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UAZ 452

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UAZ 452
In seinem Heimatländern, den heutigen
GUS Staaten nennt man ihn immer
noch liebevoll Buschanka - das heiГџt
soviel wie Brot(laib). Tritt er als Krankenwagen auf nennt man ihn dort hingegen Tabletka (Tablette).
In Deutschland war und ist er weitestgehend unbekannt, da er anders als sein
jeepartiger Bruder UAZ 469 - damals
als Tundra 469 verkauft, nie nach Westdeutschland exportiert wurde. (Wohl
aber in ein paar andere europäische
Staaten wie Italien und GroГџbritannien.) Einen etwas besseren Bekanntheitsgrad im Osten der Republik verdankte er dem Einsatz bei der damaligen NVA meist als Funk- oder Vermessungswagen.
Dennoch hat ihn fast jeder schon irgendwann, oft unbewusst, gesehen. In
zahlreichen Reportagen, Dokumentationen oder Nachrichten aus Russland
war er im Hintergrund und oft und
gerne auch als Fortbewegungsmittel
fГјr Gerd Ruge oder Klaus Bednartz
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während Ihrer Reisen zu sehen. Dieses
Vehikel begeisterte mich immer wieder
seit vielen Jahren und mein Wunsch es
eines Tages zu besitzen wuchs stetig.
Dabei kannte ich lange Zeit nicht einmal seinen Namen. Heute weis ich: Es
ist ein UAZ 452.
2005 kaufte ich mir das erste russische
Auto in meinem Leben. Einen Lada Niva. Der Lada Niva brachte mich in die
Ost-Fahrzeuge-Szene. Und so kam es,
daß ich mehr oder weniger zufällig im
Juni 2006 mit einigen Freunden nach
PГјtnitz zum dortigen Ost-FahrzeugeTreffen fuhr. Dort entdeckte ich gleich
zwei dieser Fahrzeuge, in echt und zum
Greifen nahe vor mir stehend. Die angesammelte Begeisterung der vergangenen Jahre flammte spontan wieder
auf und mir wurde klar, dass ich nun ein
solches Fahrzeug fГјr mich suchen
musste. Zuhause angekommen fing ich
sofort mit einer umfassenden Recherche im Internet an. Viel gab es da ja
nicht gerade. Trotzdem fГјhrte ich ein
paar Gespräche mit einem selbsternannten Kenner der Materie, der mir
eher windige Angebote unterbreitete,
auf die ich glГјcklicherweise nicht einging.
Im August 2006 entdeckte ich bei ebay
einen 452Вґer Bus mit Artikelstandort
Hagenow, ca. 500 Km nordöstlich von
mir in den mittlerweile nicht mehr ganz
so neuen Bundesländern. Ich telefonierte mit dem Verkäufer und verabredetet
einen Besichtigungstermin ehe die Auktion abgelaufen war.
Kurz darauf stand ich vor ihm: Meinem
zukГјnftigen UAZ 452. Er war nicht
mehr der Schönste. Dellen und
Schrammen und zwei fiese Durchrostungen an der Karosserie. Ihm war das
lange Stehen unter freiem Himmel
nicht gut bekommen. Dennoch war er
substantiell betrachtet in einem anständigen Zustand und technisch voll funktionstüchtig. Davon konnte ich mich bei
einer Probefahrt Гјberzeugen. Zuhause
wieder angekommen blickte ich unge-
duldig dem Ende der Auktion entgegen,
gab mein Höchstgebot ein und gewann!
Kurz darauf - diesmal begleitet von
meinem Schwager - wurde ich beim
Verkäufer abermals Vorstellig. Es war
schon spät und so kam es, daß Gegrilltes und Bier mit dem Verkäufer das
Geschäft abrundeten und mir die erste
Nacht im Bus vergönnt war. Mein
Schwager Гјbernachtete im W 50
Wohnmobil. FrГјhmorgens ging es los:
500 Kilometer ГњberfГјhrungsfahrt mit
unbekannter Technik.
Im Nachhinein kann ich mit Fug und
Recht behaupten, dass es die schönste
und aufregenste Autofahrt meines Lebens war - bis jetzt.
Auf der Heimfahrt entdeckte mein
Schwager - Trödler aus Leidenschaft einen Flohmarkt. Diesen steuerten wir
noch schnell an. Erste Gespräche über
den 452 und Bekundungen der Anerkennung lieГџen nicht lange auf sich warten. Und das blieb genau genommen bei
jedem Stop so. Sei es zum Tanken (Au-
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to), Essen (Menschen) oder einfach nur
zum Verschnaufen (Beide). Und mehrfach winkte man mir während der
Fahrt zu - auch die Damen auf der B3
in ihren liebevoll verzierten Wohnwagen. Ich vermutete, dass sie in etwa das
Alter, ganz sicher aber die Herkunft mit
meinem Bus teilten. Vielleicht freuten
sie sich auch einfach nur darГјber, dass
ich die Karawane potentieller Kunden
so eingebremst hatte, dass nun viel
Gelegenheit zu einem etwas genaueren
Blick geboten wurde. Ich gehe mal davon aus, dass ich mich durchaus geschäftsfördernd betätigt habe. Denn ich
fuhr mit ca. 60 Km/h die LandstraГџen
entlang, im festen Glauben, dass sei die
Höchstgeschwindigkeit. Schließlich befand sich der Bus im 4. Gang und das
Gaspedal am Anschlag. Als ich nur noch
wenige Kilometer von Zuhause entfernt war, trat ich versehentlich etwas
beherzter auf das Gaspedal. Es gab einen Ruck und plötzlich ergab sich ein
bedeutend längerer Pedalweg als zuvor.
Siehe da: Das Pedal hatte sich einfach
nur verklemmt. Der Bus nahm zГјgig
(Notiz: zГјgig bitte streichen) an Fahrt
auf. Und ich donnerte nun, je nach Ver-
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kehrslage, mit bis zu 90 atemberaubenden Stundenkilometern nach Hause.
Zuhause hieГџ in diesem Fall zu meinem
Kumpel nach Borken, einem erfahrenen
Schrauber aus der Lada-Szene.
Dort sollte mein Bus erstmal durchgesehen werden. Und so platzte ich am
frГјhen Abend in eine Lada-Schrauberrunde hinein. GroГџes Hallo und Blitzlichtgewitter. Es wurde geposed, gefachsimpelt, gegrillt, getrunken und gefreut.
Ja, das war mir auf der ganzen Fahrt
schon aufgefallen. Dieses Auto vermittelt Freude. Und zwar nicht nur beim
Fahrer ("am Fahren" ist ein anderer
Verein).
Ein russischstämmiger Lada-Freund aus
der Runde fragte mich beiläufig warum
ich denn die Strecke mit zugeschaltetem Allrad gefahren sei. Ich antwortete
nicht, biss mir nur mental auf die Lippen. Nun wurde schlagartig klar, wie
der enorme Benzinverbrauch von gut
18 Litern, vielleicht sogar mehr, zustande kam. Und warum sich dieses Fass
derartig schwer lenken lieГџ. Durch ihn
wurde auch das Rätsel gelöst, warum
sich der Bus, nachdem man ihn fГјr einen kurzen Stop abgestellt hatte, derar-
tig schlecht wieder starten lieГџ. Das sei
so bei (zumindest russischen) Vergasermotoren, weil sich Luftblasen bilden,
dagegen helfe den Wagen mit durchgetretenem Gaspedal zu starten. Und so
war es tatsächlich. Mit durchgetretenem Gaspedal sprang er schnell und
zuverlässig an. Und so hatte ich die
erste lehrsame Bekanntschaft mit meinen Bus geschlossen.
Das ist nun bald 8 Jahre her. Der Bus ist
angemeldet als LKW und wird regelmäßig von mir gefahren. Zwar nicht
gerade als Erstfahrzeug, aber durchaus
auch im Alltag.
Allerdings gingen der Anmeldung auch
fast vier Jahre an Reparaturen, kurzen
und längeren Fahrten mit Kurzzeitkennzeichen, viele Fehlinvestitionen (in
falsch geplante Restaurierungsvorhaben
und falsche Teile) voraus. Und natГјrlich
eine Vollabnahme nach В§21 StvZO. Aber
ich lernte auch viel in diesen Jahren. Ich
fand Freunde, grГјndete ein Forum,
kaufte einen weiteren UAZ - einen
moderneren UAZ Hunter und verkaufte ihn wieder. Fast alles kam und ging.
Nur der Bus blieb. Und die Freude an
ihm meist auch. Selbst wenn er
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manchmal Гјber Monate nur stand.
Denn nichts mir Bekanntes fährt sich
auch nur annähernd so urig wie der
Bus. Kein Auto macht mir immer wieder soviel Freude (wenn es denn fährt).
Er ist ohrenbetäubend laut! Er stinkt!
Er ist schwergängig und das genaue
Gegenteil von flink und wendig! Die
Lenkung hat so etwas wie einen eigenen Willen der stets gebrochen werden
muГџ. So entsteht ein permanenter Dialog zwischen Fahrer und Fahrzeug. Die
Bremsen verzögern. Aber selten gleichzeitig und nie gleichmäßig. Eine vorausschauende Fahrweise ist dringend empfohlen. Die ersten beiden Gänge und
der Rückwärtsgang sind unsynchronisiert. Das Schalten wollte noch mal
vollständig neu erlernt werden. Raufschalten mit Zwischenkuppeln, Runterschalten mit Zwischengas. Kupplungspedal, Bremspedal, Lenkung und Schaltstock. Alles will von starker, fester Hand
betätigt werden. Der Begriff Kraftfahrer
bekommt erst hier eine echte Bedeutung.
Aber er macht trotzdem - oder eigentlich eher gerade deshalb- solchen SpaГџ
zu fahren. Und am schönsten ist es
tatsächlich, wenn der Asphalt unter den
Rädern verschwindet und es steinig
und schlammig wird. Denn hier zeigt er
wofГјr er eigentlich gebaut ist. Wo er
sich wohl fГјhlt. Ja, er zeigt trotz seiner
Ausmaße plötzlich einen Anflug von
LeichtfГјГџigkeit wie man es bei Nilpferden im Wasser beobachten kann. Und
er läßt keinen Zweifel an seinem
Durchsetzungsvermögen jenseits befestigter Straßen aufkommen. Er spielt
ganz mГјhelos in einer Liga mit den ganz
groГџen Namen seines Genres mit. Dabei kann er nichtmal auf schwindelerregende PS Zahlen verweisen. Mit bescheidenen 72 PS aus 2,5 Litern Hubraum ist er wahrlich kein Beschleunigungswunder. Wobei die Geschwindigkeitsgrenze eher vom Fahrwerk als
durch zu geringe Motorleistung vorgegeben wird.
Auf zwei Starrachsen und riesigen
Blattfederpaketen kann man ab ca. 80
Km/h das Fahrverhalten wohl am ehesten als eigenwillig bezeichnen. Dennoch tut er das Einzige was man tatsächlich von ihm verlangen kann:
Fahren!
Aber er stellt hohe Anforderungen an
seinen Halter. Er ist hochgradig reparaturanfällig und kann einen Laien wie
mich schnell an seine Grenzen bringen.
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Aber er ist technisch beherrschbar,
wenn auch nicht auf Anhieb, und so läßt
sich das Autoschrauben an ihm doch
hervorragend erlernen. Mittlerweile
hatte ich so ziemlich jedes Bauteil wenigstens schon einmal in der Hand. Viele Dinge habe ich selbst erledigen können, für andere benötigte ich die Hilfe
von Freunden - die ich ganz nebenbei
noch Гјber dieses Fahrzeug dazu gewann.
Ich freue mich auf weitere Fahrten.
Zu Beginn träumte ich noch von großen Reisen im Wohnmobilausbau, durch
abgelegenste Regionen. Das hat sich
zwar nicht ausgeträumt, wohl aber relativiert. Denn schon 500 Kilometer mit
dem Bus sind nicht von Pappe. Und der
hohe Wartungs- und Reparaturaufwand
machen Zeit, Geduld, ein gutes Ersatzteillager, Werkzeug an Bord und natürlich entsprechende Fähigkeiten fast
zwingend erforderlich. Die ersten Reisen sind daher auch mit mehreren
Fahrzeugen geplant. Kaliningrad, Ukraine oder doch …. Richtung Baikalsee ...
Mal sehen!
Nachtrag: Kurz nachdem ich diesen
Artikel fertiggestellt hatte, habe ich den
Bus verkauft. Der Zufall hat es so gewollt. Es war eine schöne, wenn auch
ziemlich kapriziöse Zeit. J.B.
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