptet in diesem Aufsatze :
dass der Handverkauf die Ursache sei von der medicinischen P f u s c h e r e i der Apotheker, und schliigt ans diesem Grunde unter anderem vor:
,,den neu concessionirten Apptheken den Handverkauf zu verbieten,"
oder :
,,=em die Aufhebang des im Betriehe des A p o t h e k e r - G e
w e r b e s noch herrschendey Z u n f t z w a n g e s als zeitgemliss voni
Staate anerkannt werden solke, in diesem Fall lreinem Apotheker
den sogenannten Handverkauf mehr zu gestatten."
Der Herr Rath behauptet, dass nicht anein in der Anwendung
gerirdeweges schldlicher Mittel, oder in Verwechslung die Quelle des
angerichieten Unheils, welches oft Menschenleben geltostet, die Verderblichkeit der medicinischen Pfuscherei der Apotlieker bewiesen
werde, sonderp dass der Schaden dadurch iiberall ttiglich, stiindlich
herbeigefiihrt werde, dass die Apotheker den Gebrauch aweckdissiger
Hiilfe zu versaumen cerleiten und alle Arten des medicinischenVolksaberglaubsns niihren uu4 pflegen und sich deu Betrug, dem sie dienen, auch yon der niedern und Brmern Volksklasse aus dern sparlichen
Ertrage miihseliger Arbeiten, aua deren magern Beaelchen bezahlen
lassen. Derselbe sucht diese Behauptung dadurch zu heweisen, dass
die Apotheker aus einer Biichse Hasen- und Bireufett, Mickenfett
und Elephantenfett, sogar Tiirlrenfett, verkaufen, - dass aber auch
aussee diesem man oft nach ,,der meissen Herablume," dem Liebespuber, dem Hans frage nicht, Hans thu mir nichts, dem PrinzenDeputat nod huhdert Aehnlicbem fragen hihe, und dass in dem nicht
eelten vorkommenden Falle, in welchem der im Handverkauf geiibtere
Apotheker die Frage des Ktiufers nicht verstehe, dieser letztere darum
nicht abgewiesen, sondern nach dem Zustande befragt, und dann demselben etwas, wie man zu sagen ptlege ,,Unsch%dliches" verabreicht
wiirde.
Dem Herrn Rathe scheint die Vemerflichke& und Vercichllichkekt
des p e n Treibens einleuchtend genug, als dass er iiber den be.Magenewerthen Gegenstand noch viele Worte verlieren wolle.
Es ist s e b 9chanerzlich, dass hochgestellte Personen sich erlauben
diirfen, einen nchtungswerthen Stand unverdient herabzusetzen, wie
es hier geacbieht. Wenn es in unserm Stande wirklich Personen
giebt, welche jene Beschuldigung verdienen, ist es darum recht, einen
p e n Stand wegen des Vergehens Einzelner zu bestrafen? Kanu
man urn einiger' Diebe willen alle Meuschen auf der Erde auf'hhgen?
Giebt es nicht auch unter den Aerzten Verworfene, welche sich kleinlicher rind elender Kunstgeiffe erlruben, urn sich Praxis zu verschaffen?
Darf man deshalb den ganzen Stand leiden lassen? In jedem Stande
finden sich Menschen, welche leider ! ihre Pflichten nicht erfiillen, aber
grausam, (wenn ich inich nur ganr gelinde ausdriicken will) wiirde
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2.45
Vereinszeitung.
cs sein, deshatb den ganzen Stand zu verwcrfen oder veriichtlich zu
machen.
Wir wollen die Beschuldigungen des Herrn Bathes niiher beleuchten.
Derselbe fiihrt ,,Remer's Handbudb der poliaipeilich-geridtJichen
Ckmieqban, in welchemgesagtwird : ,,der Randverkauf sei den Apothekern freilich eintriiglich, allein er stifle grossen Sdiaden, weil der
Apotheker seine Medicamente an vijllig Unkundige verkaufe, ohne
selbst von der Wirkung der Medicamente etwas ZM wissen; theils
entspriinge daraus das in manchen Gegenden eingerissene Curiren der
Apotheker, woraus die traurigsten Folgen entstiindea,
Was nun die Eintraglichkeit des Handverkaufee betrib, so ist
dieselbe nicht so sehr gross, da Kaufleute und Krtlmer, W u d - -4
Thierrirzte, Hom6opathen und Hydropathen, in demselben den Apotheker
sehr beeintrechtigt haben.
Bisweilen Rucb ist er ILtig, besondere
in kleinen Geschlften, wo die Receptur dadurch gestbrt wird.
In
Betreff des Schadens, welchen derselbe stiften SOH, win ich mich bescheiden und gern zugeben, dass der Apotheker nicht weiss, welches
Unheil Lakritzen, Bamillen, Fliedcrn, Brustthee, Manna und Rhabarbersaft, Heil- und Zugpflaster; Blundwasser und Mittel gegen Zahnweb, veranlassen khnen. - (Die Hombopathen wissen dies besser)
auch habe ich, wenn mir der Kra-nkheitsstand im geringsten hedenklich schien, so lange ich Apotheker bin, jedeizeit gerathen, einen
Arzt zuzuziehen - aber so vie1 ist gewiss, dass, wenn der Wrkauf
dieser Mittel dem Apotheker untersagt werden sollte, jeder Erilmer
dieselben sich zueignen wird. Oh hierhei das Publicum und die
Aerzte sicb besser stehen werden? Inwiefern aus dem Eandverkad
das Curiren der Apothcker entspringt, - sebe ich nicht ein, Herr
Regierungsrath glaubt wahrseheinlich : ,,Gelegenheit macht Diebe,"
es ist mdglich, dass dies bei Emzelnen der Fall i&, in beinem Fall
aber im AUgemeinen; da unter Hunderten meines Standes vielleicht
ni&t Einer ist, welcher jetzt bei dem Ueherfluss der Aemte aua dem
Curiren ein Geschklt macht. Mache doch der Herr Rath den Serbrecher namhaft und ,ziehe ihn zur Verantwortung, aber besehimpfe
nicht den ganzen Stand!
Wie in friiheren Zeiten, oder auch noch jetzt in Gegenden, in
welchen die Menschen noch in Finsterniss und Aberglauben versunken
sind, die von dem Herrn Regierungs-Medicinalrathe angefiihrten Sachen,
als Miicken- nnd Elephantenfett, Mohrenfett u. s. w. noch gefordert
werden, so [email protected] dies nicht in der Scbuld des Apotbekers, sondern in
dem Volksglauben, welcher so leicht nicht auszurotten ist. Seit 33
Jahren habe ich jene Sachen nie oder doch nur am eretea April
Von der weissen ,,Herzblume" habe ich in den
fordern hihen.
54 Jahren meines Alters nie geh6rt und das Wort ,,Lieh.spulver"
kenne ich nur dnreh Spassvcgel. Gegen die Kriitze werden oft
Mittel verIangt, aber selten verabreicht, weil 1) der Apotheker es
nicht dwf nnd 2) weil Schwefel, weisser Vitriol und Baumd jeder
KrBmer mhrt, und Kriitzsalbe jeder Wundarzt auf dern Lande verabreicht und ersterer den Landmann gern unterrichtet, wie er eine
Salbe macbt qder wie er weissen Vitriol61 als Augenmittel und Brechmittel anwenden muss. Wenn der Eine oderAndere meiner Standesgenoseen sich erlaubt hat, dem Drastica Verlangeuden etwas UnscMidliches zu geben, wold wissend, w i o schwer es hat, Jemandem
seinen Glauben zu rauben, und um zu verhiiten, dass derselbe sicb
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ah6
Veveinszeitzmg.
anderwgrts etwas Nachtheiliges verschalfe, so weiss ich nicht, oh dies
so verwerflich ist, als es der Herr Regierungsrath macht!
Der Weisheit hdherer Beh6rden wird es fiberlassen bleiben miissen, zu entscheidcn, ob cs dem allgemeinen Besten niitzlich und ausfiihrbar ist, den Apothelcern den Handverlrauf zu verbieten, uni dcnselben den Krimern in die HBnde ZLI geben.
Der Herr Regierungs -Medicinalrath will oder wiinscht, dass der
,,Zunftzwang" dcr Apothelcer aufhoren moge, und doch verlangt derselbe im Widerspruch damit, dass dem Apothelrer der Handverkauf
untersagt werde ! - Jedenfalls miissen wir, und der gesaninitc Stand
der Apotheker, uns gelrr%nlct fiililen, dass Jemand es wagen darf,
einen Stand zu verunglimpfen, in welchem gewiss weniger Schandflecke dar Menschheit sich finden, als in irgend einem andern Stande.
Der Apotheker war friiher so gesezt, dass ihn die Noth nicht trieb,
nach unerlauhtem Gewinn zu ringen. Das Pflicbt- nud Ehrgefiihl war
unserm ganzen Stande eigen. Wenn es dennoch einzelne Individueii
giebt, welche eine Ausnahme machen, so ist dies nicht die Schuid
des Standes. Eben so gut als ein Arzt, welcher seine Wichten erfiillt, unter die achtungswiirdigsten der Menschen gehGrt, ebensowolil
muss auch der Apotheker darunter geziiblt werden. Der Stand der
Aerzte, -sowie der der Apothelcer is€ ehrenvoll.
Herrscht dariiber Unzufriedenheit, dass der Apotheker sich nicht
mehr vun dem Arzte bevorinunden lassen will? Fast sclieint es so,
denn auffallend ist es, dass dcr Apothelcer nie so yon dem Arzte angefeindet wurde, nls jetzt, wo er seine Unabhbgiglreit von den Aerzten zu erringen sucht.
Herr Regierungs - Medicinalrath Dr. KI o s e hat schon friiher von
KBnigsberg ails durch einen Aufsatz im Berliner Jahrbuche, 42. Bande3 erstes und zweites Heft, die Apothelrer sehr hart uud einseitig
beurtheilt, nnd will in demselben die Pharmaceuten bei den Revisionen nicht vie1 weniger als Betriiger behandelt wissen. duch schllgt
derselbe schon danials die Maassregel vor, welche jetzt durch die
kdnigliche Cabinetsordre vom 8. Mare 1842 ausgefiihrt ist und durch
welche die Apotheker ganz entmuthiget sind. Ich hdte es deshalb
fiir eine heilige Pflicht, alle meine Collegen aufzufordern, sich gegen
nnverschald6te Angriffe eu veftheidigen. Ich bin ein alter Mann,
welcher bald vom Schauplatze abtritt, und iiberlasse es daher krSG
tigeren Hinden uiid Uerzen, unseren Stand zu rechtfertigen und gegeii
solche Angriffe zu schiitzen. ich schliesse mit dem Wunsche, dass
die schon oft gehUrten Klagen wiirdiger nhnner von Sachltenntniss,
als des Herrn H e i n r . B i l z , dFs Herrn Professors B u c h n e r , geheimen Hofraths T r o m m s d o r f f , des Herrn Dr. B l e y , sowie des
Directoriums d v Apodelrervereins u. a. m., doch endlich beherzigct
erded mdchtey+ indem, wie der -Herr Oberdirector Dr. B 1 e y' schou
%r 6 Jahren in aeiwr Schrift: ,,Ueber die Notbwendiglreit dcr Vertretung der Yhamaci3' aus elbander setzt, nicht cher Heil f& unsercTb
Stand .sn emartera dst, als mnn mpartheiische Sachversliindip denselben vertrktela !
Nmhsc/$+ifides Dr. B 1 e y.
Der vom Herrn Collegh D e n s t o r f f in dem leteten Satze seiner
vorstehenden Abhaiidlung erwiihnten Behauptung yon mir bin ich noch
heute treu und sehe lccin anderes Ileil fiir die Pharmacie, als wenn
sie gese'tzlich berufcne Vertreter crhllt in sachliundigen wissenschaft-
Vereamzeitung.
247
lich gebildeten Apthekern. Ich habe diese Nothwendigkeit hbhern
Orts hervorgehobnn und zweitle gar nicht, dass sic binnen kurz oder
lang in allen Staaten, wo Licht und Kecht herrschen und wo diese
gcf6rdert werden, hervortreten werde.
Nameas unsers Verems, welcher mehr denn 1'200 Apotheker
Deutschlands umfasset, protestire ich gegen die eben so anmassenden
als unwahren Beschuldigungen des Herrn etc. K I o s e. Wahrlich,
wer solche aus der Luft gegriffene Niedertriichtigkeiten cinem cgnnzen
ehrenwerthen Stande anfhlirden Irann, dem kann Irein i.eiaes heiteres
Bild aus den1 Seelenspiegel hervorleuchten ! Giebt cs irgend unwiirdigc Collegen in unserm Stande, so mache man sic nambaft bad
ziehe zur Rechenschaft die, welche derselben verfallen. Der Yerein,
welcher nur wiirdige Collegen in seinem Verbande zAhlen will, wird
die Unwiirdigen niemals vertrkten, aber auch unwiirdige AufbilrCungen, die man dein Apothekerstande macht, niemals duldcn. Der Apothekerstand ist wahrlieh reif, keiner solchen Vertretung eu Jedhrfcn,
wie sie Herr Dr. K l o s e gewiihrt, welcher aus der Vertretung eine
Zertretuug nmht.
Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn man den Apolhrltern deli
llandverkanf stark und heftig wirlreudcr Arzneirnittel iintersagt, aber
will man ihnen den von gewdhnlichen Bausheilrnitteln nehinen, SO
wird erst die Pfuscherei gross wcrden, die iiberall grbsser ist, wo
h'aitfleute ungestort mit Arznei llandel treiben dilrfen, iiad wo die
Apotheken in deu Biinden der Aerzte sind. Die phamiaceuti+cht:
Zeitung unseres Vereins giebt hieMr in jedem Jahrgange Beliige.
Eine umfassende biindige Apothekerordnung thut Noth, aber der
llimmel bewahre nes vor Guden, welche selbige bearbeiten, als die
des Hcrrn Dr. K l o s e .
-
4) Allgemeine wissenschaftliche
Nachrichlen.
-In dcr Versammlung der Gesellschaft naturforsehender Wreundc zu
Berlin voni 21. Februar d. J. legte Hr. &I f i l l e r die Originalabbildiingcii
von Chamisso. von den durch ihn beobachteten Delphinen vor, welchc
niit den Schideln in derri anatomischen Musemn anfhewahrt werden.
Diese Materialien wurden vorn Prof. Wie g m a n n I~cniitztfur die Supplemcnte des Scherbcr'schen Werkes, aber nach Wi e g m a nu's l o d e
fehlte der Text eu den Knpfern. Hr. l i i l l e r erlluterte nun die Abbiltbngen von C h a m i s s o diirch die Bemcrkungen, die er nach Einpfaang
derselben au8 den H&Q&II C h B m i s B o'd, bei Vwgkichung niit den
Schiideln, dazu niedmgeaehrieben. DelpAiaus Chamissonis Wiegmann?i
ist = Delphims sostratecs Fr. Cuvicr = frontalus G. Cusier. Velphinus l o r i e v Wiegmann bt D. dtbbius C u w . Dann legtc dcrsrlbe dic
Kiefern eines sehr cigenthiimlchen, noch aubekannten Deli' Witaoil~~nckus
vor, welche in der Gestalt dem des PZalanista gatageficus Bhnlirli siiitl,
die ebenfalls vorgebgt warden; 56 Zihne auf jeder Seite cincb: iiiefcrs
- Hr. M a r c h a n d 8 rach fiber die Einrichtung der Voliitninonirtcr,
und zeigto eiaen so&en Apparat vor, hestimmt, das spec. Gew. ZII
nntersuchen. Aucb theilte derselbe Versuche mil uber dic Vcliiixkrung des Nnllpnnctes der Thermometer. Hr. Li u k theilte hbbiltluiigen
der Syalt6ffnung von Cereus grnr~li/Zorusmit, wclchc sicli wic nit
einer Hnot iiberzogen zeigcn, wic inan e's \on Lul'tlorhera, wofiir man
sie gcwohnlich halt, nicht erwarlcn aollie. (lietlrni~cheR'ac~wrchlcn.)
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