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E. Schmidt, Zur Kenntniss des Veratrins
511
Mittheilnngen aus dem Universitlitalaboratorium zu
Halle.
Von Privatdocent Dr. E r n e t S c h m i d t .
I.
Zur K e n n t n i s s d e s Veratrins.
Obschon das Veratrin seit geraumer Zeit als die wichtigste Base des Sabadillsaamen und der weissen Nieeswnrz
bekannt und wiederholentlich der Gegenstand von Untersuchungen gewesen ist, so kann die Kenntniss diems in der
Medicin und Pharmacie so wichtigen Korpers doch nur ale
eine mangelhafte bezeichnet werden. Schon ein V ergleich des
analytischen Materials, welches iiber jene Base vorliegt, docnmentirt zur Genuge, in wie weit die Aneichten der verschiedenen Beobachter iiber die Natur und Zusammensetzung derselben auseinander gehen. Zwar hatte es den Anschein, ale
sei durch die Untersuchungen v m Merk,*) dem ee gelang,
sowohl das Veratrin, als auch dessen Golddoppelsalz in krystallisirter Gestalt damustellen, die Zusammensetzung desselben endgiiltig festgestellt und durch die Formel C64 H 6 s N x0l6
(C = 6) auszudriicken ; indess sind durch die Untersuchungen
von Weigeliri **) von Neuem Zweifel daran entstanden, indem
derselbe dieser Base die Formel CIOs H 1 7 S NB 0 3 0 r a p .
C5aHE6Ng 015 beilegt, welche nur halb so vie1 Stickstoff
enthalt als die Merk'sche Formel. Wahrend ferner nach den
Angaben Merk's das Veratrin als eine einsaurige Base zu
charakterisiren ist, tritt sie nach Weigelin in dem Golddoppelsalze zweisiiurig auf.
Um einestheils diese Differenzen aufzuklaren, anderntheils
zu ermitteln , in welcher Beziehung das kaufliche Veratrin
zu dem krystallisirten und dem in Wasser lioslichen steht,
welohes nach den Angaben von Weigelin sich leicht aus
ersterem bildet, habe ich in Gemeinschaft mit Rudolf Koppen
eine neue Untersuchung dieser Base unternommen, deren
Resultate ich im Nachstehenden im Auezuge mittheile.
1.
*) Annalen d. Chem. 95. 200.
**) Jahreeber. der Forteohr. d. Pharm. 1871, 28., Dragendod, Beitr.
ger. Chem. 1872, 94,
512
E. Schmidt, Zur Kenntnisa dea Perstrina.
Darstellung des Veratrins.
Urn uns zunachst in den Beeitz eines Materials zu setzen,
welchea frei von den anderen in dem Sabadillsaamen enthaltenen Basen, den Sabatrin und Sabadillin, sowie von anderweitigen Verunreinigungen war, hielten wir es fur angezeigt,
daeselbe selbst darzustellen umsomehr , ale es von Interesse
schien, das so resultirende Product direct mit den im Handel
befindliohen Sorten zu vergleichen.
Die Darstellungsrnethoden, deren man sich im Laufe der
Jahre bedient hat, um die Alkaloi'de aus dem Sabadillsaamen
zu gewinnen, sind ziemlich mannigfaltiger Natur.
So benutzen die Entdecker des Veratrins, Pelletier und
Caventou , zur Extraction dieser Base den Alkohol, ebenso
Meissner, welcher fast gleichzeitig mit jenen um die Erforschung der Alkaloi'de so verdienten Chemikern, dieselbe
isolirte , wogegen Vasmer , Couerbe , Delondre und spater
Weigelin Saure - haltiges Wasser zur Anwendung brachten.
Wir haben zu diesem Behufe, llhnlich dem von Weigelin
zur Anweudung gebrachten Verfahren die zahlreicheu Darstellungemethoden, welche im Laufe der Zeit von verschiedenen Beobachtern angegeben sind, combinirt. Wir verf'uhren
folgendermaassen :
J e funf Kilo von Hiilsen befreiter und zu einem groben
Pulver zeratossener Sabadillsaemen wurden zunachet in einem
grossen knpfernen Xessel wiederholentlich mit Wasser , dem
eine entsprechende Menge Schwefelsaure zugesetzt war, ausgekocht, die einzelnen Decocte jedesmal heiss colirt, bis zu
einem dem angewandten Volumen gleichen Gewichte eingedampft, dann absetzen gelassen und filtrirt. Was die Mengen
der dem Wasser zugesetzten Schwefelsaure betrifft, so wandten
wir bei der ersten Auskochung auf jenes Quantum Saamen,
enteprechend einer Angabe von Vasmer, 300 g. Saure, bei
den weiteren entsprechend weniger an und machten gleich
diesem Chemiker die Beobachtung , dass durch jene verhaltnissmassig grosse Sauremenge die schleimige Beschaffenheit
der Abkochung in einer panz hedeutenden Weise vermindert wird.
)
)
E. Echmidt, Zur Kenntnies des Veratrins.
513
Obschon die so gewonnenen schwefelsauren Ausziige eine
ziemlich dunkelbraune Farbe besassen, so wurden sie doch
zur Abscheidung des Rohveratrins direct verwendet, indem
sie, urn eine vollstiindige Abscheidung desselben zu bewirken,
in der Siedebitze mit einem Ueberschuss von Ammoniak versetzt wurden. Bus der auf Zusatz von Ammoniak nahezu
schwarz gefarbten Fliissigkeit schied sich das Veratrin leicht
als eine braune harzartige Masse aus, welche jedoch ohne
Schwierigkeiten sich abfiltriren und mit heimem Wasser auswaschen liess. Letzteres wurde so lange fortgesetzt, bis das
ablaufende Waschwasser vollkommen farblos war.
Weder die ersten Filtrate, noch die Waschwasser triibten sich beim erneuten Erhitzen, ebenso wenig wie bei langerer Aufbewahrung noch eine Abecheidung von Veratrin sich
bemerkbar machte; ein Zeichen, dass die Fallung eine vollstandige gewesen und nichts davon mehr in Losung geblieben war.
Behufs weiterer Reinigung baben wir zunachst das so
reeultirende Rohveratrio nach dem Trocknen so lange mit
Aether behandelt, als etwas davon in Losung ging, um auf
diese Weise die eigentliche Base von dem beigemengten Harz
und anderweitigen Verunreinigungen zu trennen.
Von den atherischen Veratrinlosungen wurde eodann der
Aether theils durch Destillation, theils durch weiteres Erwiirmen des Ruckstandes im Wasserbade wieder vollstandig entfernt, um die schliesslich zuriickbleibende Base durch Digestion
rnit verdiinnter Salzsaure als salzsaures Salz in wassrige
Losung iiberzufuhren. Die etwas triibe Fliissigkeit konnte
nach dem Erkalten und Absetzen leicht durch Filtration geklart und aus der so resultirenden, nur noch braunlich roth
gef*bten Fliissigkeit das Veratrin von Neuem in der Siedebitze durch einen Ueberschuss von Ammoniak wieder vollstiindig gefallt werden. Es schied sich so das Veratrin ale
eine zueammengeballte gelblich weisse Masse aus, die behufs
weiterer Reinigung , nach Entfernung der Mutterlauge , noch
mehrere Male mit Wasser ausgekocht, dann auf einem Filter
gesammelt, rnit heissem Waeser ausgewaschen und schliesslic
Arch. d. Pharm X. Bds. 6. AHoft.
33
514
3.Schmidt,
Zur Kenutnilrs des Veratrins.
von Neuem in verdiinnter Salzsaure gelost wurde. Mit den
au8 dieser Losung durch Ammoniak in der Siedehitze wieder abgeschiedenen Veratrin haben wir sodann die im Vorstehenden beschriebenen Operationen nochmals wiederholt und
so dann schliesslich ein Praparat erhalten , welches nach dem
Trocknen vollstiindig weiss aussah und in jeder Beziehung
den besten kauflichen Veratrinen zur Seite gestellt werden
konnte.
J e funf Kilo Sabadillsaamen lieferten eine Ausbeute von
50-56 g. Veratrin.
Vergleicht man hiermit die alteren Angaben, die iiber
den Veratringehalt der Sabadillsaamen vorliegen , so stimmt
die von uns erhaltene Ausbeute niit der von Couerbe")
gemachten Mittheilung, dass ein l'fund Saamen reichlich eine
Drachme Veratrin gabe, dagegen differirt sie wesentlich gegen eine Notiz von Vasmer ,**) welcher den Veratringehalt
nur zu
Proc. angiebt, was auf 5 Kilo Sabadillsaamen nur
15 g. betragen wurde.
Auf die Eigenschaften , Zusammensetzung etc., dieses so
bereiteten Veratrins werden wir spater bei der Besprechung
des kauflichen Veratrins zuruckkommen.
Krystallisirtes Veratrin.
Zur Darstellung der krystallisirten, zur Analyse besonders geeigneten Base befolgten wir das von Merk-)
angegebene Verfahren und zwar haben wir sowohl selbstbereitetes,
als auch kaufliches Veratrin, von dessen Reinheit wir uns
jedoch zuvor durch Analyse und Iteactionen uberzeugt hatten,
verwendet. Es wurde dasselbc zu diesem Behufe in der
dreifachen Menge Alkohol gelost, die Flussigkeit erwiirmt
und so lange mit Wasser versetzt, bis eine dauernde Triibung
von ausgeschiedener Base eintrat, letztere dann durch tropfenweisen Zusatz von Alkohol wicder entfernt und schliesslich
*) Annalen d. Chem. 9, 109.
**) Gmelm, Handbuch. 4. A d . 7, 2150.
***) Annalen d. Chem. 95, 200.
l3. Schmidt, Zur genutdee dee Verntrintl.
615
die so bereitete Losung langeam im Becherglase verdunstet.
Anfangs scheidet sich nahezu reines krystallisirtes Veratrin,
vermischt nur mit einer sehr geringen Quantitiit harzartiger
Base ab, letztere vermehrt sich jedoch in dem Maasse, als
die Flissigkeit durch Verdunsten alkoholarmer wird , um
schliesslich als eine in der Warme flussige durchscheinende
Mame sich am Boden des Gefasses abzusondern. Das zunachst ausgeschiedene krystallisirte Veratrin kann leicht durch
Waschen mit verdiinntem Alkohol, Absaugen der Mutterlaugen
und Pressen zwischen Filtrirpapier gereinigt werden ; schwieriger ist es dagegen, aus jenen resinosen Massen die eingeschlossenen krystallinischen Antheile zu eliminiren.
Wir versuchten diese Trennung zunachst nach den Angaben von Weigelin durch einfache Maceration mit kaltem
Wasser, wodurch allmahlig jene harzartige Masse in Losung
gehen und das krystallieirte Veratrin zuriickbleiben ~011,ohne
dass uns dieselbe jedoch auf diese Weise gelungen ware.
Allerdings gingen bei dieser Behandlung kleine Quantitiiten
in die wiissrige Losung hinein, jedoch nicht in der Menge,
dass schliesslich das gesammte harzartige Veratrin dadurch
sich hatte entfernen lassen. Leichter und vollstiindiger vollzieht sich dagegen die Scheidung mit Alkohol von gewohnlicher Stiirke. Uebergiesst man nemlich die bei dem Verdunsten der verdiinnten alkoholiechen Veratrinlosung ausgeschiedene, nach dem Erkalten harzartig erstarrte Masse mit
einem gleichen Volum Alkohol und liisst sie langere Zeit
unter zeitweiligem Umriihren damit in Beruhrung, so lost sich
allmahlig alle harzartige Base zu einer syruposen Fliissigkeit
auf, wahrend das krystallisirte Veratrin grosstentheils ungelost bleibt und durch Piltration , Absaugen, Nachwaschen mit
wenig Alkohol und Pressen zwischen Fliesspapier getrennt
werden kann.
Die so neben kleinen Quantitiiten k;.ystallinischen Veratrins erhaltenen alkoholischen Losungen lieferten nach weiterer
Verdunnung mit Alkohol und erneutem Eindampfen) nach
vorhergegangenem Zusatz von Wasser ,. von neuem kleine
Mengen der gewiinschten Krystalle. Jedoch trotzdem diese
33 *
)
E. Schmidt, Zur Kenntnisa des Veratrins.
516
Operationen so lange wiederholt wurden, als nur irgend eine
Abscheidung von Veratrinkrystallen zu bemerken w a r , war
die Gesammtausbeute verhaltnisemassig nur eine sehr geringe.
Das auf diese Weise erhaltene krystallinische Veratrin
konnte durch Auflosen in Alkohol und freiwilliges Verdunsten der Losung lcicht in schon ausgebildeten Kryetallen, die
bald die Gestalt von concentrisch gruppirten Nadeln , bald
mehr in compacter Form anschoesen, erhalten werden. Gleich
Merk machten auch wir die Beobachtung, dass die anfang6
vollstandig durchsichtigen Krystalle schon nach kurzer Zeit
triibe und undnrchsichtig wurden, ohne dass man diese Erscheinung auf einen Verlust von Krystallwasser zuriickfuhren
kann, da ein Gehalt daran durch die Analyse nicht constatirt
werden konnte.
Beziiglich d e r weiteren Eigenschaften des krystallisirten
Veratrins konnen wir nur die dariiber vorliegenden Angaben
von Merk und Weigelin bestatigen, denen wir nur hinzufugen
wollen, dass der Schmelzpunkt bei 205O liegt. Die Analysen der bei looo getrockneten Base ergaben
auf Procente berechnet, folgende Zahlen :
1.
2.
3.
4.
5.
64,59
8,68
64,77
.8,77
C
H
64,85
8,56
64,39
8,s1
N
-
-
8,5S
-
6.
7.
8.
9.
10.
64,58
64,95
8,31
8,61
-
-
-
C
H
N
64,27
-
-
2,82
2,61
4,56.
Vorstehende Zahlen entsprechen am besten der Formel :
C3s H50 NOY,
welche verlangt :
Cy2
384
64,86
H 50
50
8,45 ”)
N
14
2,36
0 9
144
24,33
592
100,oo.
*) Durch ein Versehen in den Annalcn d. Chemie. B. 185. p. 230
-
zu 8,61 berechnet.
E. Schmidt, Zur Kenntniss doe Veratrins.
517
Wie schon erwahnt, stellte Merk fur das Veratrin die
Formel C6*H52
N*0l6 resp. Cs8 HasN B0 8 auf und zwar
auf Grund nachstehender analytischer Daten :
Gefunden (Merk).
Berechnet.
c3* 384
64,86
H5*
NB
8,78
473
21,63
o8
52
28
128
4.
3.
1.
2.
64,73
8,84
64,51
8,55
64,99
8,76
65,OO
8,70
-
-
-
-
-
-
-
5.
-
515
-
592 100,OO.
Obschon die Weigelin’sche Veratrinformel C58 Has N g 0 1 5
in den Atomgewicht weit sowohl von der Formel Merk’s, als
auch von der unsrigen abweicht, so stimmen doch die von
diesem Chemiker ermittelten Zahlen gut mit den beiderseitigen iiberein:
Gefuunden ( W c i g e h )
Berechnet.
C5O
HS6
N*
015
624
86
28
240
63,81
8,79
2,86
24,54
1.
64,42
8,70
-
2.
3.
4.
5.
-
-
-
-
2,92
2,95
2,86
2,87
-
-
-
-
-
978 100,OO.
Ein Vergleich vorstehender von Merk, Weigelin und uns f k
das Veratrin ermittelten Daten zeigt, dass die unsrigen mit
denen von Weigelin gut iibereinstimmen, ebenso auch im
Kohlenstoff - und Wasseretoffgehalt mit denen von Merk.
Wenn wir trotz dieser Uebereinstimmung zwischen unseren
Analysen und denen von Weigelin nicht die von diesem
Chemiker aufgestellte Formel C6BHSs N* 0 1 5 acceptiren, so
geschieht dies zunachst , weil dieselbe im Kohlenstoff und
Wasserstoffgehalt sich nicht gerade gut den ermittelten Zahlen anpasst, anderentheils die Analysen der Gold-, Platin und Quecksilberdoppelverhindung sich nicht damit in Einklang
bringen lassen. Dagegen stimmen alle von uns ermittelten
Daten, ebenso wie die von Merk, mit Ausnahme des Stick-
Schmidt, Zur Eenntniss dos Veratrins.
518
stoffs, welcher von diesem Forscher nur einmal bestimmt
wurde, mit der Formel:
C 3 8 H50
NO9,
welche sich der von Merk sehr nahert, gut uberein. Der
gegen Merk (CS2 H 5 a N * 0 8 )um zwei Atome geringere Wasserstoffgehalt scheint uns sowohl durch die blerk'echen Analysen, welche ebenso wie auch der grosste Theil der unsrigen im Schnabelrohr ausgefiihrt zu sein scheinen, als auch
durch die von uns ermittelten Zahlen angezeigt zu sein;
Schwej'clsaures Veratrin.
(CsBH50 hT09)2HZ SO4. - Die Verbindung der Schwefelsaure mit dem Veratrin ist bereits von mehreren Forschern,
so von Couerbe, *) Pelletier und Caventou, **) Merk ***) dargestellt und analysirt worden.
Die dariiber vorliegenden analytischen Daten zeigen eine
genugende Uebereinstimmung, nicht so dagegen die Angaben
uber die Eigenschaften dimes Salzes. 'Il'ahrend Couerbe angiebt , dasselbe in krystallisirter Form erhalten zu haben,
konnte es Merk nur in amorphem Zustande darstellen.
Obschon wir zu unseren Vcrsuchen reinstes krystallisirtes Veratrin genau mit verdunnter Schwefelsaure neutralisirten und die Salzlosung sodann im Vacuum verdunsteten, liess
sich an der zuriickbleibenden Masse keine Spur von K ~ ~ t a l lisation entdecken.
Die Analysen des bei looo getrockneten Salzes lieferten
folgende Zahlen:
Berechnet.
C64
HIOe
Na
768
102
28
OI9
304
80
59,90
7,95
2,18
23,71
6,26
1282,O
100,OO.
so 3
*) A n d . d. Chem. 9, 112.
**) Gmelin, Handb. 4. Aufl. 7, 2154.
***) Annal. d. Chem. 95, 203.
Gcfunden.
-
-
-
-
-
6,lO
6,05.
E. Schmidt, Zur Eenntnias des Veratrins.
519
Hieraus ergiebt sich somit die Formel ((232 H60NO Ha SO4.
Merk fand im Mittel 6,30, Pelletier und Caventou 6,23 Proc. SO3.
Salzsaures Veratrin.
C 3 P H50N09HC1. - Auch von diesem Salze giebt
Couerbe an, dass dasselbe in krystallisirter Gestalt zu erhalten sei. Es ist uns jedoch such bei dieser Verbindung ebenso
wenig wie bei der schwefelsauren moglich gewesen, diese
Angabe zu bestatigen, denn such hier resultirta nach dem
Verdunsten der Losung nur eine amorphe) leicht zerreibliche
und in Wasser losliche Masse. Es mussen die Angaben von
Couerbe iiber die Krystallisationsfahigkeit dieser beiden Verbindungen umsomehr uberraschen, als dieser Chemiker nur im
Besitze von amorphem Veratrin war. Die Analysen des bei
1000 getrockneten Salzes lieferten folgende Zahlen :
Gefunden
Borechnet.
Cse
384
H50
50
14
144
36,5
N
0 9
HCI
1.
61,ll
7,9 5
2,23
22,91
5,80
.
2.
-
-
-
5,57
5,5 1
628,5
100,OO.
Pelletier und Caventou geben den Gehalt an HC1 nur
zu 4,14 Proc. an.
Veratringoldchlorid.
+
C38 H50 NO9 HCl
AuCIS. - Die Doppelverbindung des
Veratrins mit Goldchlorid ist ebenfalls bereits von Merk und
zuletzt von Weigelin dargestellt und analysirt worden, ohne
dass jedoch die von beiden Chemikern ermittelten Zahlen mit
einander iibereinstimmen. Wiihrend Merk diese Verbindung
durch die Formel C3>"H6>"
N P08 HC1
AuCIS ausdriickt und
so das Veratrin als eine einsaurige Base charakterisirt , giebt
Weigelin derselben die Formel Cbe H86N 2 0 l 5 2 HCl 2 AuCl3
und lasst so das Veratrin als zweisaurig erscheinen.
Behufs Darstellung dieser Verbindung, welche ihrer leichten Krystallisirbarkeit wegen als ein wichtiges Material zur
,
+
+
E. Schmidt, Zur Kenntniss des Voratrins.
520
Controle der von uns aufgestellten Veratrinformel erschien,
haben wir zunachst eine concentrirte Auflosung von salzsaurem Veratrin (am Veratrinkrystallen bereitet) , so lange mit
Goldchlorid versetzt, als noch eine Vermehrung des sich
sofort abscheidenden gelben voluminosen Niederschlags zu
bemerken war, denselben sodann auf einem Saugfilter gesammelt, mit Wasser nachgewaschen und getrocknet. Darauf
wurde die trockne Verbindung in heissem Alkohol gelost und
der freiwilligen Verdunstung iiberlaesen.
Es schied sich so diese Verbindung ubereinstimmend mit
den Angaben von Merk in wohl ausgebildeten gelben Nadeln
ab, welche nach nochmaliger Umkrystalhation zur Analyse
verwendet wurden.
Die Analyse dcs bei looo getrockneten Salzes lieferte in
Procenten ausgedriickt folgende Zahlen:
C
H
Au
1.
2.
3.
40,66
6,06
21,36
40,88
5,60
21,OO
41,13
5,72
20,92
C
11
Au
4.
40,91
5,ao
21,14
5.
6.
7. +)
41,25
5,42
21,02
41,63
$61
41,50
5,33
-
-
Bus diesen Zahlen ergiebt Rich die Formel:
CS2H50 NODHCI
AuC13,
welche folgende Mengen crfordert :
csa 384
41,25
5,48
H5’ 51
1,50
N
14
15,48
0 9
144
2 1,05
Au
196
15,24
c14
142
+
931
100,oo.
*) Das Material zu Analyae G und 7 war etwas (lurch das Licht
reducirt.
X. Schmidt, Zur Eenntniss
521
dea Veratrins.
Wie nachstehende Zusammenstellung zeigt , stimmen die
von uns ermittelten Zahlen mit den von Merk gefundenen
gut uberein, nicht jedoch mit denen von Weigelin, der den
Gehalt an Gold im Veratringoldchlorid zu 23,17 und
23,08 Proc. fand und dessen Formel C6s HE6 NS 0lb2 HC1
2AuC13 37,69 Proc. Kohlenstoff und 5,32 Proc. Wasserstoff erfordern wiirde.
+
Die analytischen Daten Merk’e sind folgende :
3.
1.
2.
C
H
41,31
-
5,97
41,05
6,9 1
5.
6.
-
-
-
-
Au
-
-
21,03
20,87
20,87
21,26.
4.
-
Halt man sowohl diese von Merk, als auch die von uns
ermittelten Zahlen rnit denen zusammen, welche wir fur die
freie Base fanden, so ergiebt sich hierfur die von uns acceptirte Formel CsBHboNOS.
Veratrinplatinchlorid.
+
(C3* H50 NO9HC1)s
PtCI4. - Versetzt man eine concentrirte wassrige Auflosung von salzsaurem Veratrin rnit
Platinchlorid, so erhalt man sofort einen voluminosen gelben
Niederschlag einer Doppelverbindung der beiden Xorper,
welche in vie1 Wassor namentlich beim Erwarmen loslich,
sehr leicht Ioslich in Alkohol, unloslich in Aether ist. Wir
haben versucht, die 80 durch Fallung erhaltene Verbindung
in eine krystallisirte Form iiberzufuhren, ohne dass e6 uns
jedoch bisher in irgend einer Weise gelungen ware. Dagegen machten wir die Beobachtung, daes diese Verbindung
nur wenig bestandig ist, denn wurde dieselbe nach ihrer Abrscheidung auf einem Filter gesammelt und behufs Entfernung
des iiberschiissigen Platinchlorids mit Wasser gewaschen , 80
loste sich hierdurch nicht allein ein betrachtlicher Theil davon
auf, sondern sie wurde auch in dem Naasse an Platin, armer,
als das Auswaschen fortgesetzt wurde. So fanden wir j e
nach der Lange des Auswaschens einen Platingehalt von
11,35 Proc,, 10,66 Proc., 10,95 Proc., 9,61 Proc., 9,29 Proc.,
522
E. Schmidt, Zur Kcnntniss den Verntrine.
wahrend die dem Goldealze entsprechende Verbindung
(C3zH50 NO9 HC1)B
PtCl4 12,3'6 Proc. Platin erfordert.
W i r erhielten dagegen bei den verschiedenen Darstellungen ein ganz constant zusammengesetztes Product, wenn wir
die salzsaure Auflosung einfach mit Platinchlorid im geringen
Ueberschuss fallten, den Niederschlag, ohne ihn auszuwaschen
auf einem Filter sammelten, ihn moglichst mit der Luftpumpe
absogen und schhsslich zwischen Fliesspapier pressten.
Das Trocknen dieser Platinverbindung ist namentlich
anfangs bei moglichst niederer Temperatur vorzunehmen , da
sonst die Verbindung unter Zersetzung harzartig zusammenschmilzt. - Die Analyse dieser bei drei getrennten Darstellungen gewonnenen Verbindung (schliesdich bei looo getrocknet) lieferte in Procenten ausgedruckt folgende Zahlen :
+
Berechnet fur
PtC14
(Caa HsONOg HC1)s
C6'
+
Gefunden.
1.
768
48,lO
47,98
H108
102
6,39
1,75
18,04
12,37
13,35
6,62
Ng
0'8
Pt
C16
28
288
197,5
213
2.
-
-
-
3.
-
4.
5.
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-
12,lO
12,19
12,38
12,34
-
-
-
-
1596,5 100,OO.
Es ist also die Zusammensetzung der Platindoppelverbindung des Veratrins eine den einsaurigen Basen im Allgemeinen ganz analoge, sowie weiter auch dem Golddoppelsalze
entsprechende.
VeratrinquecksiZberchlorid.
+
C S e H50N09
HCl
lig Cia. - Diese Verbindung kann
leicht durch Zusammenbringen einer concentrirten Auflosung
von salzsaurem Veratrin mit Quecksilberchlorid in Gestalt
eines weissen krystallinischen Niederschlags erhalten werden.
Jedoch ist 13s une auch hier bisher nicht gelungen, dieselbe
in krystsllieirter Gestalt zu erhalten, da auch dioser Korper,
ahnlich der Platinverbindung, sehr zur Zersetzung neigt. Auch
hier wird schon durch ein Nachdvaschen mit Wasser eine
523
E. Schmidt, Zur Eenntnisa des Veratrins.
theilweise ZerRetzung herbeigefiihrt und konnten wir daher
auch hier nur ein , bei den verschiedenen Darstellungen constant zusammengesetztes Praparat erhalten , indem wir die
wbsrige Losung von salzsaurem Veratrin mit einem moglichst
geringen Ueberschunse von Quecksilberchlorid fallten, den
Niederschlag durch Absaugen und Pressen moglichst von
Mutterlauge befreiten und denselben bei niedriger Temperatur
trockneten.
In Wasser ist diese Verbindung verhaltnissmiissig leicht
loslich, noch leichter in Alkohol, unloslich dagegen in Aether.
Die Analysen der vorsichtig bei 100O getrockneten Verbindung gaben in Procenten ausgedriickt folgende Resultate :
Berechnet Wr
CS~H~WOOHCl
f HgCl*
C3' 384
-
51
N
14
O9 144
Hg 200 22,23
C13 -~
106,5 11,82
H5l
Gefunden.
1.
-
2.
3.
-
-
-
22,75
11,74
22,76
11,7d
21,68
11,55
-
-
-
4.
5.
-
-
-
-
21,93
21,55
-
-
-
899,5.
Vorstehende Zahlen , welche von Praparaten dreier verschiedener Darstellungen herriihren , fuhren somit zu der
Formel C3~1Z150hT09HC1 HgCl*. Wir haben weiter versucht auch die Verbindung der
Pikrinsaure mit dem Veratrin , welche bei dem Zusammenbringen der wlissrigen Losungen sich als ein gelber voluminoser Niederschlag abscheidet, in den Bereich unserer Untersuchungen zu ziehen, jedoch lieferten die Producte verschiedener
Darstellungen bei der Analyse keine constanten Zahlen.
Dieselben schwankten im Kohlenstoffgehalt zwischen 58,33
und 60,39 Proc., im Wasserstoffgehalt zwischan 7,84 und
8,25 Proc. und im Stickstoffgehalt zwischen 6,61 und 6,81 Proc.
+
11. I s o m e r e M o d i f i c a t i o n e n d e s V e r a t r i n s .
Die Beobachtung, dass das Veratrin aus Baurer Losung
durch Ammoniak in der Ralte nur unvollkommen gefallt wird
524
E. Schmidt, Zur Keuntniss des Vertrtrine.
nnd dass dieses kalt gefallte Veratrin, wenn es langere Zeit
mit Wasser ausgewaschen wird, sich in diesem vollkommen
auflost, dass ferner aus dieser wassrigen Losung das Veratrin beim Erwarmen sich wieder abscheidet, fuhrte schon
Weigelin darauf, dass man zwei Modificationen dieser Base,
eine in Wasser losliche und eine darin unlosliche zu unterscheiden habe. Wir konnen diem Angaben nur bestatigen,
denn es ist uns ebenfalls gelungen, sowohl durch anhaltendes
Auswaschen von frisch gefalltem Veratrin , ale namentlich
auch bei der Darstellung dieser Base in krystallisirtem Zustande, ein betrachtliches Quantum dieser in Wasser loslichen
Modification zu erhalten. Wurden nemlich die zur Darstellung von krystallisirtem Veratrin bereiteten, rnit Wasser verdiinnten alkoholischen Losungcn der kiiuliichen oder selbst
dargestellten Base langsam bei gelinder Warme soweit abgedampft, bis kein Geruch nach Alkohol mehr zu bemerken
war und die uber dem harzartig ausgeschicdenen Veratrin
stehende Flussigkeit nach Belieben mit Wasser verdunnt
werden konnte, ohne eine Trubung hervorzurufen, 80 'enthielt
dieselbe nur noch losliches Veratrin und zwar in ziemlich
betriichtlicher Mcnge. Denn wurde die filtrirte Flussigkeit
zum Kochen erhitzt, so schieden sich reichlichc Mengen von
wieder in Wasser unloslich gewordenen Veratrin ab. Nach dom Verdunstcn dieser wiissrigen Losung im Vacuum resultirte das losliche Veratrin als eine gelbliche, durchscheinende , amorphe Masse, die sich in kaltem Wasser mit
grosser Leichtigkoit wieder aufloste.
Die Analyse dieser in Wasser loslichen Veratrinmodification lieferte folgeride Zahlen :
Herechnot fur
Cwa ~ 6 - NO*
0
C 3 % 384
50
Hs0
w
O9
64,86
144
8,45
2,3G
24,33
592
100,OO.
14
Gelunden
1.
2.
64,39
9,11
-
-
232
-
E. Schmidt, Zur Kenntniss deaveratrins.
525
Es stimmen diese Daten eowohl mit den von Weigelin fur
diesen Korper gefundenen Zahlen (derselbe fand 64,39 Proc. C.,
8,42 Proc. H., 2,709 Proc. N.), ale auch den von uns fur das
krystallisirte Veratrin ermittelten iiberein, es diirfte daher
wohl auch dieser Base die empirische Formel C 3 8 H 5 0 N 0 9
zuzuertheilen eein.
Durch Erwarrnen geht, wie bereits erwahnt , dime Base
aus dem loslichen ZuRtande wieder in den unloslichen uber.
Ob diese Veranderung, wie wir fruher annahmen, auch durch
Sauren bewirkt wird , lasst eich nicht rnit Sicherheit entscheiden, da, wie weitere Versuche zeigten, eine wassrige Losnng
dieses Veratrins bei gewisser Concentration durch Ammoniak
gefallt wird, also hierdurch schon allein das losliche Veratrin
in das unlosliche wieder ubergefuhrt wird.
Es zeigt sich jedoch bei dieser Abscheidung durch Ammoniak der eigenthiimliche Umstand, dass bei geeigneter Concentration und namentlich bei Gegenwart von etwas Salmiak
(ein Ueberschuss hindert die Fallung vollstandig) sich das
Veratrin in Gestalt feiner, im Sonnenlichte stark irisirender
Nadeln abscheidet , somit die losliche Modification in die k rystallisirbare ubergeht.
Es ist also so die Moglichkeit geboten, die isomeren
Modificationen des Veratrins in einander ohne Schwierigkeiten uberzufuhren. Durch dime leichte Um wandelbarkeit mag
es sich auch erklaren, dass die Reactionen dieses loslichen
Veratrins im Allgemeinen rnit denen des unloslichen ubereinstimmen.
Ein daraue von uns dargestelltes Platindoppelsalz, welches den gleichen Platingehalt mit der aus krpstallisirtem und
amorphem Veratrin bereiteten Verbindung besitzt , ist daher
wohl rnit einem von beiden identisch.
Gefunden 12,28 Proc. Platin; die Formel(CSeH600NOQHC1)B
PtC1' erfordert 12,37 Proc. Platin.
Weigelin giebt in seinen Mittheilungen uber die Basen
des Sabadillsaamens weiter a n , dass es ihm gelungen sei,
das reine kaufliche Veratrin durch Bchandlung mit verdiinntem Alkohol vollstiindig in einen krystallisirbaren und einen
+
$26
B. Schmidt,
Zur Xenntniis des Veratrina.
in Wasser loslichen Theil zu zerlegen, indem die braune
Masse, welche bei der Darstellung von Veratrinkrystallen in
grosser Menge auftritt und von Merk als eine Mischung der
reinen Base mit Harz bezeichnet wird, nichts anderes sei, als
loeliches Veratrin. Auch wir haben bei den Darstellungeri
des krystallisirten Veratrins jene harzartige Masse im Verhaltniss zum angewandten Veratrin bei weitem in grosster
Uenge erhalten, jedoch ist es uns nie gelungen, dieselbe
durch Waschen mit kaltem Wasser zu entfernen und sie so
als losliches Veratrin, welches darin sich sehr leioht lost, zu
charakterisiren.
Allerdings haben wir hierbei stets ein nicht unbetrachtliches Quantum der in Wasser loslichen Modification jener
Base erhalten, jedoch konnten wir die Hauptmenge dieser
harzartigen Substanz, ebenso wie Merk, nur erst durch verdiinnten Alkohol entfernen.
Bei wiederholtem allmiihligen Verdunsten dieser yerdiinnten alkoholischen Losungen resultirten im Anfange noch
kleine Mengen krystallisirten Veratrins, schliesslich blieb aber
jener harzartige Korper unverandert neben etwas Ioslichem
Veratrin, welches durch Wasser extrahirt werden konnte,
zuriick. Dieselben Resultate wurden erhalten , nachdem dieser Korper in Salzsaure gelost, mit Ammoniak wieder gefallt
und von Neuem in verdunnter alkoholischer Losung verdunstet wurde.
Wenn es so wohl auch keinem Zweifel unterliegt, dass
aus jenem harzartigen, amorphen Veratrin durch wiederholtes
Losen in verdiinntem Alkohol und Verdunsten sich stets
etwas losliches Veratrin bildet, so ist dies doch wohl nur als
ein weiteres Umwandlungsproduct der beiden in dem kauflichen Veratrin praeexistirenden Bestandtheile, einer krystallisirbaren und einer amorphen Bwe, in welche selbiges bei der
Behandlung mit verdiinntem Alkohol sich zerlegen l i s t , zu
hetrachten. Denn wie Weigelin selbst angiebt und wir in
Vorstehendem nur bestlitigen konnten , gelingt es , das frisch
g e f a t e Veratrin durch anhaltendes Auswaschen mit Wasser
in Losung uberzufuhren, es also in die in Wasser losliche
E. Schmidt,
521
Zur kenntniss dee veratrine.
Modification zu verwandeln. Es kann also nicht iiberraschen,
dass auch bei dem langsamen Verdunsten einer verdiinnten
alkoholischen Losung von kauflichem Veratrin und der dadurch bedingten allmahligon Absoheidung der darin enthaltenen krystalliqischen und amorphen Basen stets ein Theil
davon in die in Wasser losliche Modification iibergeht, welche
dann einfach in der schliesslich alkoholfreien wassrigen Fliissigkeit in Losung bleibt , resp. bei vollstiindigem Eintrocknen
durch Wasser leicht entfernt werden kann.
Die Hanptmonge des bei dieser Operation ausgeschiedei
nen amorphen Veratrins ist jedoch weder jene in Wasser
losliche Modification dieser Base, noch l h s t sie sich ihrer harzartigen Beschaffenheit wegen ohne weiteres durch einfache
Behandlung mit Wasrrer in diese uberfihren. Sie kann daher
auch von dem gleichzeitig ausgeschiedenen krystallisirten
Veratrin nicht durch Waschen mit Wasser, wohl aber durch
verdiinnten Alkohol, in welchem dieselbe ziemlich leicht, die
krystallis. Base dagegen schwieriger loslich ist, getrennt werden.
Die Analysen dieses harzartigen , vollstindig amorphen
Veratrim, die mit einem Praparate ausgefdrt wurden , welches durch wiederholtes Auflosen in verdinntem Alkohol und
Eindampfen von krystallisirtem Veratrin und durch anhaltendes Waschen mit Wasser von der loslichen Base befreit
worden war, lieferte Zahlen, die mit den fir den krystallisirten Kiirper gefundenen gut ubereinstimmen, so dass auch
diese amorphe Masse, welche in Wasser unloslich ist, dieselbe procentische Zusammensetzung und wie aus dem dargestellten Platindoppelsalz hervorgeht, auch dieselbe empirische
Formel besitzt.
Die Analysen des bei looo getrockneten Korpers lieferte
auf Procente berechnet folgende Zahlen :
Berechnet fur
C*’ E S U NOg.
Cs2
H50
N
O0
384
50
14
144
592
64,86
8,45
2,36
24,33
100,OO.
Gefundan
1.
64,46
8,76
-
2.
-
-
2,66
-
528
E. Schmidt, Zur Kenntnise des Veratrina.
Die Analyse der in der in Vorfitehendem beschriebenen
Weise dargestellten Platinverbindung ergab folgcnde Zahlen :
Berechnet fur
(CSa
HG0 NOeHCl)*
+ PtCl4
Pt. 12,37.
Gefunden
12,23.
Wir glauben daher dieRes amorphc, in Wasser unlosliche
Veratrin als eine zweite Modification jener Base betrachten zu mussen, welche neben der krystallisirten in dem
kautlichen und zwar zum grossten Theil vorhanden ist. Es
stimmt dieselbe in der Zusammensetzung sowohl mit der
krystallisirten Base, als auch mit der aus beiden enhtehenden dritten Modification, dem in Wasscr loslichen Veratrin,
uberein, unterscheidet sich jedocb von jenem durch die mangelnde Krystallisationsfahigkeit, von diesem durch die Schwerloslichkeit im Wasser. Beide Modificationen gehen in die
dritte in Wasser losliche uber, wenn sie in feiner Vertheilung
(in der Kalte frisch gefallt) anhaltend mit kaltem Wasser
gewaschen werden.
Das amorphe in Wasser unlosliche Veratrin bildet, in
vorstehender Weise abgeschieden, nach dem Trocknen eine
gelblich- weisse harzartige Masse, die sich leicht zu einem
weissen, stark Niessen erregcnden Pulver zerreiben lasat. In
Wasser ist daseelbe nur sehr wenig Ioslich, leicht dagegen
im Alkohol und Aether.
Gegen Agentien verhalt es sich ebenso, wie das krystallisirte Veratrin , nur liefert es ein amorphes Golddoppelsalz,
welches jedoch mit dem aus jenem dargestellten eine gleiche
Zusammensetzung hat. Ob nun in dem Sabadillsaamen selbst auch jene beiden
Modificationen des Veratrins , die krystallisirbare und die
amorphe existiren, oder ob letztere aus dem krystallisirten
entstanden ist, indem diese durch die Operationen des Abscheidens etc. ihre Krystallisationsfahigkeit verloren hat und
so nur als ein Hauptbestandtheil in das kaufliche Praparat
hineinkommt, haben wir vorlaufig nicht entscheiden konnen.
E. Schmidt, Zur Kenntnim des Veratrine.
529
III. R i i u f l i c h e s V e r a t r i n .
Nachdem wir so constatirt hatten, dass sowohl krystallisirtes und amorphes Veratrin , die beiden Bestandtheile des
kaufichen Praparats, als auch die aus beiden entstehende
dritte Modification, das in Wasser losliche Veratrin, eine
gleiche procentische Zuvammensetzung haben , lag wohl die
Vermuthung n a b , dass dieselbe auch der kauflichen Base in
reinem Zustande zukommen miisste, mithin die Schwankungen,
welche nach alteren Angaben hierin obwalten (C o u e r b e :
C. 70,6, H. 7,65, N. 5,32 Proc., Dumas: C. 66,75, 11. 8,54,
N. 5,04 Proc.), nicht existiren.
Die Versuche, welche wir in dieser Richtung anstellten,
haben in der That diese Vermuthung bestitigt.
Wir haben verschiedene Veratrinsorten, welche aus den
renommirtesten Pabriken stammten, analyeirt und bei elimmtlichen sowohl in der Zusammenseteung, als auch in den
Eigenschaf ten, fast vollkommene Uebereinstimmung gefunden.
Dasselbe beobachteten wir an der Base, welche wir zu
wiederholten Malen selbst darstellten.
Nachstehende analytische Daten mogen dies illustiren.
Die Substanz war bei looo getrocknet.
Es wurden erhalten in Procenten ausgedriickt.
3.
4.
5.
63,75
64,45
7,97
a.
64,84
8,03
8,99
8,90
64,90
8,44
6.
7.
8.
9.
10.
64,28
8,87
65,05
8,31
63,94
8,27
65,04
0,84
64,92
14.
16.
1.
C
65,63
H
c
H
11.
N
12.
13.
€498
2,86
2,61
2,64
2,85
2,73
Die Formel des krystallisirten Veratrins CapH60 NO9
verlangt :
64,86
CS8
384
HbO
50
8,45
N
14
2,36
o9 144
24,33
592
100,00.
&ah. d. Phsrm. X. Bde. G. E e R
34
E. Schmidt, Zur Kenntniss dos Veratrins.
530
Das Naterial zu Analyse I war von Lampe, Kaufmann &
Comp. in Berlin bezogen; zu I1 aus hiesiger pharmac. Sammlung; zu TI1 aus eincr hiesigcn Apotheke; zu IV, V u. XILI
von Merck, Darmstadt; zu Analyee V I , V I I , XI, XI1 von
H. Trommsdorff, Erfurt; zu Analyse VIII, IX, X, XIV, X V
war selbst bereitetes Veratrin verwendet von drei verschiedenen Darstellungen.
Eine ahnliche Uebereinstimmung in den analytischen
Daten zeigte sich auch bei dcr Gold- und Platindoppelverbindung, welche wir in der in Vorstehendem beschriebenen
Weise daraus darstellten.
Berechnet fiir
NOS HC1
AuC13
(23% H60
Au
+
21,05
Gefundcn.
1.
2.
20,87
20,82
Bereehnet f i r
(Cs2 H50 NO* HC1)a
+ I'tC14
Gefunden
P t 12,37.
12,28.
Sammtliche von una analysirte Proben bilden blendend
weisse , anscheinend amorphe Massen , deren Schmelzpunkte
zwischen 150 und 155O lagen. Weigelin fand den Schmelzpunkt des Veratrins bei 150°, Couerbe bei 115O, Pelletier
und Caventou bei 50°.
Krystallisirtes Veratrin schmilzt, wie in Vorstehendem
erortert, erst bei 205O.
In Aether waren diese Yroben vollkommen loslich (Abwesenheit von Sabadillin) und gaben mit Wasser gekocht nur
Spuren an jenes ab (Abwesenheit von mehr als Spuren von
Sabadillin und Sabatrin). Die bei den Analysen ermittelten
Zahlen kommen denen, welche wir fur das krystallisirte,
amorphe und losliahe Veratrin fanden, so nahe, dass die kleinen Abweigungen auf Conto zufalliger kleiner Verunreinigungen zu setzen sind, die bei der fabrikmassigen Darstellung
jenes Praparats hinein kommen. Wir konnen 'also der Ansicht Weigelins, dass das kaufliche officinelle Veratrin steta
mehr oder minder einestheils Beimengungen von Sabadillin und Sabatrin enthalte, anderentheils auoh noch fremde
Beimengungen ofters in. demselben enthalten seien, nicht
E. Schmidt, Zur Kenntniae den Veratrins.
581
zustimmen, wenigstens nicht in Bezug auf dae im Handel als
Veratrinum purissimum bezeiahnete Praparat. - Wir sind
jedoch weit entfernt zu behaupten, daes derartiga Beimengungen iiberhaupt nicht vorkamen , sondern constatiren nur , dass
selbige i n kauflichen, aus 6 verschiedenen &uellea stammenden Praparaten, jedenfalls nur in kaum nachweisbaren Mengen
vorhanden waren.
Es ist eigentlich auch gar nicht abzusehen, wie dieselban
bei einer rationellen Bereitungsweise des Veratrins, welche
Rucksicht nimmt auf die Unloslichkeit des Sabadillins in Aether
und die verhaltnimmassig leichte Loelichkeit von Sabadillin
und Sabatrin in Wasser, auf welche Weigelin selbst hinweiet,
in jenes hineinkommen sollen.
Ee mag hier noch auf ein Verhalten einer Losung des
Veratrins in verdunnten Sauren gegen Kalilauge aufmerksam
gemacht werden, welches nach den Angaben der Pharmacopoea germanica unter Umstanden zu Irrthiimern Veranlaseung
geben Ham. Die Pharmacop. germ. giebt unter Veratrin an:
,,Die waasrige saure Losung giebt auf Zusatz von Aetzkalilauge einen weissen Niederschlag, welcher in einer iiberreichlichen Menge Aetzkalilauge ganz und gar nicht, leicht aber
in Weingeist, Aether oder Chloroform loslicli ist. E s wird
diese Reaction immer zutreffen , wenn man concentrirte Fliiseigkeiten anwendet und namentlich die Veratrinlosung zuvor
erwarmt worden iet; wendet man dagegen eine verdunnte
Audoeung von Veratrin in irgend einer Saure zur Priifung
an und versetzt dieselbe in der Kalte mit einer ebenfalls
verdiinnten Adosung von Kalihydrat, so entsteht gar kein
Niederschlag, erst wenn die Fliisaigkeit erwarmt wird , findet
eine starke Triibung und Abs6heidung von Veratrin statt,
welche jedoch , sobald die Fliuesigkeit wieder erkaltet ist,
allmahTig mehr und mehr wieder verschwindet. Es findet
diems Verhalten des Veratrine eine einfache Erklarnng in der
Bildung dee in Vorstehendem beschriebeaen, in Wasser 10slichen Vsratrins, welche dann in groeeerer oder geringerer
Menge eteb eintritt, wenn die Ueberfiihrung dieser Base aus
saurer Losung in den freien Zuetand in der Kalte vorgenom34 *
532
F. A. Fliickigcr, Notizen iib. d. Saponin d. Sarsaparilla.
men wird und welche daher auch bedingt, dass in der Kalte
Veratrin durch Alkalien uberhaupt nicht vollstandig abscheidbar ist , ja sogar veranlassen kann , dass bei entsprechender
Verdunnung gar keine Abscheidung bewirkt wird, indem
alles Veratrin in jene losliche Modification ubergefuhrt wird.
Notizen ilber das Saponin der Sarsaparilla.
Von F. A. F l i i c k i g e r .
Galileo Pal l o t t a war dcr erste Chemiker, der bich um
die Abscheidung eines wirksamen Stoffes aus der Sarsaparilla
bemuhte. Seine Arbeiten scheinen zu Anfang des zweiten
Jahrzehnts unseres Jahrhunderts ausgefuhrt worden zu sein,
knrze Zeit nachdem die ersten Alkaloi'de aufgefunden und als
Trager ausgezeichneter Heilwirkungen erkannt worden waren.
P a1 1o t t a ging daher auch auf die Entdeckung eines Alkaloiides
aus, indem er den wassrigen Auszug der Wurzel mit Kalkmilch versetzte , den Niederschlag trocknete und mit Weingeist auskochte. Den so erhaltenen Korper nannte er
,,P a r i g l i n a " oder ,,P a r i 1l i n a , " doch ist es unmoglich,
sich nach P a 11o t t a ' s durftigen Angaben*) ein Bild von den
Eigenschaften dieees Korpers zu machen. Moge derselbe
nun mehr oder weniger rein dem bier zu beschreibenden
Bestandtheile der Sarsaparilla entsprochen haben oder nicht,
80 glaube ich doch fur den krystallisirbaren besondern Stoff
der Sarsaparilla die von P a 11o t t a angenommene Bezeichnung
P a r i 11i n beibehalten zu sollen. Spatere Porscher , welche
sich mit dieeem Korper befassten , nannten ihn S mi 1a c i n ,
unter welchem Namen er allerdings allgemeiner bekannt ist. **)
*) Journal de Pharmacie 1 0 (1824) 543; auch F o l c h i , Alcune
ricerche sulla radice di Salsaparilla. Roma 1824 und deasen Msteriae
medicae compendium, Mediolani 1841.
Nach einer Notiz in der Pharm. Zeitung vom 2. Mai 1877 ist
Dottore O a l i l e o P a l l o t t a, Profossore nelle scienze naturale in Neapel,
heute noch der Ansioht, in seiner Pariglina ein Alkaloid entdeckt zu haben.
**) Die literariachen Nachweiae in G m e l i n , Organ. Chemie 1V
1038, oder auch wohl in H u s e m a n n , Pfianzcnetoffe 1871 p. 1039.
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