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ARCHIV DER PIIARHACIE.
CLXVIII. Randes erstes rind zweites Heft.
I. Physik, Chemie und praktiarche
Pharmacie.
Die chemisehen Untersuchungen Uber die Rhabarber.
-
(Forteetznag und Sahluse von Bd. CLXVII. psg. 222.)
R u d o l p h Brandes, uber d e n Farbstoff d e r
R h a b a r b e r w u r z e l . ( A n d . der Pharm. 1834. Bd. IX.
S. 85- 90.) Zur Darstellung desselben wurde gepulverte
Rhabarber mit Aether wiederholt ausgezogen, die vereinigten Ausziige wurden destillirt, SO dass nur ein geringer Theil
Aether bei dem Riickstande verblieb. Aus diesem sonderten sich nach einiger Ruhe kleine ktirnige braunlichgelbe Krystalle. Sie murden von der Fliissigkeit getrennt,
zwischen Papier gepresst, rnit Weingeist von 75 Volnmproc. gekocht und die Losung beiss filtrirt. Nach dem
Erkrrlten schieden sich daraus kleine Krystalle von schon
gelber Farbe ab; sie wurden auf einem Filter gesammelt und durch mehrmalige Wiederholung der Behandlung mit Alkohol moglichst gereinigt.
B r a n d e s nennt diese Substanz R h a b a r b e r g e l b
oder Rhe'in. Es bildct kleine kiirnig und wsnig msammengehiiufte Krystalle, die getrocknet ein kiirniges
Pulrer darstellen. Es besitzt die n h l i c h e gelbe Farbe,
wie schone Rhabarber, nur intensiver. Eiqen besonderen Geschmack konnte B r a n d e s daran nicht wahrnehmen, weder einen bittern noch einen Rhabarbergeschmack;
es zeigte sich geschmacklos. Nicht hygroskopiach. Schmilzt
in d$r Hitze zu dunkelrothbrauner Fliissigkeit und entwickelt zuerst schon citrongelbe, spater dichte weisse
Arch. 1. Pharm. CLXVIII. Bds. 1.11.2.Eft.
1
2
Ludrriy,
Diimpfe; es hinterbleibt lockere, verbrennliche Kohle.
Ammoniak find& sich nicht unter den Producten der
Destillation.
100 Th. Wasscr losen noch nicht 0,1 Th. Whabarbergelb bei gewohnlicher Temperatur. Die Losung ist
schwach gelblich gefarbt. 51 *i4Grin. heisser Losung;
intensiv gelb gef;irbt, hinterliess beim Abdnmpfen noch
nicht O,I Grm. Ithein.
Weingeist von 75 Volumproc. zeigt kalt nur schwach
liisende Wirkung und selbst in der Siedhitze wird niir
wcnig aufgenommen.
1 Th. Rhabarbergelb lost sich in 480 Th. absolutem
Alkoliol von 12,05 C. iind in 1 1 2 Th. sicdendein absoluten Alkohol.
Aether fiirbt sich sclion in der Kalte damit bedeutend gelb, doch likt auch diesc*Flussigkeit niir eine geringc Mengc davon.
Terpetitiniil fiirbt sich gelb, nimmt j d o c h nur wenig
Hhein auf’.
Jtandclol liist es in dcr Hitze vtillig auf zii gcsiittigt
gelber Fliissigkeit. Concentrirte Schwefelsliurc fiirbt sich
daiiiit dunkelroth.
Die wiisserigc Liisung des Khabarbergelbs vcriindert
dns Lnclimus nicht.
W ’ i d etwas Rhabarbergelb niit
einigcn Tropf‘en Aetzkalilauge in Beriilirung gebracht, so
nimmt es sogleich eine li6clist intensive dunkclpurpurruthe I?nrbe an und es erfolgt vollkommcnc Aiifiisung.
Auch Amnioniakflussigkeit und kolilensaures Natron
(letzteres scliwaeher) fiirben die gelben Losungen des
Kheins roth ; ebenso Kalkmasscr, welches letztcre nacli
einiger Zeit mit dem Farbstoff einen dunke.lrotlicn Nicclersclilag giebt. I 1 6 Grnn Rhabarbergelb firbt 20 Unzen Brunnenwasser hellweingclb und die Alischung wird
auf Animoniakzusatz sogleich hyacinthroth.
Die Losung des Rhabarbergelbs in wasserigcm kohlensauren Nntron bringt in KupfervitriollBsung einen vio-
chemische Untersuchmgen iiber die Rhabnrber.
3
letten Niederschlag hervor, der bald schon kornblumenblau wird. Eisenvitriol giebt hellbraune Trubung.
B r a n d e s erhielt nach der angegebenen Bfethode
11/, bis 2 Proc. seines Rhabarbergelbs aus guter Rhabarber.
Rudolph B r a n d e s , Beitrage z u r chemischen
K e n n t n i s s d e r R h a b a r b e r w u r z e l ( h c h i u der Pharmncie, 1836. 2. R. 6 . Bd. S. 11-57).
Diese sehr belehrenden Beitriige unseres wiirdigen Stifters des ApothekerVereins sind von spateren Rearbeitern der Rhabarber,
namentlich von S c h l o s s b e r g e r und D o p p i n g (die in
der von ihnen citirten Literatur gerade diese sahone Arheit unerwiihnt lassen, wahrend sie unbedeutende NotiZen, wie J o n a s Bemerkungcn, Arch. der Pharmac. 11.R.
Bd. IX. p. 245 citiren), wenn auch nicht ganz ignorirt,
80 doch init unverkennbarer Geringschatzung behandelt
worden. Selbst der exacte Rocb l e d e r hat diese Arbeit
in seiner Chemie und Physiologie der Pflanzen, 1858,
beim Artikel Rheum zu citiren unterlassen. Um so mehr
ist es meine Pflicht, hier naher anf dieselbe einzugehen.
I. A u s z i e h u n g m i t A e t h e r .
1) Es wurden 4 Unzen gepulvcrte Rhabarberwurzcl mit
16 Unzen Aether unter iifterem Umschutteln mehrere
Tage in Eeriihrung gelnssen und der filtrirte braun gefarbte Aetherauszug bis auf
Unzen Ruckstand abdestillirt. Aus der ruckstiindigen Fliissigkeit schieden
sich nach und nach kleine gelbe krystallinische Kiirnchen
aus, von welchen die braune Fliissigkeit getrennt und in
einem Schalchen verdunstet wurdc. Die Ausziehung der
Wurzel wurde noch 3 Xial, jcdcsmnl niit 8 Unzen Aether,
wiederholt. Der letzte Auszug war wenig gefkrbt und
Betzte nach Concentrirung keine gclbcn IGrnchen mehr
ab. Die gelbe kornig krystallinische Substanz (die man
durch Auflijsen in kochendem Aether und Erkalten der
Losung, wo sie sich als korniges Pulver abscheidet, reinigen kann) ist dieselbe, welche V a u d i n mit dem Na1*
Ludwig,
itien R h e i t i und W o r n e m a n n mit dem Namen R h e u r n i n lelegte, yon welcher B u c h n e r und H e r b e r g e r
einige weiterc Aufklarung gaben und deren Eigenschaften B r a ' n d e s schon in den Annalen der Pharniacie, IX.
$5 beschrieb. G c i g e r hatte sich niit derselbcn Substaiiz
beschaftigt und sie in den Annalen der Pharmacie und
in seineni Handbuch der Pharrnacie beschiieben. B r a n d e s ziitilt sie nicht zu den wacbs- und fettartigen Stoffen, wic ITornem:inn gethan, sondern init G c i g e r zu
deli liarzigen gelben Farbstoffen, deren electro-negatives
Verhalten gegen Alkalien und andere Basen ihn bestimint,
sie als eine Siiure, R h a b a r b e r s a u r e , zii betrachten.
Diese Siiure ist der wesentliche Farbstoff der Rhabarber
(Rhabarbergelb) ; sic bewirkt die rothbraune Fsrbe, wclchc
das Rhabarherin odcr die Rhabarbertinctur durcli Alkalizusatz erliiilt, und theilt detn Harn die Fiirbung niit,
welclie dicser nncti detn Einnehmen von Rhabarber annimmt, so wie sie den Speichel beiin Kauen der Wurxel farbt. Die siininitliche Menge des aus den Aether-,
ausziigen sich absetzenden Rhabnrbergelbs betrug nur
i Gran ails -IUnzen.
Zu den schon obcn mitgetheilten
ICigenschaftcn fugt B r a n d e s noch die folgenden : Wegen
ihrcr grossen Schwerlijdichkeit erscheint sic geschmxckLos, crst iiacti 18ngcrer Zcit schmeckt sie rhabarlerartig,
widerlich scliwacli bitter, nicht zusarnnicnzieliend. An
und fiir sich geruchlos, nimmt sie, langere Zcit feuchter
Lnft ausgesetzt, eincn aroiiiatisch rhabarberartigen Geruch
a n . Dic ' wiisserigc iluftijsung der Rhabarbersiiurc vcriindert &is Lackmus nicht, rnijglichst concentrirte spirituosc Lijaungen rothen aber, wie G e i g e r fnnd, das Lackmuspigment.
Die Rhabarbersiiure ist nach G e i g e r ' s uiid B r a n d e s' Erfahrungen a1s der wirksame, abfuhrend wirkende
Bestandtheil der Itliabarber EU lxtrachten. In fest versclilossencn Geflsscn :j Jahre lang aufbcwahrt, war die
gelbe Rhabarberslure unveriindert geblieben.
2 ) Das i i t , h e r i s c h e E x t r a c t . , aus welchem sich
chernische L'nterstrchungen iiber die Rhabarber.
5
das Rhabarbergelb ausgeschieden hatte, liiste sich in
Aether und Alkohol bib auf eine Spur auf; auch von
kochendem Wasser wurde es aufgenommen, welches sich
beini Erkalten schiin gelb triibte und einen anfangs harzigen, spater pulverigen gelben Bodensatz (unreine Rhabarbersaure) absetzte. Das Extract wurde mit kaltem
Alkohol behandelt, worin es sich mit Zuriicklassung von
811, Gran loste, die durch Aether gereinigt, sich als
Rhabarbersiiure zu erkennen gaben.
B r a n d e s hat zu verschiedenen Malen grossere und kleinere Mengen von Rhabarber mit Aether behandelt, aber stets
dasselbe Resultat erhalten, namlich imrner hatte sich aus
den eingeengten Ausziigen nur wenig Rhabarbergelb freiwillig abgeschieden. Wenn die Wurzel mit Aether bis
zum Sieden erhitzt wurde, bekani man keine grossere
Ausbeute, selbst in der Regel weniger als durch die Maceration; es schien das Rhabarbergelb sich noch inniger
mit den andern ausgezogenen Bestandtheilen verbunden
zu habcn. Ungeachtet das Rhabarbergelb im reinen Zustande ein im Aether, schwer liislicher Korper ist, muss
es doch durch die andern in dem Aetherauszuge befindlichen Substanzen in einem inAether und Alkohol leicht
loslichen Zustande sich befinden. In der That bcfordern
manche Pflmzensiiuren, wie Essigsaure, Gallussiiure, auch
Gerbstoff und Harze die Liislichkeit des Rhabarbergelbs.
(Wenn man nach B r a n d e s ctwas Rhabarbergelb rnit
Gallustinctur verdampft, so erhiilt man einen in Alkohol und Aether leicht loslichen Riickstand.)
Die weingeistige Losung des Aetberextracts der Rhabarber, nach Entfernung des Rhabarbergelbs, firbte sich
mit Kisensalzen schmutzig-griin. Eingetrocknet liess diese
weingcistige Losung einen dunkelbraunen Ruckstand, der
mit warmem Wasser behandelt sich thcilweise liiste, theilweise als dunkelbrauner, ziemlich harter Klumpen zuriickblieb.
a ) Der warm bereitete wasserige Auszug gab nach
dem Verdampfen eine riithlich - gelbe, krystallinisch kiir-
6
Ludtiriy,
nige Masse (59 Gran schwer), die wenig bitter, etwas ziisanimenziehend sluerlich und nach Rhabarber schmeckte.
In kaltein N'asser liiste sich diese Massc bis auf einen
Ruckstand von 5,Z Gran auf; dieser letztere loste sich nur
theilweise in Alkohol: das darin Liisliche (3,2 &an) erkliirt
13 r a n d e s fiir 1ij s 1i ch g e w o r d e n e R h a b a r b e r s a u r e ;
die dariu unlijslichen 2 Gran gaben sich als ein Gemenge
aus O x a l s i i u r c , G a l l u s s a u r e und K a l k zu erkennen. Dicses Genienge war weisslich, krystallinitsch, unlijslicli in reinern Wasser, liislich in salzsaurem \\'asser ;
Ainnioniak fhllte daraus ein feines Pulver. Eiscnvitriollbsring fiirbte sicli durch einige Kornchen des Gemengcs
drdielblau. Diese lieaction fand aber nicht nielir statt,
AIS die JIasse einige Ma1 mit Wasser ausgeliocht war.
I3eiiii Erhitzen iiu Platinliiffcl schwarzte sich dic Masse,
ohnc zu sclimelzen, und liinterliess einen ziemliclien lliickstand von kolilensaurein Kalk. Die Ciegenmart dsr Oxalsiiure in dieseun Genienge aus iitlierischer Liisung betracht c t B r a n d e s selbst iiicht als viillig bewiesen.
b ) Die kalte wiisserige Aufosung, wclclie nur nocli
5 3 , s Chin Substanz aufgelijst enthielt, gab yerdunstet
eine durchschcinende orangegelhe Rlasse, die nicht merklich bitter, aber etwas sauerlicli, wenig zusammenzieliend
wid nnch Rlinberber sclnieckte. Beini Erliitzen irn Platinlijffel stiess sie siiuerlich aroniatisch riechendc Daimpfe
aus, die keine gelbe Fiirbung besassen ; die hinterbleibende Kohle gab beim Verbrennen eiiie weisse Asche,
die CaO, SO3 und HCl enthielt.
In Wasser lijste sich die Rlasse bis auf wenigc Kornchen ron Rliabarbergelb w i d e r auf. Die wasserige Liisung wurde durch Bleisalze rcichlich gefallt; Eiseiiritriol
brachte sogleich eine schiine intensiv dunkelblaue Farbung hervor; mctallisches Eisen lief darin blauschwarz
an. Platinlosung gab nach einiger Zeit nur eine geringc
Triibung.
Eiweiss gab nur geringen Niederschlag; nach Entfernung des Eiweisses durch Aufkochen, Gerinnung und
cliemische L5dersuchungen iibev die R l d a r b e r .
7
Filtriren gab das Filtrat mit Eisensalz eine dunkelblaue
Flussigkeit, ohne Niederschlag.
Thierkohle entfiirbte die Liisung nicht.
Nach Verdampfung des Wassers wurde der Riickstand niit absolutem Alkohol behandelt; es blieben 6 Gran
einer weissen krystallinischen Substanz zuriick, schwer
Ioslich in Wasser, von saurer Reaction; die wasserige
Losung wurde durch oxalsaures Ammoniak getriibt, durch
Eisensalz intensiv geblaut, rnit Aetzkalilauge gemischt
der Luft ausgesetzt schmutzig - braun. Diese Substanz
bestand sonach aus s a u r e n i g a l l u s s a u r e n K a l k .
Aus der von dicscm Kslksalzc getrenntcn alkoholischen Liisung erhielt ninn nach dein Verdunstcn eine
krystallinischc Masse von sternfiirmig gruppirten Prismen.
Rlit Aether behandelt blieben die Krystalle zuriick. Ihre
wasserige Losung gab verdunstct wicder wcissliche Krystalle, dercn Liisung durch Eisensalz dunkelblau, durch
Gpldchlorid grunlich gefarbt wurde. Beim Erhitzen in
der Glasriihrc eiitwickelten sie weisse Dampfe, hinterliessen einc Spur Kohle und i m oberen Theile des Rohrchens hatte sich eine gelbliche Flussigkeit, daruber eine
kornigc Krystallisation verdichtet, die init Eisensalz dunkelblau \vul.de. Jenc sternformig gruppirten Prismen bestanden sonach aus G n l l ~ ~ s i i u r e .
c ) Die von der Gallussiiure getrennte ltherische
Liisung liess verdunstet eine gelb gefgrbte Substane, die
wenig Litter, nach Rhabarber schmeckte, in Wasser,
Alkohol und Aether sich liislicli zeigte und durch Alkalien dunkelroth wurde. Wegen ihrer Leichtloslichkeit in
den genannten Lijsungsmitteln unterscheidet sie sich Tom
Rhabarbergelb, doch deutet die Farbung durch Alkalien
darauf hin, dass dieses sich noch dabei Lefinden musste.
d ) Das nach Behandlung mit warmem Wasser zuriickgebliebene Aetherextract war, wie schon oben bcmerkt,
nicht unloslich in kochendem Wasser, es war jedoch nur
durch warmes Wasser von den' leichter loslichen Stoffen
8
Ludwig,
befreit worden. Es wurde mit Alkohol behandelt, woriD
es sich nach und nach grosstentheils aufloste.
Die alkoholische Losung wurde mit einer weingcistigcn Bleizuckerlosung vermischt, der Niederschlag mit
Weingeist gewaschen und einstwcilen bei Seitc gelegt.
Am dem Filtrate wurdc das Ulei durch EIS entfernt und
die vom Schrvefelblei gesoriderte Flussigkeit durch Destillation voni M'eingeist befreit. Sic gab cine kornige
Krystallisation von dunkelorangerother Farbu, die ilurch
Behandlung mit Alkohol schiin rhabarbergelb erschicn
und 12 Gran wog; diese Substanz rerhiclt sich wie lthabarbersiure.
Die davon getrenntc Flussigkeit gab nach dcin' Vcrdunsten einen dunkclbruunrothcn, schwach bitter, rhabarberartig schmeckenden Stoff, der h i m Erhitzeii weich
wurdc, geibliche entziindliche Dampfe ausstiess und einc
aufgeschwollene Kohle hinterliess, die bei fernereni Erhitzen viillig verbrannte. Nasser zeigte auf dime Substanz lieine merkliche Wirkung; in der Hitze f&rbte
cs sich damit gelblich. Absoluter Alkohol nahm sie aul;
Weingeist von 75 Proc. weniger schnell, ebeiiso Aetlier.
Die Aufliisnng wurde durch Eisensalz grunlich. Kaiilaugc und Actzarnmoniakfliissigkeit bewirkten cine dunkclrotlle Auflosung ; ebenso Schivefclsiiure. Salzsiiure
eeigte in der Kalte keine Einivirkung,, in der Hitze f2rbte
sic sich damit gelb. Salpetersiiure wirkte kaIt kaum auf
diese Substam; beim Erliitzen fiirbte sie sich damit gelb,
entwickelte Salpctergas und verwandelte die Substanz in
eine gelbe Materie.
Uiese Substanz (welchc 8 Gran wog) verhielt sich
also wie IthabarbersBure, gemcngt mit einer braunen hnreigen Materie und etwas Gallussiiure. Die grunliche Fiirbung durch Eisensalzc findet SO ihre Erklarung. Die
Rhabarbersaure giebt mit Bleioxyd eine in Il'eingeiut.
leicht liislichc Verbindung *j.
,
*) Vielleicht ist dieser dunkelrothbrauue harzahnliche StoK die
Verbindung eines Hhabarbers;dureglycosids mit Gerbstof. Lu d w i g .
cheniische U ? i t e i . s u c l i i c ~ ~fiber
~ e ~ ~die Khabarber.
9
Der oben erhaltenc Bleizuckerniederschlag wurde in
Alkohol verbreitet und rnit HS zersetzt. Die vom Schwefelblei gesonderte Losung hinterliess nach dem Verdunsten 150 Gran einer dunkelbraun gefrirbten Substanz von zusainmenziehend duerlichem Geschmack, die beim Erhitzen
aufschwoll, dicke gelblich gefarbte' Dampfe ausstiess und
eine volurninose, schwer einzuiischernde Kohle hinterliess.
Von Aether wurde diesc Substanz mit Hinterlassung von
nur 4 Gran eines Xuckstandes aufgenomrnen, der sich
wie Rhabarbersaure verhielt.
Die atlierische Auflosung wurdc verdunstet uud der
liiickstand init Wasser ausgckocht ; die Abkochung triibte
sich beini Erkalten und schied einen pulvcrig harzigcn
Bodensatz ab. Dieser sainmt der wiisserigen, durch Einclampfen concentrirten Flussigkeit wurde mit Alkohol veriiiischt. Es entstand iein reichlicher Bodensatz, welchcr
ausgewaschen und auf einem Filter gesammelt wurde.
Dieser loste sich in Alkohol nuf; die Auflosung hinterliess nach dem Verdunsten 49 Gran eines Riickstandes,
dcr lnit absoluteni Aether behandelt wurde, wobei 24 Gran
einer braunrothen Substanz ungelost blieben, unloslich in
kaltem Wasser ; kochendes Wasser wirkte darauf, die
Auflijsung wurde durch Eisenchlorid dunkelgriin. Auch
Alkohol nahm diese Substanz auf; sie loste sich in AetzIralilauge mit brauner Parbe. U r a n d e s bezeichnet sie
als H a 1b h a r z Ini t Ta n u i n g e n s ii u r e (eisengriinender
Gerbsaure).
Die von dicserd sogenanntcn Ilalbharz abfiltrirte athcrische Liisung gab auf Zusat'z von vcrdiinnter Schwcfclsaure cinen Xiederschlag, iibcr welchcm der Aether schijn
gelb gefiirbt stand. Dieser Niederschlng (von 15 Gran)
verhielt sich wic das vorige Halbharz, war etwas loslich.er im Aether, und niiherte sich dadurch mchr den Harzeu; B r a n d e s bezeichnet ihn kurzwcg als H a r z . Die
iin Aether - geloste, denselben gelbfarbende Substanz betrug noch 12
' Gran und verhielt sich wie Rhabarbersaure
i m lhlicheren Zustande.
10
Ludzci,q,
Die wasserige Schmefelsaure hatte Leiinlosung reichlich fallenden eisenblauenden Gerbstoff in Liisung zuriickgehalten.
e ) Der unter d ) in1 Alkohol ungelost gebliebene Theil
des Aetlierextracts erschien als harte dunkelschwarzbraune
Masse: sie wurdc zerrieben und init Aether ijfters ausgekocht. Bei freier Verdunstung setete der 5therische
Auszug nocli 5 Gran Rhabarbersiiurc a b ; die d a w n getrennk Losung liinterliess beim Eintrocknen 10 Gran
einer dunkclbrauncn harzigen Rlateric, Ioslicli in Allrohol
nnd Aetlier.
Die voni Aether nicht aufgelostc Massc liiste sich in
verdiinnter Aetzkaliflussigkeit niit dunkelbrauner Farbe.
Salzsiiure fdlte darnus eine Srtbstanz, leiclit loslicli in
Alkoliol. Reini Tierdunsten der Liisung bliehen 46 Gran
cines schwarzbraunen. Huckstandes, der keinen merklichen Gesclinmck zeigte, in Alkoliol sich init dunkelbrauner Farbe liiste. Kochendes IYasscr liiste auch einen
xuerklichen Thcil. Die Aufliisucgen fhbten sich durcli
Eisei?chlorid dunkelbraun. Leiinlijsung bewirkte in der
wiisserigen Liisung geringe Triilmng. Hleisalze st:irken
Niedcrschlag. Diesc Sitbstanz erkliirt I3 r a n d e s fiir O R Y dirten Gerbstoff.
Der Aethersuszug der Rhabarber entlialt sonnch :
Khabarbersiiure, eisenblauenden, eisengriinenden (?) und
oxydirten Gerbstoff, Gallussiiure, Harz und Halbharz,
Oxalsiiure (?) und ctwas Kalk.
11. A l k o h o l i s ch e r i i u s z u g.
a) Die niit Aether crschiipftc Rhsbarberwurzel wurde
mit Alkoliol wiederholt kochend ausgczogen. Nach Entfei-nung des Weingeistes erhielt man ein dunkelbraunes Extract, das mit kaltem Alkohol nur theilwcise
gelost wurde, wiihrend ein fester schwarzbrauner Klumpen zuriickblieb. Die weingeistige Losung wurde auf
1 ihres Volums abdestillirt, wobei nach dem Erkalten
aus der Fliissigkeit 3 Gran Rhabarbersaure sich ~ U B -
ciremiscl~e Ciitersuchiingen iiber die Ifhabarber.
,
11
schieden. JYenig Wasser bewirkte in der davon getrennten Losung keine Triibung, vie1 Wasser schied einen
gelbrothen Niederschlag ab, dcr hauptsacblich aus Rhabarbersaure bestand (mit etwao harziger Materie, Halbhaw und Gerbstoffabsatz).
Die abfiltrirte Flussigkeit wurde verdunstet und der
Ruckstand mit Wasser wieder aufgenommen, worin er
sich vollig loste. Die Auflosung wurde mit Hleizucker
gcfillt, der Niederschlag untcr Wasser durch HS zersetzt
und die vom P b S getrennte Flussigkeit eingedunstet. Es
blieb eine gclblich - braune, anfangs siiuerlich, hinterher
etwas bitter schmeckende Substanz zuriick, die mit ablutem Alkohol gekocbt sich darin nicht vollig loste; der
Ruckstand, im Wasser nicht merklich loslich, wurde yon
Aetzkalilauge leicht aufgenommen , aus dieser Losung
durah Salzsiiure als dicklicher, gallertartig durchscheinender Niederschlag abgcschieden (Gallertsiiure), der getrocknet nur 'I2 Gran betrug.
Die geistige, von der Gallertsaure abfiltrirte Losung
wurde durch Bleizucker und Bleiessig stark getriibt, durch
Eisenvitriol intensiv blau. B r a n d e s erkliirte die Substanz fur Halbharz niit etwas Gallussiiure.
Die vom Bleiniederschlage getrennte Flussigkeit, durch
HS vom Blei befreit, filtrirt und vcrdunstet, liess einen
hellgelblichen Syrup zuruck, von selir sussem, hinterher
etwas widerlich bitterem, dem der Manna nicht unahnlichen
Geschniack, unkrystalllsirbar; mit Hefe vermischt und
uber Quecksilber abgesperrt, entwickelte der Syrup vie1
kohlensaures Gas. Das Gewicht dieses Schleimzuckers
betrug 191,25 Gran.
b) Die in kalteni Alkohol unlosliche, feste schwarzbraune Masse loste sich in verdiinnter Aetzkalilauge ;
Salzsiiure schied den Stoff wieder aus. Wasser zeigte
kalt keine Einwirkung, heisses Wasser fiirbte sich damit
braun. Eisenchlorid triibte die Liisung grunlich- braun.
Bleizucker gab braunen Niederschlag. Leimlosung wurde
getriibt.
12
L zi d icig ,
Diese Substanz erklart B r a n d e s fur o x y d i r t e n
G e r b s t o ff (Gerbstoff-Absatz).
Der Alkohol entzog sonach der durch Aether schon
erschopften Rhabarberwurzel noch etwas Khabarbersiiure
und Gallussliure, sodann reichlichc Nengen von Schleimzucker, oxydirtem Gerbstoff, Halbharz und ein wenig
Oallertsiiure.
111. A u s z i e h u n g n i t IYasser.
Die mit Rether und Alkoliol erschopfte Rhabarber
gab an siedendes Wasser Gallertsiiure und Amylurn ab,
sodann extractive Substanz (braun gefarbt), Extractivstoffabsatz, Aepfelsiiure, eisengriinende Gerbsliurc, schwefelsaures und salzsaures Kali und phospliorsauren Kalk.
IV. A u s z i e h u n g m i t S a l z s i i u r e .
Sie liefcrte reicliliche hlengen von osalsaurem Kalk.
V. A u s z i e h u 11g mi t A e t z k a 1i.
Die durch Aethcr, Alkohol, Wasser und Salzsaurc
erschopfte Rhabarberwurzel bcsass eine schmutzig-graue
Farbc. Rlit Aetalialilauge digcrirt, lieferte sic cine braunrothc Flussigkeit, dic durch E s s i g s h r e cincn reichlichen
gallertartigen Niederschlag gab, der gctrocknet und gcgliiht Diinipfe gab, die nnr gering amrnonialralisch brenzlich rochen. Wasserige Jodauflosung wirkte nicht auf
die gallertartigen Flocken. Diesc Substanz ist wohl nur
fiir (fallertsiiure zu halten. Dic ron dem pllertartigen
Niederschlagc abfiltrirtc Fliissigkcit eingetrocknet und der
Ruckstand mit Alltohol ausgczogen, liess einen dunkelschwarzbrnuncn Riiclrstand, geruchlos, zcrreiblich, schlciinig, fade schmeckend. Erhitzt stiess er etwas ammoniakalisch brenzlich ricchende Diimpfe aus. ,Jodlosung braunte
die wiisserige Liisung. B r a n d e s betrachtct dicse Substanz als Qumnioin odcr gummoscn l~xtractivstoff.
V1. E i n i i s c l i e r u n g . VII. F e u c h t i g k e i t s b e s t i m m u n g . VIII. U e b e r s i c h t d e r E e s t a n d t h e i l e . Die
organischen Bestandtheile der Rhabarber nach dieser Ana-
chemische Untersuchurigen uber d i e Rhabarber.
1:)
lyse sind sonach : Rhabarbersaure (oder Rhabarbergelb),
eisenblauender Gerbstoff, Gallussaure, Harz, Halbbarz,
Gallertsaure, Aepfelsaure, Oxalsaure, Schleimzucker, Stiirkemehl, eisengriinende Gerbsaure (1) und verschiedene
extractive Substanzen.
B r a n d e s hat die Rhabarber auf mehrere abgeanderte Weisen untersucht, aber nie gleiche Resultate erhalten; die Abanderungen betreffen den Gerbstoff, aus
welchem sich durch ofteres Auskochen unter Einwirkung
der Luft mehr oder weniger Gerbstoffabsatz bildet und
auch die Rhabarbersaure, die sich mit dem Halbharz
und der Gallus- oder eisengrunenden Gerbsaure verbindet und damit einen liislichen Korper darstellt, aus dem
sie schwierig sich abscheiden liisst. Die folgende Versuchsreihe von B r a n d e s ist sehr belehrend.
A.
a ) 500 Gran scharf getrocknetes Rhabarberpdver
wurde mit absoluteni Aether R nial ausgezogen. Aus den
eingeengtcn Tincturen setzten sich etwa 2,s Gran Rhabarbersaure ab ; nach deren Abscheidung wurde der
Aether rerdunstet. Der trockne Ruckstand wog 50 Gran.
Dieser wurde mit Wasser so oft ausgekocht, als sich
noch etwas aufloste. Es hinterblieb endlich kein Ruckstand. Die ganze Masse des Aetherauszuges bestand
also aus in kochendem Wasser liislichen Substanzen.
(Daraus folgt, dass die Rhabarber keine Fette und keine
in Acther liislichen achten IIarze enthiilt.)
b) Diese heisse Auflosung wurde dem Erkalten iiberlassen ; es schied sich theils harzartige, theils pulverige
Substanz ab, welche 16 Gran wog und sich als eine unreine oder losliche Rhabarbersaure vcrhielt.
c). Die wzsserige Auflosung murde verdunstet. Der
Ruckstand liiste sich in kaltem Wasser triibe auf und
setzte etwas Rhabarbcrsiiure ab. Die Auflosung schmeckte
ssuerlich zusammenziehend, war gelblich gefsrbt, farbte
sich mit Eisenvitriol dunkelblau, niit Eisenchlorid griinlich, nach Ammoniakzusatz dunkelviolett; gab mit Leim-
14
Ludicig,
losung reichlichen Niederschlag, der durch Eiscnchlorid
blauschwarz wurde. Ein Theil der Losung, woraus der
Gerbstoff durch Leim gefallt worden war, wurde durch
Eiaenchlorid dunkelgrun, durch schwefelsaures Eisenoxydul dunkelblau. Bei diesen Versuchen fand sich also im
Aetherauszuge: harzige Rhabarbersaure, Gerbstoff (eisenblauender untl eisengriinender) und Gallussiiure.
B.
a ) Der Wurzelriickstand von A. wurde mit Alkohol
mehre Male ausgekocht und die Ausziige vom Alkohol befreit. Sie hinterlicssen 120 &an einer braunen, widerlich bitter und susslich schmeckenden Materie.
b) Diese wurcle mit kaltem Alkohol iibergossen; e8
blieb ein Riickstand ungelost, der sicli wic Rhabarbersiiure wxhiclt, an Menge 10,s Gran.
c) Die davon gesonderte Losung wurde vcrdunstet und
der 103 Gran wiegende Kiickstand mit kaltem Wasser
beliandelt, welches damit eine triibe gelbe Losung bildetc, die durch Kochen hell wurde. Das in knltem Wasser Ungeloste wog 12 Gran und liiste sich durch Kochen
irn Wasser viillig auf; die Auflosung wurde beim Erkalten stark gelb getrubt. Diese Substanz verhielt sich
deninach wie unreine oder Iosliche Iihabarbersiiurc.
d ) Die davon abfiltrirte Flussigkeit wurdc durch Leimliisung reichlich gefiillt und durch Eisensalze dunkelblauschwarz. Sie enthiclt den Gerbstoff und den Schleimzuckcr der Rliabarber.
C.
a ) Die mit Acther und Alkohol crschopfte Rhabarber wurde init Wasser auagekocht. Heim Abdampfen
der Ablrochung blieb eine dunkclbrnune Masse, die mit
Weingeist aufgeweicht A m y lo n hinterliess.
b ) In der Flussigkeit fand sich otwas Rliabarberslure
und Gallussiiure.
B e i d i e s e r U n t e r s u c h u n g h a b e n m i r sonach
bis auf d a s h a r e i g e R h n b a r b e r g e l b kein eigentliches Harz erhalten!
clremische Lhtersttchzozgen iiber die Rhabarber.
15
Der ganze Aetherauszug loste sich in kochendem
Wasser auf, und was nach dem Erkalten als cine (anacheinend) harzige Masse daraus sich absetzte, war, aufs
Neue mit Wasser gekocht, darin loslich. Dieses so erhaltene Rhabarbergelb ist noch nicht rein, indem man
noch Gallussaure, Tanningensaure (?) und Gerbstoff daraus absondern kann.
Die spirituose Rhabrtrbertinctur enthalt nach B r a n d e s als wesentliche Beshndtheile : harziges Rhabarbergelb, Schleimzucker, in Wasser und Alkohol lijslichen
Extractivstoff, Gerbstoff, Gallussiiure uncl Tanningensaure <?).
Die wasserigen Rhabarberdecocte enthalten cbenfalls
Rhabarbergelb zugleich mit den in Wasser loslichen Bestandtheilen ; die Triibung, welche die Rabarberdecocte
beim Erkalten erleiden, werden durch Ausscheidung eines
Theils des harzigen oder unreinen Rhabarbergelbs verursacht, und die dickliche Beschaffenheit derselben durch
die Qallertsiiure und den Stlrkekleistcr.
Bei den vorstehendcn Analysen erhielt B r a n d e s
die Hhabarbersiiure in zwei verschiedenen Zustanden, einma1 in der kleinsten Menge als reine Saure, zweitens in
der grosseren Menge als harziges Rhabarbergelb. Dieses letztere erscheint als ein Gemenge von Khabarbersaure, harzigen Substanzen, Gallussaure und Gerbsaure.
Wcnn Unloslichkeit in kaltem und heissem IVasser
zum Charakter der Harze gehorcn, so mochte man glaiiben, dass in dem durch Aether erlialtenen Rhabnrberextract kcin Harz enthalten sei, cla dieses Extract in
kochendcm Wasser sich vi;llig auflijst. Ich ( B r a n d e s )
habc cin solches Extract mehrmals, jeclesmal mit frischen
Quantititen kochenden Wassers behandclt. Es liiste sich
immer vollig wieder in kochendem Wnsscr auf. Es durfte
sich daraus folgern lassen, class in dem Aetherextract der
Rhabarber kein eigentliches Harz enthalten sei, und dam
erst durcli das oftere Behandeln desselben bei Einwir-
Ludwig,
16
liung der Luft und Wiirme etwas halbharzige Jiaterie
sich bilde. ( B r a n d e s 1836.)
Ueber die Z u s a m m e n s e t z u n g d e r R h a b a r b e r s a u r e veroffentlichten R. B r a n d e s und C. L e b e r im
Archiv der Pharmacie, 1839, 11. R. Bd. SVII. S. 42-47
einige Angaben.
Rhabarbersaure im Zustande grosster Reinheit im
Liebig’schen Apparate mit Kupferoxyd verbrannt gab :
I. aus 0,324 Grm. Saure 0,650 Grm. CO2 und 0,137 Grm.
€10,
11.
0,356
0,704
0,144
Daraus resultirt fur die Zusammensetzung :
I.
11.
~
))
c:
= 55,472
H = 4,6!)8
0 = 39,830
100,000
34,680
1,191
40,826
100,000.
Im rhabarbersauron Baryt fanden sie BaO = 16,563
I’rocent; denn 0,356 Grm. dcs Salzes gaben 0,07ti0 Grtn.
BaO, CO? = 0,059 Grm. Baa.
0,3(i:: Grm. rhabarbersaurer Haryt liefcrten bci dcr
Verbrennung 0,579 Grrn. CO? und 0,140 Grm. Wasser.
hIit Ileriicksichtigung ’ der beim Baryt gebliebenen Kohlcnsiiirire (0,01733 CO?) betragt die gauze blenge der aus
0,303 Grm. Rhabarberssure gebildeten Kohlensiiure 0.576
h n . Die an B a r j t gebundcne Saure besteht sonach in
100 Theilen aus:
C = 54,419, H = 5,120 und 0 == 40,:m Proc.
Die Formcl C35 H I 9 0 1 9 fur die Rbabarbersaure verIangt: C = 55,591, H = 4,927, 0 = 39,482 Proc.
( B r a n d e s und L e b e r 1839.)
L. C. J o n a s , Apotheker in Eilenburg, u b e r R h a b a r b e r g e l b (Arch. der Ph. 1837. II. R. Bd. 9. S. 245-2248).
Seit Jahren habe ich ( J o n a s ) die jedcm Apotheker schon
vorgekommenen Ablagerungcn eines gelben, im reflectirten Lichte gelbgrunlich erscheinenden Farbabsatzes von
chemische ~',itersuchutigeniiber die Rhnbnrber.
17
krystallinischer Beachaffenheit in den Gehssen der oft&
cinellen Tinctura Rhei n p m a beobachtet, welche die Gefhaseiten formlich iiberziehen und undurchsichtig machen.
Diese Ablagerungen sind unreines Rhabarbergelb, welchee
man wie folgt reinigen Bann.' Die Gefasse, in denen sich
dak schmutzig- gelbe Rhabarhergelb nach liingerer Zeit
aus einer alkalisirten wasserigen Aufliisung unter Einfluss dee Tageelichts in gelbgrunlich schillernden Krystallen ablagerte, sucht man durch kaltes reines Wasser so
viel wie moglich +om Extractivstoff und sndern Bestandtheilen des Auszuges zu reinigen, bis der ganze Anflug
rein gelb erscheint. ,Nach einiger Abtrocknung giesst
man in das Gefass nach und nach so viel concentrirte
englische Schwefelsaure, bis all4 Krystalle sich tnit priichtiger dunkelrosa Santelholzfarbe gelost haben. Diesc
saure Lijsung giesst rnan in destillirtes Wasser, woraa f
ein schoner gelber Niederschlag von Rhabarbergelb entsteht, den n u n auf eineiii Filter sammelt, mit Wasser
:ruswiisctit und trocknet. Beim Erhitzen verfluchtigt sich
das Khnbarbergelb in gelben Dampfen, die sich zu einer
gelben, brenzlich riechenden Flussigkeit >erdichten, aus
welclier sich farblose feine Krystalle ablagern, die sauer
reagiren, sonst aber nicht weiter untersucht wurden.
Fur die praktivche Pharmacie schliesslich die Re;nerkung, dass das Rhabarbergelb in Verbinclung mit
1837.)
Zucker leichter aufliislich wird. (!onas
P r o f . Dr. D u l k in K i j n i g s b e r g , iiber d e n e i g e n t h uni 1i ch e n B e s t a n d t h e i 1 d e r Rh a b a r b e r (Archiu
der Pharnr. 1839. 2. K. 17. Bd. 5.26-42), glaubt nicht,
dass durch die ausfuhrlichen uud grundlichen Untereuchungen von R r a n d e s und G e i g e r die Frage nach
der chemischen Zusammensetzung der Rhabarber vollstandig gelost sei, namentlich die Frage, welclies der
eigenthumliche, die Heilkraft derselben bedingende Restandtheil sei, scheint ihm noch nicht befriedigend beantwortet zu sein'. Dulk giebt niit Recht zu bedenken,
dass eine Rehandlung der Rhabarherausziige mit SalpeterArch d.€'harni. CI,X~'III.€%d~.
1. u 2. Hft.
2
18
Litdicig,
siiure (wie sie V a u d i n und auch G e i g e r ziir Qewinnung des Rhabarbergelbs vorschrieben) den Rhsbarberstoff, wie er in der WuEzel enthaiten sei, uinaadecn mme,
nameptlich wenn solcbe Einwirkuqg der oxydirepdcn Siiure
Monate lang statt finde. B r a n d a s hattc nur 1 bis
Proccnt Rhe'in erhalkp, G e i g e r bei Benutzueg von dalpeterssure 3 Proc. desselbep. Pas Rheiu schmecke weder bitter nocli nach Hhababcr, sei sqbwer lijslich in
Wmser und Weingeist 11. B. w. Versuqhe hatten D 111k
gelehrt, d+w die Rhalaarber kein wirkliches Ilarz fertig
gcbildet cnthaltc, und dass dio bei der Untersuchung auftrctenden Iiarz~hnlichenStoffe Veranderungsproductc, des
Rhabarberstoffs seieq. Znr Isoliriing des Iinvertinclcrtcn
Rhei'ns verfuhr D u l k wie folgt:
Zerschnittene Rhabnrberwur3el wurdc mi t Aetmmmoninkflussigkeit, die mit 4 Th. IVasser verdiinnt worden,
knrze Zeit bindurch geschuttelt, die schleimige Flussigkeit durch ein leinenes Seihetiich vom Ungeliisten abgepresst, init kohlcnsanreni Baryt angeriihrt nnd damit
erwiirmt, bis das Ammoniak fast vollig verfluchtigt war
und eine Probe der rothen Fliissigkeit durch Eisensolution nicbt nichr grun gefarbt wurde. Die (lurch Absetzeniassen geklarte, nicht mehr schleirnige Fliissigkeit wurde
iiltrirt und mit Kieseltlusssiiuregas behandelt. (Uiese
liess man unter Quecksilber in den Rhabsrberauszpg eintreten, bis dieser seine dunkelrothe Farbe verloren und
brsungelb geworden war.) Die durch ebdampfen in gelinder Warme bis zur Trockne erhaltene schmutzig-gelbe
Bimsse wurclc vom Quecksilber abgesondert, fein zcrrieberi und mit L i p w ilninionii ccsustici spirititoms (Weingeist von 0,802 mit ilnimoniakgas gesiittigt) geschuttelt.
Die schon blutrothe Lijsung wurde vom Ungelosten inittelst eines Filtrums geschieden, der Ruckstand mit Weingeist gewaschen und sammtliche Losnngen in galinder
IVVrme zur Trockne abgedsraipft. Der gelbrothe Riickstand wurde im Wasser unter Zwatz von wenig Aetzammoniakflussigkeit gelost, die Llutrothe Liisung von einer
ckemische Untersitchungen iibet. die Rhnbarber.
19
ziemlichen M q e angelijst gebli~benengelben pulverfdrmigen Subdam abfilkrirt (das Rhabarbergelb von B r a n des und Q e i g e r ) . Das Filtrat wurde mit Bleiemig ge,
fdlt, der Niederschlag (irn Ansehcn dem Flomntinerlwlt
g l e i c h d ) a d einem Filter gessrnrnelt uod mit Wasser
gewaschm, dern nuletmt ein wenig Ammmiak zugesetat
worden war. Der gut gepresste und getrocknete Niederschlag wurde zerrieben mit Weingeist van 0,820 hbergassen 5nd mit HSgas behandelt. Der Weingeist farbte
sich bald etslk gelb ; abfiltrirt und einpdunstet liesr derselbe eine r8thlich-gelbe Masse zuriick, in welther an
verschiedenen Stellen aich sehr deutlich spiesaige Kcystalle gebildet hatten, die jedoch von der siclit krrystdlinischen Masse nicht abgesondert werden konnten, weil
diese aich hygroskqisch aeigte. D u l k hhlt dieae Mame
fur den Rhabarberstoff in reinem Zustande und bezeichnet ihn niit dern Namen R h e i n .
Ei g e n s ch a f t e n. Das Rhein bildet eine rotlgelbe
Masee, die nur schwierig krystallisirt erhalhn werden
kann. Aus der Luft zieht es Feuchtigkeit an und wird
zu eimr &en Extractmasee, die schon bei gewohnlicher
Temperatur, deutlicher bei gelinder Erwarmung d+meigenthumliehen nauseosen Rhabarbergeruch e r k e m n lasst.
Der Gewhmack ist bitter, nach mabarber.
Dae Rhein lost sich in Waaser, Weingeist und Aether;
am besten in rniissig starkem Weingeiet. Die Losmgen
in Aether und WJaseer siod rein gelb, die in Weingeist
wegen griisserer Concenhtion rothgelb. Samnztliche Auflosuugen rothen Lackmuapapier. Eisenaalze bringen in
den Lijeungen weder Farbenanderungen noch Niederschliige hervor.
In der WBrme schmilzt es, etosst st&ker erhitat
einen hellgelben Rauch am, der das ganze Zimmcr mit
dem eigenbhiirnlichen Rhabarbergeruch erFiillt, entaiindet
aich, brennt mit heller F'lamme und hinterlkst eine Kohle,
die an sffener Luft ohm plscbe zu lassen vollettindig
verbrennt.
2"
20
Ludwiy,
Nit den Basen giebt das Rhein rottigefarbte Verbindutigen, von denen die uiit den ALkalien, vorzugsweise
rnit dein Ammoniak, sich durch ihre schon blutrothe
Farbe auszeichnen.
Concentrirte Schwefelsaure lost das Rhei'n mit dunkelrother Farbe auf, die auf Ziisatz von JYasscr in Gelb
itbergelit j aus der trubgewordenen Fliissigkeit scheidet
sich ein gelber Bodensatz aus.
Concentrirte Salpctcrshre giebt sogleich einc triibe
gelbc Losling, aus der auf Zumtz von JVasser sich nach
einiger Zeit ein gulbes Pulver niederschliigt. Das Hhabarbcrgelb (die Rliabarbersaure) von B r a n d e s und G e i g e r bildet sich :ius dem yon mir ( D u l k ) dargestellteti
Ithein ink Laufc: der Operationen unter alleiniger Einwirkung der Luft, schneller aber unter gleiclizeitiger JIitwirkung cheinisclier Agentien, sowoh1 der Basen, als der
Salpetersdurc , dahcr es a u s allen nhabarberauszugen,
wenn dieae sich selbst uberlasseu werdcn, eich ausscheidet. In diesem Yerinderten Zustnnde ist es zum Theil
schon in cler Rtiabarber cnthalten, jcdoch oline Zweifel
dem griissercn Theile nach in deni Zustande und yon
den Eigenschaften, wie oben angegeben wurde.
4 Gran dieses Dulk'schcn Rhe'ins mit YO Gran Milchzucker abgerieben, ricfen bei einem an Verstopfiing leidenden JIanne nach 30 Stunden eine sctir reichliche aufgeliiste Stuhlentleerung hervor. Der Director der me&cinischen Klinik Prof. Dr. S a ch s trug kein I3edenken,
diese IYirkung deni Rhein zuzuschreiben. Das fraglichc
Pulvergemisch besass cine inteneive Rbabarberfarbe, den
eigenthumlichen nauseosen Rhabarbergeruch, und jedes
Stiiubchen desselben entwickelte auf der Zunge den stark
bitteren, lange anhaltcnden Rhnbarbergeschniack.
Dieser Eigenschaften wegcn bezeichnet D u 1k sein
Kliein als den eigcnthiimlichen, die IIeilkrafte der Rtmbarber betlingenden Bestandtheil.
Der Dulk'schen Cewinnungsmethode seines Rhei'ns
ist der Vorwurf dcr An\vendung von freien Alkalien und
chenzische Unte~sztchunge?aiiber die Klmbavber.
21
freien starken Sauren zu machen, welche Spaltungen und
Umsetzungen in solchen complexen Gemischen von Pflanzenstoffen hervorrufen mussen, wie die Ausziige der Rhabarberwurzel nach allen vorausgegangenen Untersuchungen sind. (H. L u d w i g . )
Dr. J. S c h l o s s b e r g e r und Dr. 0. D o p p i n g , c h e m i s c h e U n t e r s u c h u n g d e r R h a b a r b e r w u r z e l (Ann.
der C’liem. t i . Pharm. 1844. Bd. 50. 5. 196-2223).
Nachdem diese Herren Doctorcn die Literatur iiber den Gegenstand angegeben, namentlich Trommsdorff, Schrader,
Pfaff, N.E. Henry, Hornemann, Meissner, Runge, Peretti,
Ridolphi, Nani, Carpenter, Vaudin, Buchner und Herberger, Qeiger, Brandes und Leler, Jonaa, Dulk und 0.
Henry citirt haben, rufen sie ans: Gegen 20 einzelne
Arbeiten, zum Theil sehr tuchtiger Chemiker, uber einen
und denselben Gcgenstand, und doch eine einigermaassen
aufklarende Untersuchung kanm angedeutet ! J e weniger
eigenthumliche, hslbwege scharfer charakterisirte Stoffe
’ dargestellt wurden, desto mehr neue Samen wurden geschaffen; der Eine beschcnkte uns mit einem Rhein, der
der Andere mit eineni Rheumin oder Ithabarberin, oder
Rhabarberstoff, oder Rhabarberbitter und sofort, kurz uberall vie1 Namengeprange und wenige genau ermittelte Thatsachen.
Die bisher erschienenen Arbeiten lassen sich nach
S. und D. gruppiren:
A . in solche, deren vorzugliches Bestreben war, einen
oder mehrere der Rhabarber eigenthumliche Substanzen
herauszufinden, narnentlich den arzneilich wirksanien Stoff
in moglichst reiner und concentrirter Form darzustellen.
Diese Bemuhungen lieferten :
I ) Gemenge, die fiir das isolirte, chemisch und arzneilich wichtige I’rincip der Rliabarber angesehen wurden. Der Rhabarberstoff von T r o m m E d o r f f und das
Rhabarberbitter von P f a f f warenstoffe, die sie aus dem
abgedampften wasserigen Auszuge mit Weingeist extraliirten und als dunkelbraune Massen von widrigem Geruch
22
LudPoig,
und ekehaftan bitteren Gmchmack schilderten. Horn e m a n n mg daraus durch Aether sein Rhoumin, P e r e t t i wies darin IIarz und Fstrbstoff nach, ein Nachweis,
den B u ch n e r und II e r b e r g e r dahin vervollatiindigtan,
dass in Pfa ff's Rhabarberbitter Ham, eigentliches Rhabnrberin, Extractivstoff, Sclilciiiieucker u. 8. w. vorhanden
xien.
Diesen Analytikern folgte H e n r y , der in umgekehrter
Wcise wie jene die Rhabarber zuerat mit Weingeist auszog und das weingeistige Extract niit Wtaeser zu reiniget1 vcrsuchte j sein 80 erhaltenes Rhabarberin unterschied
sicli durch seine Schwerliielichkeit yon demjenigeen, welches' P f a f f beschrieb. Nach den Versuchen von B o r n e m a n n , B u c h n e r und H e r b e r g e r ist die Verulll-eiiiigung des Elenry'schen Rhabarberins mit Gerbakure, Harzen u. s. w. factisch.
Das Rliabarberbitter. von B u c h n e r und H e r b e r g c r 1834 dargestellt, muss jedenfalls ein Gemisch von
Hnrzen, Farbstoff und Extractivstoff gewesen sein. Das
Jlengelhafte dex friiliercn Versuche einaehend, fiihrten
C+ e i g e r und B r a n d e s Unte~suchungenaus, melolic den
k'arhstoff der R l s h r b c r nls den wesentlichen Bcstandu 1 k's Rhein, welches
tlieil Iiervorzuhebcn suchton.
S cli 1o s s b e r g e r und D iip p i n g stricte nach dessen Vorschrift eu bcreiten sucliten, erkliiren sie fur ein Gernenge
yon Farbstoff, Harzen und Extractivstoff.
2 ) Arbeiten, melchc das eigenthiimliche (chemische
und pharm&cdynamische) Princip dor Rhabarber in einer
B a s i s suchten, sind die von B i d o l f i , N a n i , C a r p e n t e r und R u n g e .
3 ) Arbeiten, die die Rbabarber voraugsweise durch
eine eigenthiimliche S u r e charakterisirt finden wollten.
Hierin sprach R u n g e das erete Wort;aber aclion Pfaff
erwies desscn Angaben 81s ungenau. Spiiter trat B r a n d e s mit seiner farbigen Rhsbarbers5,we auf.
4j Wider Andere szlcliten den wichtigsten Beatandthil der Rhabarber in ihrem Selben Pigment, so nameat-
chemische Ciitersrtchur~ye~tiibw die Rhnbnrber.
23
lich G e i g e r , der in dem Rheumin H o r n e m a n n ' B deli
dur(ch & m a F'eU oder Wachs rerunreihigten Rhahrberfarbatof€ erkahnte; aach a r a n d e s , der das Rhabarbergelb und seine Rhabdrbersaure identificirt ; sodann J o n a s . D u l k glaubt, dass dicser Farbstoff nus seinelit
Rhe'in herrorgkhe.
Y a u d i n's Rhei'n mochte wohl eiri durcli Salpetelsaure etwvas veriindertes Rhabarbergelb sein.
5 ) In den Harten suchten P e r e t t i und H e n r y das
jVesentliahe der Rhabarber.
B. A n a l y s e n d e r g n n z e n W u r z e l s u f a l l e i h r e
n I h e r e n B e a t a n d t h e i I e. (Rerzelizis Le?idnd~,9. A$.
Ha.7. p. 367; Dtilk's Plinrni. bomss. Bd. I. p . 92s.) Als
P c h l o s s b e r g e r und D i i p p i n g den Oahg des Dhlkschen Verfahrena genau befoigten, qm desaen R h h zu
gewinnen, erhielten sie dasaelbe fast ganz von d&$eben
Reschaffenheit, wie es D u l k selbst beschreibt; allein eine
dlstiindige LBsung Im Aether iind Wasfier konnten aie
an dieser Materie nicht erbngen, und schon die& Zerfallung durch Losnngemittel in zwei Parthien spricht gegen die Reinheit dereelben. Hierzu konirnt n k h , dme
die amrnoniakalische LBaung derselben anf Zuaatz! von
SBuren zum Theil gehllt wird, wahrend eln anderer
Theil niit mthbrauner Farbe gelost bleibt, sodann die
stark hygroskopische Eigenschaft dieser Qubdtdna, ihre
IJnfahigkeit zu k r y d l i s i r e n u. 6. w. Sie halten deshalb
Dulk's Rhein f6r ein (fenienge.
8 ch 1 0 6 s b e r g er und D o p p i n g befolgten nachstehende Methode aar Analyse dei Rhabarber: Pulvdrisirte
Rhabarber wird mehrmals nach einander mit 60- bis 80procentigeni Weingeist digairend auegezogen, bis der
unlosliche lluckstand nur noch schwacli gehiich gefarbt
ersubint und den eigmbhlmlichetl Geruch und Geschmack
der Rltabarbep verloren hat. I)&' Weingeistfge h s z u g
ist intensiv brauagelb gefkrbt, besitzt den eigedthiinilichen Rhabarbergeschmack in hoheni Grade, besonders
nachdeni der Weingeist davon abgedunstet ist. Der ziir
24
Ludwig,
Extractconsistem abgedampfte gelbbraune Ruckstand des
Akoholauszuges giebt an Wasser einen Theil ab, der
andere Theil, der die Eigenschaften cines Harzgemenges
vollstandiger besitzt, bleiLt ungelost.
I. U n t e r s u ch un g d i e €3 e s s o g e n a n n t e n t I a r z g e n~e n g e 8.
Es wurde irn \Yasserbade zur Trockne abgedunstet,
in der kleinstmoglichen Menge Weingeist von 80 1’roc.
gelost und die Losung so lange mit Aether versetzt, ids
ein Niederschlag entstand.
Der letztere besass eine graubraune Farbe und flockiges Ansehen; gcsammelt, niit Aether gewaeehen, erschien er gelbbraun.
Yon Xeuem mit 8CQxocentigem Jl’eingeist behandelt,
wurde ein Tlieil (q) davon aufgenommen, wahrend ein
andercr Theil @,) ungelost blieb. Der letztere Theil
war sehr wenig liislich in lieisseni Weingeist, Aether, kaltern und heisscm JVasser; leicht lijslich in Amrnoniak
und Kali niit brauner Farbe und wurde daraus durclr
Sauren in braunen Flocken gefallt. Durch Liisung in
Kalilauge, Ausfallen rnit verdiinnter Schwefelsaure u n d
Ausw~aschenmit Wasser suchte man denselben zu reiiiigcn. Sic nannten ibn A p o r e t i n (Absatz aus dcrn Hiirz
der Hhabarber).
Das A p o r e t i n erscheint getrocknet schwarz, glanzend, ist leicht pulverisirbar. Beirn Erhitzen auf Platinblech zersetzt es sich o h e zu schrnelzen. Auffallend bci
den1 Aporetin ist seine fast vollige Unlijsliclikeit in Weingeist, nachdem es sich einmal ausgescliieden hat, ~ $ 1 1 rend es doch friiher, vor seiner Fiillung durch Aether,
j m Weingeist gelijst war.
O,431 Grm. bei 1000C. getrocknetes Aporetin mit chomsaurern Bleiouyd verbrannt,
lieferten 0,923 Grin. Kohlenshre und 0,167 Grni. Wasser, welche Zahlen zii der procentischen Zusainrnensetzung
f’iiliren :
c = 58,89, €1 == 4,35, 0 = 36,7ti Proc.
’
,
cheniische C'~~te~sucliiinqen
iiber die Khubarbei*.
25
Der vom Aporetin durch Weingeist getrennte Theil a
des durch Aether erzielten Niederschlages, gab getrokknet und zerrieben ein gelbbraunes Pulver, welches S chlossb e r g e r und Do p p i n g Phiioretin\ (Brannharz der Rhabarber) ncnnen. Dasselbe ist ausserst schwer loslich in
Wasser und Aether, leicht loslich in Weingeist und Alkalien, aus letzterer Losung mit gelber Parbe fallbar durch
Xineralsauren, in Essigsaure mit gelber Farbe loslich.
Seine Verbindungen mit Alkalien sind intensiv rothbraun. Auf Platinblech erhitzt, schmilzt es unter Entwickelung gelber Diimpfe und unter Verbreitung eines
Rchwach rhabarbertihnlichen Geruchs; es lasst nur Spuren
von Asche zuruck. Die gelben Dnmpfe beim 'Erhitzen
schienen einen Gehalt von der spater zu beschreibenden
Chrysophansaure snzudcuten, allein alle Versuche, solche
abzuscheiden, hatten keinen Erfolg. (Es ist nicht gesagt,
welche Versnche hierbei angeatellt wurden.) Der Geschmack des Phaoretins zeigt keine Aehnlichkeit mit
dem der Rhabarber. I n concentrirter Schwefelsaure loat
es aich auf und wird daraus durch Wasser wieder in
gelben Flocken gefallt.
I. 0,388 Grm. bei 1000 C. getrocknetes Phaoretin,
mit Kupferoxyd verbrannt, lieferten 0,824 Kohlenskire
und 0,173 Wnsser. Da die Verbrennung mit Kupferoxyd nur sehr schwierig von Statten ging, wurden die
zwei folgenden Verbrennungen rnit chromsaurem Bleioxyd
vorgenommen.
1 1 . 0 , 3 7 3 ~ r mSubstanz
.
gaben 0,812 CO2 und 0,173 HO
111. 0,308
P
, 0,669 , , 0,143
Darrrus berechnen sich folgende Yrocente :
1.
11.
111.
c = 58,40
H = 4,97
59,86
0 = 36,63
31,99
59,73
3,15
35,12
100,00
100,00.
-100,oo
5,15
Aus der Ammoniakverbindung des Phloretins wurde
fnittelst essigsauren Bleioxyds eine Bleiverbindung des
Ludwig,
26
Phbretin6 dargestellt. Der violettrothe Niederschlag scliieii
sich beiin Auewawhen mi.C 14-asser beet&udig au veriindern. k
f t,&PC. getrooknet lieferten I. 0,985 deeselben 0,861 PbO,SU3.
11. 0,8225 &xn. gaben O,Gti(,S CO? und 0,123 Wasser
In. O , G ~ G G
0,591 ,
fl
0,97
,
Die procentidle Zusutnmenaetmng d.es PhiMreSinBleioxyds ist sonach :
~
c
I.
= 20,22
H = 1,6G
0 = 13,N
P b O = G4,53
100,oo
11.
20,57 Proc.
1,54
33,3r;
M,53
___
"
100,oo
Diese Bleioxydverbindung ist als cine nicht stiichionietriscli zusamniengesetzte anausehen. Fur das Phiioretin
selbst stellen S c h l o s s b e r g c r und D o p p i n g die Forniel C I 6 H 9 0 ; auf, w e l c h verlangt C = GO,27, Ii = 4,95
und 0 = M,46 Proc.
JVird die iitherisch.-nlkoholisclre Lijsung des Barzcs,
ails welchcr Aporctin und Phiiorctin ausgescliieden sind,
von Aetherdkohol bofrcit, der RuckRtand getrocknet, zerrieben, in der kleinstmoglichen Mengo Weingeist gelost
nnd die Liisung iiiit Acthcr versetzt, so lange als ctwas
daraus niderEillt, so sckeidet sich nocli eine gewisse
Menge eines deni Phaorctin gleichen IIarzes nb.
Die alkoliolisch - Btlierisclie Liisung abgedampft, der
getroclanete, Riickstand geriebon und n i t Aether behandelt, gab cine intensiv rothgelb gefarbte Losung utld eirien
kornigen schwarzbraunen Riickstand, der n i t oiner geririgen RZengc Alkohol vermisclit einen gelbeti Korper
fallen liess, wihtend Phloretin in Losung ging.
Yon der idtensiv rothgelb gefarbten atlierisclien I&
sung wurde dkr ,4cther durcli Destillation theilweise
entfernt und der Ruckstand in einer gut verdeckten Poruellarischale det Ruhe uberlassen. Sclion wiihrend des
Abdestillirem des Aethers hatten sich an den Wanden
cheniischs Chte~.siichungeniibev die Khabarber.
27
der Retorte schon gelbe krysbllinische Kiirner abgesetzt
und nach einigen Tagen war beinahe die ganze Masse
in der Schale zu einem krystalliniachen Brei erstarr t.
Zusatz von ein wenig Aether liess die Krystalle von ihrer
MutterIauge durch Filtration befreien j sie wurden ofters
mit Aether geweaohen, in welohem sie im isohtan harzfmien Zustaade nur in g e r i n p n Mengea lthlich wQen.
Das atlierische Filtrat setzte in der Ruhe w i d e r ehige
Krystalle ab. Die Matterlauge, welche nichts Kryshllinisches mehr geben wollte, hinterliese cizlgetrockaet ein
Harz, das den Namen E r y t h r o r e t in (rothwerdendes
Harz der Rhabarber) bekani.
Das E r y t h r o r e t i n ist amorph, zerrieben stellt es
ein gelbes Pulver dar. Sein Qeschmack ist sehr unbedeutend. Auf Platiablech erhitet, schmilzt es, stosst gelbe
Diimpfe aus, giebt eehr schwer oerbrennliche Kohle, die
fast keine Asche hinterlAsst.
In W'trsser lost eB sich wie das Phaoretin in sehr
kleinen hlengen und f h b t dasselbe schwach gelb. In
heissem Wasser erweicht es. Leichtloslich in Weingeist.
Getrocknet lijst es sich ziemlich schwierig i n Aether und
Essigsaure. Es lost sich nicht in Salzsaure und verdhnt-er Schwefelshure. In kalter cooceatrirter Schwefelskure l&t es sioh tuit ges%ttigt braunrothes Farbe und wird
beim Verdiinnen tnit JV'as9sr in gelben Flocken g d d l t .
Mit khblauge und Ammoniakfliissigkeit giebt es pSeafitvoll purpurrothe Losungen ; Sguren fdllen d ~ w gelbe
s
Flocken, die sich bald ausclmmenbollen, Bleimaker fiillt
aua der amrnoniakalischen Losung violewobhes Erythroretin-Bleioxyd, das sich beim Auswaacben an der Luft
veriindsrt.
Bei der Elementoranelgee gsben :
I. 0,3846 Grm. b
i 10oOC. getrocknete Substam 0,882
GO2 und 0,187 HO.
II. 0,850 Grm. bei 100OC. getncknete 3ubstane 0,4301
c o 2 U d 0,181 €10.
Daraua folgea die Procente:
Ludrciy,
28
c
z=
I.
11.
63,08
62,94
5,72
31,34
H = 5,46
0 = 31,46
100,ou 100,00.
Die bei IOOOC. getrocknete Bleivcrbindung gab :
1. aus 1,392 Grm. 0,966 Grm. CO2 und 0,195 O m . HO.
u.
,
111. ,
1,578
1,42
,,
co2 , 0,161
, PbO, SO3.
0,813
1,341
,,
Oder in Procenten:
1.
11.
C = 16,fi-i
H = 1,37
0 = l2,51’
PbO =
16,87
1,34
145%
69,2i
ti9,27
100,@0
100,oo
Die Formel 4 PbO, ClYH*Olo vcrlangt:
C = 16,9i
H = 1,24
= 12,4:1
l’bO = (;9,35
(,I
-__
100,00.
Der gelbe krystallinische Kiirper, der sich aus der
atherischen Losung des Harzes zu miederholten hlalen
abgeschieden hatte, ist yon friihercn Chemikcrn schon als
R h e i n , It h e u m i n, Rh a b a r b e r g e 1b , Ii, h a b a r b e r s a u r e etc. beschrieben wordcn. Er besass in ganz rcinem
Zustande folgende Eigenschaften :
Meist in kijrnigen Zusaminenhgufungen sich ausscheidende, schwierig kryhllisirendv, schon - und reingelbe
Substanz, geschmacklos, ohnc Geruch, im Aether selbst
beim Kochen nicht leichtloslich, abgleich ihn stark firbend, in kaltem Wasser fast unloslich, etwas loslicher in
kochendem Wasser, wobei nuch dieses hochgclb gefarbt
wird ; ziernlich loslich in 80procentigem Weingeist ; sehr
schwer loslich in Essigsaure und in verdiinnter Mineralsanre; aufloslich in concentrirter Schwefelsiiure mit prachtig
ciieniische Ihteysuclivugeu iibzr d i z 12habadw.
23
rother Farbe, Wasser fallt daraus gelbe Flocken. Alkalien losen ihn leicht mit der Farbe der schijnsten rothen
Tinte und mit solcher Intensitiit, dass dieser Farbstoff
eines der empfindlichsten lteagentien auf Allcalien ist.
Concentrirte Salpetersaure nimmt ihn mit gelber Farbe
auf; beim Erhitzen verhdert sie ihn zum Theil, was sich
durch die veranderte Farbe beim Uebersattigen rnit Ammoniak kund giebt. Zucker steigert -das Auflosungsvermogen
des Wassers fur diesen FarbstofT durchaus nicht (iru
Widersprueh mit der Beliauptung von J o n a s ) . Wird
die Verbindung des gelben Stoffs mit Kalilauge zur Trockne
verdnnstet, so geht die rotlie Farbe durch Violett in
schones Blau uber, es schcidet sich eine blaue Verbindung ans, die auf Wasserzusatz ihre friiier rothe Farbe
wieder gewinnt. Auf Platinblech erhitzt verdampft die
Substanz grossentheils in gelben Diimpfen, die sich an
kalten Gegenstiinden zuLn Theil als gelber Anflug festsetzen; cin Theil des Korpers wird hierbei immer verkohlt. Eine alkoholische Liisung des Farbstoffs mit weingeistigem Bleiessig vermischt, setzt ein weisses Pulver
ab, welclies beim Koclien rnit n'asser verschwindet, wahrend
sich einc carminrothe Gallerte abscheidet.
1. 0,267 Grm. des bei 10oOC. getrockneten gelben kiystallinischen Rorpers gaben 0,667 C h i . CO' und
O , I O ~ Grm. 110.
11. 0,320 Gnu. desselben lieferten 0,130 HO = 4,51 Proc.
IVasserstoff.
Aus der ersten Analyse ergeben sich:
C === 68,69, 11 = 4,24 und 0 = 27,07 Proc.
Diese Zusarnmensetzung und alle Reactionen dieses
Rhabarbergelbs zeigen merkwiirdiger Weise die grosste
IJebereinstimmung rnit denen eines Korpers, den Roch I e d e r und H e 1d t (Ann.der Client. u. Pliawi. Bd. 48. S. 13;
O c t . 1843) in der gelben Wandflechte (Pamielin pdrietina
Spr.) entdeckten und wegen seiner schwach sauren Eigenschaft und seiner goldgelben Farbe C h r y s o p h a n s I u r e
Ludwig,
30
genannt hsben. R o cbl ed e r und H e I d t fanden in diesem
gelbea Farbstoffe der Pavme6ia porietina :
c = C8,45 68,M P~oc.
H = 4,56
439
0 = 26,99
26,76
100,oo
100,oo
Sie stellten dafiir die Formel C10H4 0 3 (oder CzoHeO6)
auf; d. i. Naphthalin
Sauerstoff.
+
Die von B r a n d e a und L e b e r gefundenen Zahlen
fiir ilire Rhabarbersiiure, die der Schilderung nach mit
der Chrysophansaure identisch scheint, sind sicber nicht
der richtige Ausdruck fur die Elementarzusamrnensetaung
dieses Korpers, da so kohlenstoffrsiche Substanzen mit
Kupferosyd (welcl-ics B r a n d e s und L e b e r bennteten)
erhitzt, nicht vollstiindig verbrennen
Versuche Schl o s s b e r g e r 's und Dii pp i ng's , die
ChrysopL&siiure aus der Rhabarber durch Verkohlung
der letzteren mit concentrirter Schwefelsaure, oder durch
trockne Destillation der Rbabsrber, oder durch unmittelbare Extraction derselben niit Aether zu gewinnen, gaben
ungenugende Resultate.
11. U n t e r s u c h u n g d e s v o m W a s s e r g e l o s t e n T h e i les d e s w e i n g e i s t e n R h a b n r b e r e x t r a c t s .
Diese wjisserige Liisung stellte eine klare brhnlichrothe Flussigkeit dar, die im hohen Grade den nauseosbitteren Geschmack und Geruch der Rhabarber besass.
Mit einern Ueberschuss von Glaubersalz behandelt schied
sich aus ihr noch cine reichliche Menge von IIarz aus,
welches drirch Vermittelung anderer Materien (welcher';)
in Wasser gekst war. Eine vollstiindige Abscheidvng
des Harees war so nicht zu erzielen; durch einen Zusatz
von Sehwefelsiiure (wohl verdiinnter) liess sich immer
noeh ein floekiger Absatz an Harz in der %Ihigkeit
bewirken. Dm so abgeschiedene IIarz unterschied sich
nach seiner Trennung von Glaubersalz in nichts von dem
chemische ITnteisuchungen iiber die F h b a r b e r .
31
Phiioretin, ausser etwa durch einen Riickbalt von Cbrysophawiiure snd q t w m Erythmretin.
In der mit Glwbersalz larrgs geschuttelten Flutwigkeit gtib Eisewhlorid einen bedeutenden ecbwamen Niederschlag, der, &I e r auch naeh Uigeetion mit thierischer
Haut, welche I&~I Gerbstoff ahchisd, sicrh oocb zsigte,
die Anwesenheit von Gallusslure nebsn ff orhiiitre erwies.
abgeschiedene Hars wd dns GlauberNachdtm
salz durch Filtmtinn entfernt worden warm, wwde die
Fliissjgkeit wit getmnntrr Bitterer& d i g e d t , dies Gernenge zur 'hockne verdampft und der Ruckstand mit
staskmi Weingeist behandelt. Der Ausaug ersohien mth
gefarbt, war frei von Gerbsiiurs und Gallussanre und
hinterlieas beip Abdunsten eine rothbraune gelinde bitter,
aber nicht nach Khabarber schrncckende Extractmame,
die sich mit grosser Leichtigkeit und vollstandig in Wasser
liiste und aue der Loeung eines Kupferoxydblsrl~ee, nach
Zuefitz von Kali, bis der anfangs entetandene Niederschlag
wieder aufgelost war, schon in der Kalte Kupf'eroFydul,
erkennbar durch die rotbe Varbe, in Nenge ausschied.
Diqe Reaction lieea die Cfegenwwt von Zucker mit sieniliqber Sicborheit vorausuehen. Zur Bestiitigung &ieser
V ~ r m ~ t h \ i nwurde
g
ein Thsil des Extracks in Wamer
gslost usd mit Hefe gemischt; alsbald begam eine lebhsfk Gahrung und es entaiokekte sioh Kohleaeiiuregaa in
reichlicher Nepge.
Fett vnd Wwchs konntea S c h l o s s b e r g e r und Dopp i n g in dsr Rksbflrber nicht finden, weder in moekowitigoher, poch in chinesisiches.
Hingegen fanden sie Stlrkemehl und Pectin in reiehlicber Menge.
Dwroh R c h d l n n g dar &habarber niit vediinnter
Salmiiuw, uad Nqutraliaira d m Ausaugs mit Ammoniak,
erhielten sk eipan reiahlichen ~iederschlag,der nseh dem
Sammeln und Auswascben mit Schwefsls&ure d i p r i r t
wurde. Das E'iltrat aiib Arnmoniak neuhalisirt gab eine
reichliehe Merage von Gyp0 md etwas oxalsauren Kalk;
Liiduig,
32
abermals filtrirt init schwefelsaurer Talkerde reichliche
F'iillung. Aepfelslure konnten sie weder in der salzsauren
Losung, aus welcher durch Aminoniak der osalsaure Kalk
abgeschieden war, noch in den Niederschliigen entdecken ;
auch in den wgsserigen Ausziigen der Rliabarber fanden
sie sie nicht, so dass die Existenz dieser Siiure in der
Rhabarber eine fragliche bleibt.
Ileiin Einiischern giebt die Rhabarber eine sehr bedeutende Quantitat Asche, ron der init Wasser nur ein
kleiner Thai1 geliist wird. Die Losung enthielt Kali und
etw'as Natron. Der in Wasser iinlijsliche Theil liiste sicli
mit Iliuterlassung von wenig Kieselerde i n verdunntcr
Salzsaure unter Aufbrauscn. Die Liisung eiithielt Spuren
von Eisenoxyd, phosphorsaurem Kalk und Tnlkerde. \.'on
nnorganisclien Sauren fanden sich in dcr Asche SOS, EICI,
PO5 und CO?.
Kupferoxyd, wclches B u ch n e r darin gefunden haben
will, gelang es S c h l o s s b e r g e r und D i i p p i n g niclrt
aiifzuspiiren.
iVas die Hedeutung der einzelnen Bestnndtheile uer
Rhabarber fur Physiologie und praktische Iledicin anbetrifc, scheint somit entschieden, dass die C'hrysophansiiure
und das Erythroretin unxersetzt dnrch das B1utgef.ds.qsystem pnssiren, indeni der 1ihabarberfarhstotY in dem
lTrin von Kranken, die Rhabarher eingenommen, entschieden nachgewiesen worden ist. T i c d e m a n n und G rn e l i n
haben ihn auch in dein Blutserum von Thieren, denen
Rhabarber eingegeben worden war, entdeckt ; andere weniger zuverliissige Heobachter wollen ihn in der Milch und
im Schweisse gefunden Iisben.
S ch 1o s s h e r g e r und L> ii p p in g fassen die Resultate
ihrer Untersuchungen in folgenden SchlusssKtzen zusammen:
1 . Die Rliabarber scheint ihrer chcniischen und inedicnmentiisen Natur nach wesentlich ein Gemenge von IIarzen,
Extractivstoff und Chrysophanshwe.
2. Die Chrysopliansiiure der Parmelia pavietirm ist
identisch mit der reinen gelhen krystallinischen Substanz
,
cheniische Cntersuchungen iibev die Rliabavber.
33
der Rhabarber. Dae Rhei'n oder Rhabarhrin von G e i g e r ,
die Rhabarberklure von B r a n d es, das Rhabarbergelb
von J on a s etc. waren nur unreine Chqsophansiiure.
3. Harze gehtjren zu den hauptsachlichsten Bestandtheilen der Rhabarber, obgleich sie von D u 1k rein gelaugnet
worden sind; sie sind durch Vermittelung anderer Stoffe
(des sogenannten Extractivstoffs u. s. w.) zum Theile irn
Wasser lijslich. Die drei hauptsachlich zu unterscheidenden Harze der Rhabarber sind: Aporetin, Phloretin und
Erythroretin ; die weizersteren scheinen isomer zu sein,
alle drei unterscheiden sich hauptsachlich durch ihre Loslichkeitsverhtiltnisse von einander.
4. Es scheinen Geschniack, Oeruch, Verhalten zu
chemischen Agentien und die Heilkraft wesentlich von dem
Zusainmenwirken der Harze, dcs Farbstoffe, der extractiven
Materien, vielleicht auch in untergeordneten Graden von
der Gerb- und Gallussiiure, den1 Zucker, Pectin und den
reichlichen Kalksalzen bedingt z i i werden ( S c h l o s s b e r g e r
und U o p p i n g 1814).
R o chl e d e r ernpfiehlt W e n . Akadern. Berichte, 17.
169; Jown. ftir pr. C7aent. 66. 246; P?iami. Centr. 1855.
763; Liebig-Kopp's Jahvesb. f . 1855. S. 493) zur Darstellung der Chrysophansaure folgendd Verfahren : Parmeliu pal-ietino oder gepulverte Khabarber wird mit sehr
schwacheni, mit etwvns Aetzkalilosutlg versetzten Weingeist ausgezogen, die Fltissigkeit durch Leinen geseiht,
der Ruckstand ausgepresst, in die filtrirte Flussigkeit
Kohlensaure geleitet, dcr Niederschlag abfiltrirt und in
<-)Oprocentigern, mit etwas Kalihydrat versetzten Weingeist gelost ; die vain ungelost gebliebenen Antheil abfiltrirte Fliissigkeit wird durch etwas Essigsiiure gefillt, der
Niederschlag in siedendem Weingeist gelost und das heisse
Filtrat mit Wasser vermischt, wo sich rein gelbe Flocken
von Chrysophansaure abschieden, die durch Umkrystallisiren ails Weingeist ganz rein erhalten werden.
G a r o t (Journ. de Pharm. et de Chinz. 3. Sir. T.XVII.
11. 20; daraiis im G e m . pharm. C'entvalhlatt, 1850. S. 257Arch d. Pbarrn. C L X V I I I . Bds. 1.u.2. HR.
:3
34
Lztdtcig,
261 itnd in Liebiy-Kopl,’s Ja1tr.b. fuv 1850. S. 532) bereitet
atis der Rfiabarber diirch Einwirkung von 4 Th. Sdpeterszure ein rotlies Farbematerial, das er E r y t h r o s e nennt.
Franztisische Rhabarber gab von diesem Qenienge 8,s bis
10, exotische Rhabarber 15 bie 20 Prod. I n einem Glasgefrime von 250 Grm. Inhalt wurden 1 0 Grm. Rhabarberpulver mit 40 Grin. Salpetersliure iibergossen und bei 1 5200 C. zwei Tage stehen gelassen. Die chinesische und
russische Rhabarber waren nlsdann in einen consistenten
orangefarbenen Brei verwandelt, framosisclie Rhabarber
bildete eine gelbe Masse, die auf der Oberflache der Fliissigkeit scliwanini. ’ Diese Massen wurden mit Wasscr
gewrischen und liessen getrocknet chromgelbe bis dnnkelornngefarbene, geschmacklose Pulver, die sogenannte Erythrow. Am inoisten von diesem fKrbenden Material lieferte
chinesische Rhabarber.
Alknliol und Aether ziehen aus der sogenannten Erythrosc eine Substanz ans, welche mit G e i g e r ’ s und
I3r a n (1 e s ’ Rhabarbersiiurc identisch sei. Wit Alkalien
giebt die Erytlirose rothe Liisungen, wclche sehr intensiv farbend auf Seide, IYolle, I3auniwolle und Leinen wii ken.
Die ( 4 a r o t ’schen Angaben tragen, wie man sieht, nichts
ziir genaiieren chenii2chen Kenntniss der Rhabarber selbst
bei, haben rielniehr nur technische Hedeutung f u r die
F”ni.lierei.
31 e u r i n , Apotheker i n Lille, fknd, dass hauptsiichlich
die in Wasser und JVeingeist liislichen dubstanzen der
Kliaharber bei Behandlung mit Salpetersaure Erythrose
bilden, die mit jenen Liisungsmitteln erschiipfte Wurzel
hiilgegen nur sehr wenig (Joicm. d e Pharni. et de Chim.
7‘. ST’III IJ.179; dutazcs i n i chenz. Centwlbl. 1850. 7.55‘:
Liebig-Kopp’s Jnhresb. f i i r 1850. 532.)
W a r r e n d e la R u e und I 1 u g o M h l l e r (“/tent.
Sot,. ($1. J. X.298; I’hay))i. J. Tr<t713.AYJ’II. 572; Joto*)t.
ju?*
i J ? ’ O l i t . C‘heln. 73. 433; Kopp - Ivill’s Jahresber. ftir 1857.
S. 516‘) untersuchten einen bci Iangerem Stehen von Rhabarbertinctur ausgeschiedenen Biedersehlag und fanden darin
Clirysophansaure, Erythroretin, Phiioretin und Aporetin.
cheniische Untersziclrungen iiber die RhabaTbey.
35
Fiir die Daretellung der Chrysophansaure aus Rhabarber selbet fanden sie es vortheilhaft, zerkleinerte, mit
Wasser inacerirte und tvieder getrocknete U'urzeln mit
Benzol (oder leichter fluchtigem Steinkohlentheerol) au&
zuziehen, den grossten Theil des Benzols abzudestilliren,
den beirn Erkalten faat erstarrenden Ruckstand auszupressen und durch wiederholtes Loeen in heissem Benzol (wo eine rothlichgelbe Substanz ungelost bleibt, von
welcher sich eine weitere Menge bei beginnender Abkuhlung der Losung abscheidet) und zuletzt durch Umkrystallisiren aus Eisessig, Amylalkohol oder gewohnlichem
Alkohol die Chrysophansaure rein zii gewinnen. Auch
die fdr die gewohnliche Darstellung von Rhabarbertinctur
bereite angewandte Wurzel giebt bei Behandlung mit
Benzol noch beachtenewerthe Mengen von Chryaophansaure.
Aus ihrer Losung in Benzol krystallisirt die Chrysoplansaure in blassgelben bis orangefarbenen secbsseitigen Tafeln, (mbnoklinometrischen Prismen), aus der L6sung
.in Eisessig, Fuse181 oder Alliohol in rnoosartigen Aggregaten blatteriger Krystalle. Sie lost sich in 1125 Th.
86procentigen Weingeistes bei 3OOC., in 224 Th. desselben Weingeistes bei Siedehitze. Sie schmilzt l e i 16flc.
ohne Zersctzung und erstarrt krystallinisch. Die Elementaranalyse derselben ergab 68,76 Proc. C, 4,25 Proc. H
und 26,99 Proc. 0. Wird die purpurrothe Losung der
Chrysophansaure in rniissig concentrirter Kalilmge zusammen init dem darin allmiilig sich bildenden flockigcn
Niederschlage bei Ueberschuss an Kali mit Traubenzucker
versetzt und in eincm verschlossenen Gefasse stehcn gelassen, so geht die Farbung der Flussigkeit in Briunlichgelb iiber und der Niederschlag verschwindet. Bei Zutritt der Luft treten die urspriingliche Farbung und der
Niederschlag wieder auf.
Kalihydrat wirkt bei seinem Schmelzpuncte auf Chrysophansaure zuerst nicht ein, aber bei liingerem und
3*
Yti
Ludwig,
stiirkerem Erditzen tritt Blauung und Zersetzung ein,
wohei sich der Qeruch nach Caprylalkohol entwickelt.
E m o d i n . So benennen IV.d e l a R u e und RIiiller
die orangerothe Substanz, welche Renzol zugleich niit
Chrjrsophnnsaure aus der Rhabarber auszieht. Durch
Umkrystnllisiren ans Alkohol oder heissem Essig wird
dns Emodin gereinigt.
1%krystallirt in langen, sproden, tief orangefarbenen
bis rothen concentrisch gruppirten monoklinoxnetrischen
Prisnien, die erst iiber 2600 schmelzen und sich dabci
in kleinen Mengen unzersetzt verfliichtigen. Es verhiilt
aich der Chrysoplians5ure iihnlich, ist aber schwerer 16slich in1 Benzol, leichter loslich im Alkohol, Fuselol und
Eisessig. Die Analyse desselben fuhrte zu der empirischen
Forniel C40 € 1 1 5 0 13. (Chrysophansiiurc == C20 €18 0 6 verdoppelt = CJo Hi6 0 1 2 . )
A p o T e t i n , Init coiicentrirter Salpetersliure behnndelt, giebt unter Entwickclung salpetriger Dampfe eine
rothbraune Losung, die anhaltend gekocht eine gelbc
Substanz ausscheidet, von welcher bcim hbkiililen u n d
nacli Wasserzusatz noch mehr erhalten wird. In Losung
bleibt Oxalsaure und eine mit Alkalien ‘briiunlich- rotlie
E’iirbung gebeiide %are (aber weder I’ikrinsiiure, noch
Styphninsaure). Jene gelbe Substanz ist nach H. RI ii 1 l e r
und \V a r r e ti d e 1 a R 11e wahrscheinlich identisch niit
Chrysamminsaure = CIa t I ~ ( N O ~ 0
j 2.1, verhiilt sicli wenigstens gegen Aminoniak und Sch~~efelammonium~ioiiiuin
mie
diese aus der Aloa durch Salpetersaure gebildete Siiurc.
(Schwefelammonium firbt sie violett, beiin Erwiirnicn indigblau. Schweflige Siiure durch die amtnoniakalische Iiisung
geleitet, farbt sie zuerst violett, dann braun.)
T h a n n (FVien. .4kad. Bsr. 31. 26; Ann. Chem. Pliam.
107. 324; Chem. Ceiltialbl. 1858. 795; J . pr. Chem. 7 5 247;
Kopp - Will’s .Jalrresbw. f i i r 1858. S. 532) farid Chrysophansaure in der Rcrdis laputhi acuti der Officinen (der
Wurzel von Rttanex obtusifolilis). Schon B u ch n e r und
H a r b e r g e r ( R e p e l t der I’havm. 38. 337) hatten deli
chemische Untersuchungen uber die Rhabarber.
37
gelben Farbstoff dieser Wurzel in sehr unreinem Zustande
dargeetellt und L a p a t h i n genmnt j spater schied ihn
G e i g e r in reinem Zustande aue den Wurzeln von Rumex
Putientia und R. obtu&folizis und benannte ihn Rumicin.
(Ann. Cilem. Pharm. IX. 304.)
G e i g e r machte bereits auf die nahe Verwandtschaft
oder wahrscheinliche Identitat des Rumicins init seinem
Rhabarberin aufmerksam, welches letztere spater d c h l o s sb e r g e r und D o p p i n g a19 Chrysophansiiure erkannten.
Zur Darstellung der Chrysophansaure befolgte T h a n n
eine von R i e g e 1 empfohlene Methode (Jahrb.fiirprakt.
Pliarm. I V . 72. 129). Aus dem atheriscben Auszuge
der Wurzeln (also hier R a d . rumicis obtwijol.) wurdc
der Aether bie auf einen geringen Ruckstand abdestillirt,
die beim Erkalten des letzteren sich abscheidende dunkelgelbbraune hlasse abfiltrirt, mit wenig Aether abgespiilt,
zwischen Fliesspapier getrocknet, mit 90procentigem Weingeist ausgekocht, die beim Erkalten des Filtrate sich
ausecheidende schmutzig-grune kornige Masse wiederholt
in Alkohol gelost und mit Wasser gefallt. Die dunkelgelben Flocken wurden cur letzten Reinigung (nach dem
Verfahren von R och 1e d e r und H e I d t) mit einer Mischung
von Ammoniak und schwachern Weingeist behandelt, die
filtrirte Loeung mit Wasser verdunnt und mit Essigstiure
neutralisirt, der gelbe Niederschlag mit Wasser gewaschen
und mit ihni dieeelbe Operation miederhoJt, dar zuletzt
erhaltene Niederschlag gctrocknet, d a m aus Alkohol, ZUletzt aus Aether durch langsame Verdunstung krystallisirt. Die Reactionen des Rumicins stimmen mit denen
der Chrysophansiiure gana iiberein. Es bildet eine hellgoldbraune nietallisch gliinzende krystallinische Masse.
T h a n n zieht die von G e r h a r d t (TraitLdechim.org. III.
788.) fur die Chrysophanaaure aufgestellte Formel Cz8HloO8
der von Rochl e d e r und H e l d t aufgestellten und von
S ch 1 o s s b e r g e r und D o p p i n g adoptirten Formel
CzoH*O6 vor.
R o c h l e d e ~theilt Versnche mit (Wien. Aka& Ber.
Ludwig,
38
44. 493; J . p . Chem. 84. 436; Cheni. Centralbl. 1862. 6 ;
Kopp Will’s Jahresbm. fiir 1861. S. 391 ), welche von
Pi lz uber die Zusammensetzung der Chrysopliansaure
ausgefuhrt worden sind. Zur Reinigung dieser Saure
wurde ilire weingeistige Losung niit etwas essigeaurem
13leioxyd versetzt, vou dem entstandenen dunkeln Kiederschlage abfiltrirt, das Filtrat durcli Schwcfelsaure von
Blei befreit, aus der Flussigkeit durch Wasser die Chrysopliansaure gefdlt und diese aus Alkohol uinkrystallisirt ;
die Analyse dieser gereinigten ChrysophansPure von
I’ilz fiihrte zu der Forinel C?OHSOG. Das ilnhyclrid
cler Clirysophansiiure = ( O H 7 0 5 , CZoH7 0 5 . )
H. (3. r o t h e (Poggend L4ri~ial.113. 190; Kopp - V‘ill’s
J&*esb. fiir 1861. S. 707.) beobachtete bei der Darstellung von Chrysophansaure aus den Wurzeln von IZileuni
p3iw)iidale nach dcm Verfahren von Sch 10s 8 b c r g e r
und D iipp in g, dass das von .Erythroretin, Phaoretin und
Gerbstoff befreite Extract nach dem Verdunsten des
Alkoliols und Aether8 bei langereni Stelien sechsseitige
Saulen von Chrysophansiiure absetzte. Die klaren Krystdie verwitterten an dcr Luft zu einem gelben Pulver,
schniolzen bei 1560 C., waren iru Wasser unliislicli, aber
liislich iiii warmen Weingeist. Auch in R?/niecP:rtiewtiu,
R.pulustris, R. acuttts, I?. nyunticus und 12. hydvolapat h m ~ist nsch G r o t h e Chrysophansaure enthalten ; den
Furbstoff von Polygouzo~~
fugopy~iini lialt er der Chrysophansiiure verwandt.
Ueber, die chemischen Untersuchungen der ltliabarber ist noch nachzulesen der von ?l.’eppcn bearbcitete
Artikel R h a b a r b e r in Liebig- Poggendorff - FYohler’s
Handworterbuch der Chemie, 6. Band (1854) S. 813-827.
Ueber a n g e p i n s e l t e Rhabarber, UIU schleclitcr
Waare das Ansehcn van Schter Kronrhabarber zu gehen,
siehe Canststt’e Jallresbericht fur 1861, S. 27. Auch iuir
iet im Herbst 1863 solche Wnare bei einer Revision vorgekoriirnen (L u d w i g j .
Prof. S ch r o f f iat bei Untersuchungen uber das wirk-
-
cllemisclie Untevsuchigew Uber die Rhabarbev.
39
same Princip der Rhabarber zu dem Schluss gelangt, daes
die Chrysophaneaure der abfuhrende Bestandtheil derselben
sei. ( Wi8n.FVocheilbl.; daraus ini dvchiu det. Pllarnt. 1857.
Bd. 91. S. 233.)
Fassen wir mum Schluss zusammen, w w uber die
chemische Zusanimensetzung der Rhabarber (der chinesischen und moskowitiechen) sicher festgestellt ist, so
enthltlt dieselbe :
1) einen kryetallisirbaren gelben Farbotoff, die Chrysophansiiure = C?OHsO6 oder C4O€I16Ol?. Diese $Lure
entdeckten R o c h l e d e r und I I e l d t in der Parmelia
pqrietiim und S c h l o s s b e r g e r und D o p p i n g erkannten ihre (;legenwart in der Rhabarber.
Yie zeigten,
dass die fruher aus derselben abgeschiedenen und nur
qualitativ untersuchten gelben yarbstoffe, so nanientlich
das Rhabarberio von N.E. H e n r y , Hornemann'o Rheuruin, G e i g e r '4 Rhabarbergelb und B r a n d e 5' Rhabarbersaure, unreine Chrysophansaure gewesen sind. Die
Chrysophansaure ist geruchlos und geschmackloa, sie riithet sich durch Alkalien.
2) ein gelbes amorphes Harz, das Erythroretin, in
Alkalien niit' purpurrother Farbe loslich. Ohne Geruch.
Sein Geschmack ist nur unbedeutend. Formel CleH*Olo.
Erythroretin und Chrysophansaure losen sich in Weingebt und in Aether.
3) ein gelbbraunes Harz, das Phaoretin, leicht lbslich in Weingeist, b u m lbslich in Aether, mit rothbrauner Farbe in Alkalien loslich. Der Geschniack des Phaoretins zeigt keine Aehnlichkeit niit dem der Rhabarber.
Geruchlos. Formel Cl6HEO7.
4) ein schwarzbraunes Harp, das Aporetin, schwer
liislioh in il'eingeist, unloslicb in Aether, mit dunkelbrauner Farbe in Alkaliep loslich. Ohne Geruch und Gesclmack. Hat die gleiche procentisohe ZusaIumensetzung
wie da,a Phaoretin.
Augallend erscheint w, d4w S c h l o s s b e r g e r upd
D ii p p i n g , welche diese drei amorphen Rhabarberbarec
40
Ludwiy,
darstcllten, benannten und der Elementaranalyse unterwarfen, nicht versucht haben, sie durch chemische Mittel, wie Bleisalze etc., weiter zu zerlegen. Sie begniigten
sich, das wcingeistige lthabarberextract mil Wasser auszuzielien und das dabei unloslich Bleibende durch Bebandlung mit Weingeist und Aether zu zerlegen. Ich
vermiithe, dass diese Harze, namentlich Aporetin uncl
Phaoretin, noch Gerbsaure in Verbindung mit dem noch
heute nicht isolirten Rittersoffe der Rhabarber enthalten.
Es liiitte die Beobachtung yon B r a n d e s , dass bei richtiger Behandlung man alles sogenannte Rhabarbcrharz
vollstandig in Wasser lijsen konne, oder mit andern Worten, class die Rhabarber keine iichten JIarze enthalte, die
Herren S c h l o s s b e r g o r und D i i p p i n g etwas vorsichtiger mit ihrer Aufstellung jener drei H a n e mschen sollen.
5) ein rothes krystallinisches Harz, das Emodin =
CQOH15013, loslich in I3enzo1, entdeckten W a r r e n d e l a
line und H u g o M i i l l c r 1857 in der Rhabarber.
6) ein Riechstoff, ~clionvon C a s p a r h ’ a u m a n n vermuthet, von keineni der spateren Analytiker der Aufuierksanikeit werth gehalten, ausser von P e r e t t i , der
ein fliichtiges Oel aus dcr Rhabarber erlialten haben will.
Nach G e i g e r entwickelt sich der Geruch erst l e h
Troclrnen der Wurzeln !
7 ) ein Bitterstoff. Dieser ist noch nicht in rciner
Form isolirt worden. G e i g e r und B r a n d e s identificirten ihn init den1 gelben Farbstoff j S ch 1 o s s b e r g e r
iind D o p p i n g beobacliteten Stillschweigen iiber denselben oder sprachen nur im Allgemeinen von Extractivstoff,
ohne zu versuchen, dcnselben zu isoliren. Die friiheren
Analytiker ( T r om in s d o r f f , S ch r a d e r, P f a f f , N e i fi F n e r , H o r n e m a n n , B u c h n e r und H e r b e r g e r ) haben
unreine Substanzen unter den Htinden geliaht j D u 1k’s
Khein muss ein durch Einwirkurig von Alkalien und
Sauren veranderter Bitterstoff gewesen sein. h’ur P e r e t t i scheint den wahren Rhabarberbitterstoff in Hiinden
gehabt zu haben, obgleich noch mit Chrysophanshure
cheniische C’nteiguchuiigen uber die B h n b a d w .
41
gemengt. Die gekornte Knochenkohle entzieht, wie ich
mioh uberseugt babe, in der That einem wasserigen Rhabarberaufguss die Bitterkeit und giebt den Bitterstoff an
IVeingeist wieder ab. Wir sind gegenwartig mit Vers u c h e ~beschaftigt, urn unsere Vermuthung, dass der
Rhabarberbitterstoff ein Glycosid sei, naher zu priifen.
8) Gerbsaure. Schon von C. N a u m a n n wurde der
adstringirende, Eisenyitriol tintenhaft schwarz farbende
Bestandtheil der Rhabarber bemerkt; H o r n e m a n n (1822)
und B r a n d e s (1823) finden Gerbsaure und Gallussaure; B u c h n e r und H e r b e r g e r geben nur eisenLliiuenden Gerbstoff a n ; G ei g e r constatirt die schwarzgriine Farbung der Rhabarberinfusa durch salzsaures
Eisenoxyd; P e r e t t i fand Gerbstoff und Gallussiiure;
13 r a n d e s findet eisenblauenden, eisengninenden (3) und
oxydirten Gerbstoff und Gnllussaure; Sch l o s s b e r g e r und
L, o p p i n g fallen dureh thierische Haut eisenblauenden
Gerbstoff und zeigen die Anwesenheit der Gallussiiure in
dem durch thierische Haut nicht fallbaren Theile des
wasserigen Rhabarberauszuges.
9) Clallussiiure stellte B r a n d e s aus der Rhabarber
in Krystallen dar. Weder von der Gallussaure noch von
dem Gerbstoff der Rhabarber existiren bis jetzt Elementnranalysen.
10) Zucker, gahrungsfahigen unkrystallisirbaren, fanden in der Rhabarber Aleissner, H o r n e m a n n , B u c h n e r und H e r b e r g e r , P e r e t t i , B r a n d e s , S c h l o s s b e r g e r und D o p p i n g. G e i g e r beobachtete bei Aufgiissen von Rhapontica des Handels, franzosischer, englischer, russischer und chinesischer Hhabarber keine Spur
yon Gahrung mit Hefe. Der Aufguss der Wurzel des
IZlreitm Bnodi zeigte bald schwachere, bald starkere Giibrung u. 6. w. (siehe oben). Diese Beobachtungen sprechen entechieden fur die Annabme eines Glyeosids in
der Rhabarber, welchee in gut getrockneten Wurzeln
noch unzersetet und unfahig der Gahning ist, in seblecht
getrockneten Wurzeln aber freien gahrungsfahigen Zucker
gebildet hat.
42
Ludwig, chenaische Unte~sticltuiigetchber d i e Hhrcbarber.
11) Stiirkemelil beobachteten N. E. I1 e n r y , B u c h n e r und H e r b e r g e r , G e i g e r , B r a n d e s , S c h l o s s b e r g e r und D o p p i n g .
12) Fett und IJ'achs, welcbe B u c h n e r und H e r b e r g e r gefunden liaben wollten, konnten S cli l o s s b e r g c r und D o p p i n g nicht entdecken.
Is) Gallertsaure wies E. B r a n d e s in der Khabarber i n Menge nach ; desgleichen S ch 1o s s b e rg e r und
D o p p i n g (die von Pectin sprechen). Das Gwmmi uud
Gu~ninoinder friiheren Chemiker gehort Lierher.
14) Oxalsaure (oxalsauren Kalk) entdeckte S c h e e le
i n der Rhabarber; S c h r a d e r , B u c h n e r und H e r b e r g e r , B r a n d e s , S c h l o s s b e r g e r wid D i i p p i n g bestatigten S ch e e I e's I3eobnchtung.
15) Aepfelsiiure, welche B r a n d c , IIe n ry, I3 u ch n e r iind I l c r b e r g e r und P e r e t t i gcfunden haben uollteu, suchten S c h l o s s b e r g e r -und D b p p i n g i n der Rhabarber vergebens.
11;) Uni die Ku'atur der zelligen Substanzen der Rhabarber zu erniitteln, liat sich nocli kein Chemiker beiniilit, ebeii so wenig um die EiweissstofTe derselbcn. 0.
H e n r y h h r t unter clcn Bestnndtheilen cler in Frankreich
gezogenen Wurzel von Rhezon a~tsti~ctle
Don (Rliaziw Jhiodt'
TVall. iiec Neissu.) Eiwciss an.
1 7 ) Anorgauisclie Sluren.
Pliosphorsaure ktnden
I3 r a n d e , IJ u cli n e r und H e l b e r g e r, S chlo s s b e r g e r
und L, o p pi n g. Die Ietzteren fanden auch schwefelsaure,
salzsaure und kohlensaure Salze in der Rhabarberaschc,
auch etwas Kieselerde.
18) Anorganische Basen. Nach G e i g e r ist die Rlrabarberasche reich an Kalk. S c h l o s s b e r g e r und Dopp i n g fmden darin ausser Kalk auch Kaii, etwas Piatron,
Talkerde und Eisenoxyd; aber sie konnten kein Kupferoxyd
darin aufsptiren, was B u ch n e r aufgefunden Laben wollte").
Jena, den 28.Novbr. 1863.
Dr. H. L u d w i g .
____x__
*) Quautitlrtive Annlysen der Ascheu von russiscler, chiuesiocber
und GstceichischerRhabarber fiihrte R o b e r t B r a n d e s in €I.Wackenroder's Laborntorium auq. (Arch. der Pbnrm. S e p t b ~ . - H e f 2
t 85.3)
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